Kann ausgerechnet Krypto Washington den Rücken stärken? Eine neue Analyse der britischen Grossbank Standard Chartered zeichnet ein Szenario, das selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt: Stablecoins könnten bis 2028 bis zu einer Billion Dollar neue Nachfrage nach US-Staatsanleihen erzeugen – und damit eine stille Stütze für die amerikanische Schuldenfinanzierung werden.
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Was nach digitalem Nischenprodukt klingt, ist längst im Herzen des Finanzsystems angekommen. Stablecoins, also an den Dollar gekoppelte Kryptowährungen, dienen nicht mehr nur als Handelsmittel auf Kryptobörsen. Seit der Verabschiedung des sogenannten GENIUS Act im Juli 2025 müssen regulierte Emittenten ihre Reserven in hochwertigen, liquiden Vermögenswerten halten – vor allem in kurzlaufenden US-Treasury-Bills. Digitale Dollar werden damit faktisch zu Käufern amerikanischer Schuldtitel.
Wie Stablecoins die USA aus dem Schuldenstrudel ziehen könnten
Der Markt ist bereits gewachsen. Das weltweite Stablecoin-Angebot liegt heute bei über 300 Milliarden Dollar. Laut den Analysten Geoffrey Kendrick und John Davies von Standard Chartered soll es bis 2028 auf zwei Billionen Dollar steigen. Die Folge: Zwischen 800 Milliarden und einer Billion Dollar könnten zusätzlich in kurzlaufende US-Staatsanleihen fliessen. Der Grossteil dieser Nachfrage würde am kurzen Ende der Zinskurve entstehen.
Übersetzt heisst das: Stablecoin-Emittenten könnten zu den grössten Käufern von T-Bills aufsteigen. Und das nicht durch Umschichtungen, sondern durch echte, neue Nachfrage. Der Bericht geht davon aus, dass allein in den kommenden drei Jahren rund 900 Milliarden Dollar an zusätzlichem Kapital in den Markt strömen könnten.
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Getrieben wird dieses Wachstum vor allem von Schwellenländern. Wo Inflation Kaufkraft frisst und Währungen schwanken, suchen Menschen Schutz im Dollar – zunehmend in digitaler Form. Wer in Buenos Aires oder Istanbul Stablecoins hält, stützt indirekt den Markt für US-Staatsanleihen. Kryptokapital fliesst so leise in die Finanzierung der grössten Volkswirtschaft der Welt.
Krypto könnte Washington zur Rettung eilen
Für das US-Finanzministerium ist das keine Randnotiz. Je grösser die Stablecoin-Reserven, desto stärker ihr Einfluss auf die Emissionspolitik. Sollte die Nachfrage tatsächlich in dieser Grössenordnung wachsen, könnte es bei kurzlaufenden Papieren zu Verknappungen kommen, falls das Angebot nicht angepasst wird. US-Finanzminister Scott Bessent hat bereits angedeutet, dass Stablecoins eine Rolle im amerikanischen Schuldenmanagement spielen könnten.
Das Szenario birgt Chancen und Risiken zugleich. Einerseits stärkt es die globale Stellung des Dollars im digitalen Raum. Andererseits entsteht eine engere Verflechtung zwischen privaten Krypto-Emittenten und staatlicher Schuldenpolitik. Je grösser die Summen, desto lauter die Frage nach Aufsicht und Regulierung. Noch dominieren kurzlaufende US-Treasuries als bevorzugte Reserveform. Alternative Besicherungsmodelle werden diskutiert, doch regulatorisch bleiben Staatsanleihen der Kern. Damit wird ein eigentliches Krypto-Produkt zum systemrelevanten Faktor für traditionelle Märkte.
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Ob Stablecoins die USA tatsächlich aus dem Schuldenstrudel retten, bleibt offen. Klar ist jedoch: Digitale Dollar sind längst mehr als technisches Spielzeug. Sie entwickeln sich zu einem Finanzierungsinstrument mit geopolitischer Tragweite. Und während Washington Milliarden an neuen Schulden ausgibt, könnte ausgerechnet die Kryptobranche zum verlässlichsten Käufer werden. (mck)


