Vor wenigen Jahren kannten die Plattform vor allem eingefleischte Kryptofans. Heute beschäftigen sich Regierungen, Aufsichtsbehörden und Glücksspielregulatoren rund um den Globus mit ihr. Polymarket hat den Sprung aus der Krypto-Nische geschafft – und gerät genau deshalb zunehmend unter Druck. Nun hat auch die Türkei den Zugang zur Blockchain-basierten Prognoseplattform gesperrt.
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Wie «EngelliWeb» berichtet, wurde Polymarket auf Anordnung der türkischen Generaldirektion der Nationalen Lotterie (Milli Piyango İdaresi Genel Müdürlüğü) mit Beschluss vom 16. Juli 2026 gesperrt. Als Begründung nennen die Behörden «illegales Glücksspiel» beziehungsweise «illegale Wetten». Damit reiht sich die Türkei in eine wachsende Liste von Staaten ein, die gegen die Plattform vorgehen.
Polymarket unter Druck: Die Liste der Sperren wird immer länger
Der Fall zeigt, wie stark sich die Wahrnehmung von Prognosemärkten in den vergangenen Jahren verändert hat. Als Polymarket 2020 gegründet wurde, bewegte sich das Angebot fast ausschliesslich innerhalb der Kryptoszene. Nutzer konnten mithilfe des Stablecoins USDC auf den Ausgang politischer Ereignisse, wirtschaftlicher Entwicklungen oder gesellschaftlicher Themen setzen. Lange blieb das Angebot ein Nischenprodukt.
Das änderte sich schlagartig während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2024. Millionen von Dollar flossen in die Märkte, während grosse Medienhäuser wie CNN, Bloomberg, CNBC oder das Wall Street Journal neben klassischen Umfragen plötzlich auch die Wahrscheinlichkeiten von Polymarket in ihre Berichterstattung aufnahmen. Die Plattform entwickelte sich für viele Beobachter zu einem alternativen Stimmungsbarometer – und gewann dadurch weltweit an Bekanntheit.
Polymarket 101: Alles, was man über die blockchain-basierte Prognose-Plattform wissen sollte
Mit der Popularität wuchs allerdings auch der regulatorische Druck. Behörden stellten zunehmend die Frage, ob es sich tatsächlich um Prognosemärkte oder letztlich doch um Glücksspiel handelt. Genau an diesem Punkt setzen nun zahlreiche Länder an. Erst vor wenigen Tagen hatte Frankreich den Zugang zu Polymarket eingeschränkt. Die französische Glücksspielaufsicht ANJ erklärte, die Plattform werde nicht als Prognosemarkt, sondern als Glücksspielangebot eingestuft. Besonders bemerkenswert: Die Sperre erfolgte unmittelbar vor dem Finale der Fussball-Weltmeisterschaft – einem Zeitpunkt, zu dem das Interesse an entsprechenden Märkten besonders hoch war.
Auch Kalshi könnte bald in den Fokus geraten
Auch andere Staaten haben bereits ähnliche Massnahmen ergriffen. Dazu gehören unter anderem Deutschland, Portugal, Tschechien, Thailand, Singapur, Russland und Brasilien. Die Liste der Länder, die Polymarket kritisch sehen oder den Zugang einschränken, wird damit immer länger. Für den türkischen Kryptomarkt hat die Entscheidung noch eine weitere Dimension. Erst vor Kurzem hatte die Kryptobörse Paribu angekündigt, Polymarket in ihr Angebot integrieren zu wollen. Nutzer sollten künftig über die Börse auf Prognosemärkte zugreifen können.
Nach der nun verhängten Sperre erscheint es wahrscheinlich, dass diese Funktion wieder verschwindet oder gar nicht erst vollständig eingeführt wird. Neben Polymarket gewinnt auch die Plattform Kalshi international zunehmend an Bedeutung. Branchenbeobachter halten es deshalb für möglich, dass auch sie in einzelnen Ländern bald stärker ins Visier der Behörden geraten könnte. Die Entwicklung verdeutlicht den schwierigen Spagat, vor dem Regulierungsbehörden weltweit stehen. Prognosemärkte gelten für viele als innovative Anwendung der Blockchain-Technologie und liefern in manchen Fällen erstaunlich präzise Einschätzungen zu politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen.
Kritiker sehen darin hingegen nichts anderes als moderne Wettplattformen mit Kryptowährungen. Für Polymarket beginnt damit eine neue Phase. Der kometenhafte Aufstieg der vergangenen Jahre wird zunehmend von regulatorischen Hürden begleitet. Ob sich Prognosemärkte langfristig als eigenständige Finanzprodukte etablieren oder in immer mehr Ländern unter das Glücksspielrecht fallen, dürfte zu einer der spannendsten Fragen der Kryptoindustrie werden. (mck)


