Die Schweiz sieht sich gern in ihrer Rolle als Krypto-Nation. Besonders im Kanton Zug, der immer wieder als ‚Crypto Valley‘ bezeichnet wird, gibt es eine hohe Dichte an Krypto-Startups. Ihre Konten müssen diese allerdings im Ausland beantragen, denn auch wenn sich die Politik offen zeigt, nehmen viele Schweizer Banken keine Blockchain-Unternehmen in ihren Kundenstamm auf. Das führt bereits zu einer Verlagerung der Szene in kryptofreundlichere Länder.

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler hat das Problem erkannt und drängt nun auf eine Lösung. Bundesrat Ueli Maurer hat daraufhin ein Treffen einberufen, an der die Schweizerische Nationalbank, das Staatssekretariat für internationale Finanzen, die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA, die Hypothekarbank Lenzburg, die Kantone Zürich und Zug und die Schweizerische Bankiervereinigung SBVg teilnahmen. Die SBVg hat als Resultat der Sitzung eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie soll Empfehlungen für die Schweizer Banken hinsichtlich Kontoeröffnungen für Blockchain- und Kryptogesellschaften ausarbeiten und diese mit der FINMA abstimmen.

Abwanderung in Offshore-Oasen

Über Initial Coin Offerings sammeln viele Krypto-Startups ihr Anfangskapital ein. Damit ist das in einem Land über ICOs eingesammelte Geld auch immer ein Indikator für das jeweilige Wachstum der Krypto-Szene. Neue Daten der swissinfo.ch zeigen: Karibische Steueroasen legen an Bedeutung zu, während die Schweiz verliert.

So generierten Schweizer ICOs im Jahr 2017 noch 1.46 Milliarden US-Dollar, damit lag die Schweiz hinter den USA auf Platz zwei weltweit. Im ersten Halbjahr 2018 waren es mit dem sechsten Platz und 456 Millionen USD deutlich weniger, besonders im Vergleich zum Spitzenreiter Cayman-Inseln (4.25 Milliarden USD) und den Britischen Jungferninseln (2.23 Milliarden USD). Interessant ist, dass insbesondere die grossen ICOs ausbleiben: Lag der durchschnittlich eingesammelte Betrag schweizbasierter ICOs 2017 bei 44 Millionen USD pro ICO, waren es in den ersten beiden Quartalen 2018 nur 16 Millionen USD.

Und ein Blockchain-Gesetz?

Wenn sich die Schweizer Banken nun der Krypto-Szene öffnen, muss die Politik dringend für eine geeignete legale Infrastruktur sorgen. Gerade erst hatte Liechtenstein sein Blockchain-Gesetz vorgestellt, das ab Sommer 2019 einen rechtlichen Rahmen für DLT und damit Kryptowährungen bilden soll. Auf Malta sind drei solcher Gesetze bereits Anfang Juli in Kraft getreten – damit ist die ‚Blockchain Island‘ der erste Staat mit entsprechenden Regulierungen. Bleibt abzuwarten, wann die Schweiz nachzieht.

Mehr zum Thema:

Schweiz, 23.06.2018 – Erste Blockchain-Abstimmung in Zug
Liechtenstein, 05.07.2018 – Next Crypto Valley? Vaduz präsentiert Blockchain-Gesetz
Malta, 08.07.2018 – DLT-Gesetze für Blockchain Island

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