Die regulatorische Akzeptanz von digitalen Währungen gewinnt in Europa massiv an Dynamik. In einem wegweisenden Schritt hat die britische Zentralbank ihre bisherigen Pläne revidiert und weitreichende Lockerungen für die Regulierung von Stablecoins verkündet. Die Bank of England verzichtet in ihrem neuen Regelwerksentwurf auf die ursprünglich angedachten, strengen Obergrenzen für den Besitz von digitalen Währungen durch Privatpersonen und Unternehmen.
Die Entscheidung markiert eine strategische Neuausrichtung in London. Statt die Nutzung auf individueller Ebene einzuschränken, soll der Markt durch globale Leitplanken für Emittenten geschützt werden, um das digitale Pfund kommerziell attraktiv und alltagstauglich zu machen.
Kritik der Krypto-Branche zeigt Wirkung
Im vergangenen Jahr sah der Entwurf der britischen Währungsbehörde noch drakonische Einschränkungen vor. Geplant war ein striktes Limit von maximal 20’000 Pfund pro Privatperson und zehn Millionen Pfund für Unternehmen. Damit sollte ein plötzlicher Abfluss von klassischen Bankeinlagen in Richtung digitaler Alternativen verhindert werden.
Diese Pläne stiessen jedoch auf heftigen Widerstand der Krypto-Industrie. Führende Plattformen und Emittenten warnten eindringlich davor, dass solche Obergrenzen den britischen Markt im internationalen Vergleich isolieren und Innovationen ins Ausland treiben würden. Mit der vollständigen Streichung dieser individuellen Besitzgrenzen reagiert die Zentralbank direkt auf dieses Feedback. Das neue Framework verlagert den Fokus weg vom Endnutzer hin zu den Herausgebern der Token.
Neue Schutzmechanismen: Das 40-Milliarden-Pfund-Limit
Anstelle der Halte-Limits führt die Zentralbank eine temporäre Obergrenze für das Gesamtemissionsvolumen ein. Systemisch relevante Stablecoins dürfen demnach initial ein maximales Gesamtvolumen von 40 Milliarden Pfund pro Coin in Umlauf bringen. Diese Grenze wird regelmässig überprüft und soll wegfallen, sobald sich das Finanzsystem vollständig an die neue Form des Geldes angepasst hat.
Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Deckungsreserven der Stablecoins gelockert, was die Wirtschaftlichkeit für Emittenten erheblich verbessert:
- Höherer Staatsanleihen-Anteil: Anbieter dürfen künftig bis zu 70 Prozent ihrer Reserveguthaben in zinstragenden, kurzfristigen britischen Staatsanleihen halten. Zuvor lag diese Grenze bei restriktiveren 60 Prozent.
- Zentralbank-Einlagen: Die verbleibenden 30 Prozent müssen als unverzinste Einlagen direkt bei der Bank of England hinterlegt werden, um jederzeit eine schnelle Auszahlung der Nutzer zu garantieren.
Durch den höheren Anteil an verzinsharen Staatsanleihen wird es für Unternehmen deutlich lukrativer, regulierte Stablecoins im britischen Wirtschaftsraum anzubieten. Details zur neuen Verordnung der Bank of England.
Reaktionen und Zeitplan bis 2027
Die Reaktionen aus der Krypto-Welt fielen positiv aus. Branchenvertreter betonten, dass die Anpassungen Grossbritannien zu einem der fortschrittlichsten Standorte für digitale Währungen machen könnten. Das revidierte Regelwerk befindet sich nun bis zum 22. September 2026 in der Konsultationsphase. Die finale Umsetzung und der offizielle Start des regulierten Stablecoin-Betriebs in Grossbritannien sind für den Beginn des Jahres 2027 angesetzt.
Auch für den Schweizer Finanzplatz und das Crypto Valley in Zug sind diese Signale aus London von grosser Bedeutung. Die pragmatische Haltung der Bank of England zeigt, dass europäische Regulatoren zunehmend erkennen, dass starre Verbote der wirtschaftlichen Realität hinterherhinken und die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
Fazit: Krypto wird zur normalen Finanzrealität in Europa
Die Kehrtwende der Bank of England untermauert einen unumkehrbaren Trend auf dem europäischen Kontinent: Digitale Vermögenswerte und Stablecoins entwickeln sich rasant von einer spekulativen Nische zu einem integralen Bestandteil der normalen Finanzrealität. Dass eine der ältesten und traditionellsten Zentralbanken der Welt ihre restriktiven Pläne zugunsten der Markttauglichkeit opfert, beweist, dass Krypto im Jahr 2026 im Mainstream angekommen ist. Statt digitale Währungen künstlich zu beschränken, setzt Europa auf rechtssichere, skalierbare Rahmenbedingungen, die das traditionelle Bankenwesen und die Blockchain-Technologie schrittweise miteinander verschmelzen lassen.


