Der Binance-Hack bekommt eine geopolitische Dimension. US-Präsident Donald Trump hat sich persönlich zu dem Angriff auf die weltgrösste Kryptobörse geäussert. Die entscheidende Frage lautet nun: Steckt Nordkorea hinter dem Milliarden-Diebstahl? Bei einer Fragerunde mit Journalisten im Weissen Haus sagte Trump, die US-Regierung untersuche den Angriff. Auf die Frage, ob Nordkorea für den Hack verantwortlich sei, antwortete er sinngemäss: «Wir wissen es nicht, wir untersuchen das.»
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Damit ist die Herkunft der Attacke aus Sicht der US-Regierung weiterhin nicht abschliessend geklärt. Gleichzeitig gibt es bereits eine konkrete Spur. Das Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs kommt zu dem Schluss, dass die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor hinter dem Angriff steckt. Die Einschätzung beruhe auf umfangreichen Informationen aus der Blockchain und aus anderen Quellen. TRM bezeichnet die Zuordnung als mit hoher Sicherheit getroffen.
Trump schaltet sich in Binance-Hack ein: War es Nordkorea?
TraderTraitor ist in der Kryptobranche kein unbekannter Name. Die Gruppe wird mit mehreren grossen Krypto-Diebstählen in Verbindung gebracht. Auch beim Angriff auf die Kryptobörse Bybit im Februar 2025, bei dem rund 1,5 Milliarden Dollar erbeutet wurden, hatten US-Behörden Nordkorea als Verantwortlichen benannt. Der Binance-Fall wäre allerdings eine ganz andere Grössenordnung. TRM Labs beziffert die aus Binance-Wallets bewegten Vermögenswerte auf rund 6,36 Milliarden Dollar.
Das Geld wurde über zehn verschiedene Blockchain-Netzwerke verschoben. Der Grossteil der Transfers erfolgte innerhalb von nur rund 20 Minuten. Damit wäre der Angriff der bislang grösste bekannte Krypto-Diebstahl. Besonders brisant ist die technische Spur. Nach den Analysen von TRM Labs könnten die Angreifer Zugriff auf die Infrastruktur erhalten haben, mit der Binance seine sogenannten Hot Wallets signiert. Dabei handelt es sich um Wallets, die mit dem Internet verbunden sind und für Transaktionen genutzt werden.
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Auf Ethereum soll unter anderem eine spezielle Funktion genutzt worden sein, um eine Binance-Wallet unter die Kontrolle eines sogenannten Sweeper-Vertrags zu bringen. Binance selbst hat den Sicherheitsvorfall bestätigt. Die Börse erklärte, rund 6,3 Milliarden Dollar an Token-Vermögenswerten seien betroffen. Zugleich kündigte das Unternehmen an, den finanziellen Schaden für die Nutzer vollständig zu übernehmen. Binance will die gestohlenen Vermögenswerte nach eigenen Angaben über den Secure Asset Fund for Users (SAFU) und Unternehmensmittel abdecken.
6,3 Milliarden Dollar verschwunden: Diese Hackergruppe steht unter Verdacht
Auch bei der Rückholung der Gelder gab es Fortschritte. Rund 3 Milliarden Dollar an Vermögenswerten wurden nach Angaben von Binance beziehungsweise den beteiligten Analyseunternehmen eingefroren. Möglich wurde das vor allem bei Stablecoins wie USDT und USDC, deren Herausgeber bestimmte Bestände auf der Blockchain blockieren können. Für die Nutzer bleibt derweil eine zentrale Frage:
Wann kann wieder normal gehandelt werden? Binance hatte Ein- und Auszahlungen vorübergehend ausgesetzt. Nach Angaben aus dem Unternehmen sollen Auszahlungen schrittweise wieder freigegeben werden; als Ziel wurde der Sonntag genannt. Der Fall ist damit längst mehr als ein gewöhnlicher Krypto-Hack. Sollte sich die nordkoreanische Spur bestätigen, wäre nicht nur Binance betroffen.
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Dann ginge es auch um die Frage, wie gut sich internationale Finanz- und Kryptoinfrastruktur gegen staatlich unterstützte Cybergruppen schützen lässt. Trump wartet noch auf Antworten. Die Blockchain-Analysten glauben bereits, eine gefunden zu haben. Sicher ist bislang nur: Der Milliarden-Hack hat eine politische Dimension erreicht. (mck)


