Der Altcoin-Markt läuft heiss – aber offenbar noch nicht zu heiss. Genau das ist die überraschende Botschaft der Blockchain-Analysefirma Glassnode. Trotz der zuletzt kräftigen Kursbewegungen zeigen die Daten noch keine typische Überhitzung bei gehebelten Altcoin-Positionen. Für den Markt könnte das bedeuten: Der Rallye ist zumindest aus Sicht dieses Indikators noch nicht die Luft ausgegangen.
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Der entscheidende Punkt liegt im Derivatehandel. Dort lässt sich beobachten, wie stark Trader mit geliehenem Kapital auf steigende oder fallende Kurse setzen. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen den offenen Positionen bei Altcoins und Bitcoin. Nach historischen Mustern wird es kritisch, wenn der Anteil der Altcoins am gesamten Open Interest nur noch wenige Prozentpunkte unter dem Bitcoin-Anteil liegt. Dann ist der Markt häufig bereits stark auf Risiko getrimmt.
Altcoin-Rallye? Diese Daten machen Krypto-Anleger hellhörig
Genau an diesem Punkt ist die aktuelle Entwicklung noch nicht angekommen. Glassnode zufolge bleibt der Hebel im Altcoin-Segment unterhalb der Schwelle, die in früheren Phasen auf eine überhitzte Marktstruktur hingedeutet hat. Die Analyse wurde am 18. September veröffentlicht und deutet damit darauf hin, dass trotz des jüngsten Kursanstiegs noch kein extremes Gedränge im Derivatemarkt entstanden ist.
Das ist deshalb interessant, weil Altcoins in den vergangenen Wochen deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen haben. Glassnode hatte bereits Anfang September festgestellt, dass die Marktkapitalisierung der Altcoins binnen eines Monats um rund 21 Prozent gestiegen war. Gleichzeitig fehlte jedoch eine für späte Marktphasen typische Kapitalrotation: Anleger schichteten ihr Geld bislang nicht in grossem Stil von Bitcoin in spekulativere kleinere Token um.
Genau diese Kombination macht die aktuelle Situation ungewöhnlich. Die Kurse vieler Altcoins steigen, doch die dazugehörige Hebelwette bleibt vergleichsweise moderat. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Kurse weiter steigen müssen. Es bedeutet lediglich, dass ein wichtiger Warnhinweis für eine überfüllte Long-Positionierung bislang fehlt.
Glassnode liefert einen wichtigen Hinweis
Denn Hebel kann im Kryptomarkt schnell zum Brandbeschleuniger werden. Steigen die Kurse, vervielfacht er mögliche Gewinne. Dreht der Markt jedoch nach unten, können Positionen zwangsweise geschlossen werden. Diese Liquidationen erzeugen zusätzlichen Verkaufsdruck – und können eine Abwärtsbewegung dadurch verstärken. Dass genau diese Spirale bei Altcoins derzeit noch nicht in voller Stärke sichtbar ist, dürfte für risikofreudige Marktteilnehmer bemerkenswert sein.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine Aussage von David Hoffman, Mitgründer und Moderator von Bankless. Er erklärte auf X, die Altcoin-Saison habe begonnen und der entscheidende Wendepunkt sei früher gekommen als erwartet. Hoffman ist dabei selbst kein unbeteiligter Beobachter: Nachdem er seine Ether-Bestände verkauft hatte, kaufte er später unter anderem VVV, NEAR, ZEC, HYPE und LIT. Glassnodes Daten liefern allerdings kein Freifahrtschein für die nächste Altcoin-Rallye.
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Die jüngste Marktanalyse des Unternehmens zeigt vielmehr ein gemischtes Bild. Während Bitcoin zuletzt unter Druck geriet und Altcoins stärker nachgaben, blieb die langfristige Struktur vieler Coins zunächst intakt. Damit bleibt eine spannende Frage offen: Steht der Altcoin-Markt tatsächlich erst am Anfang einer grösseren Bewegung – oder fehlt nur noch der typische Überschwang, der vergangene Rallyes irgendwann ins Gegenteil kippen liess? Die Antwort darauf dürfte weniger an einzelnen spektakulären Token liegen als an der Entwicklung von Kapitalflüssen, Bitcoin-Dominanz und vor allem dem Einsatz von Hebel. (mck)
