Quantencomputer gelten für viele Experten als eine der grössten technologischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Während leistungsfähige Systeme bislang noch Zukunftsmusik sind, bereiten sich immer mehr Unternehmen und Blockchain-Projekte bereits heute auf mögliche Risiken vor. Nun macht auch Ethereum den nächsten Schritt: Die Entwickler wollen einen zentralen Bestandteil des Netzwerks so umbauen, dass es langfristig gegen Angriffe durch Quantencomputer gewappnet ist.

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Der Vorschlag stammt von Thomas Coratger, Leiter des Quantum-Security-Teams der Ethereum Foundation, gemeinsam mit den unabhängigen Forschern Kevaundray Wedderburn und Tom Wambsgans. Ihr Ziel ist klar: Das Einzahlungsverfahren für Ethereum-Validatoren soll künftig deutlich flexibler werden und den Weg für quantensichere Kryptografie ebnen.

Ethereum: Warum ETH einen historischen Sicherheitsumbau plant

Noch handelt es sich lediglich um einen technischen Vorschlag. Dennoch zeigt die Initiative, dass sich die zweitgrösste Blockchain der Welt bereits heute mit einer Bedrohung beschäftigt, die zwar noch nicht unmittelbar bevorsteht, langfristig jedoch erhebliche Folgen für die Sicherheit digitaler Vermögenswerte haben könnte. Im Zentrum der Diskussion steht der sogenannte ETH-Deposit-Contract. Über diesen Smart Contract hinterlegen Teilnehmer ihre Ether, um als Validatoren am Proof-of-Stake-Netzwerk teilzunehmen.

Seit der Umstellung von Ethereum auf Proof of Stake im Jahr 2022 erfolgt dieser Prozess ausschliesslich über das sogenannte BLS-Signaturverfahren. Genau hier sehen die Entwickler Handlungsbedarf. Das derzeit verwendete Signatursystem gilt zwar nach aktuellem Stand als sicher, wurde jedoch nicht für ein Zeitalter leistungsfähiger Quantencomputer entwickelt. Sollte künftig eine quantensichere Signaturtechnologie eingeführt werden, könnte der bestehende Einzahlungsvertrag diese gar nicht verarbeiten.

Die Folge: Selbst wenn modernere Kryptografie verfügbar wäre, würde die Infrastruktur sie nicht unterstützen. Aus diesem Grund schlagen die Forscher einen grundlegenden Umbau vor. Künftig soll der Deposit-Contract nicht mehr ausschliesslich BLS-Schlüssel akzeptieren, sondern verschiedene Signaturverfahren unterstützen. Dadurch würde das System deutlich flexibler und könnte neue kryptografische Standards aufnehmen, ohne dass jedes Mal die gesamte Infrastruktur neu entwickelt werden müsste.

Quantencomputer im Visier: Die Krypto-Welt denkt schon an morgen

In einer ersten Phase könnten Validatoren dann selbst entscheiden, welches unterstützte Signaturverfahren sie verwenden möchten. BLS bliebe zunächst weiterhin möglich. Langfristig verfolgen die Entwickler jedoch ein deutlich ambitionierteres Ziel. Perspektivisch soll das bisherige Signatursystem vollständig ersetzt werden. An seine Stelle würden ausschliesslich Verfahren treten, die auch gegen Angriffe durch Quantencomputer widerstandsfähig sind.

Der Vorschlag reiht sich in eine wachsende Debatte innerhalb der Kryptobranche ein. Während zuletzt vor allem KI-gestützte Angriffe und raffinierte Betrugsmaschen für Schlagzeilen sorgten, richtet sich der Blick vieler Forscher zunehmend auf die nächste technologische Entwicklungsstufe. Zwar existieren derzeit noch keine Quantencomputer, die etablierte Blockchain-Kryptografie praktisch gefährden könnten. Dennoch gilt die Entwicklung entsprechender Schutzmechanismen als langfristige Vorsorgemassnahme.

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Auch andere Projekte beschäftigen sich inzwischen intensiv mit quantensicherer Kryptografie. Ethereum gehört jedoch zu den ersten grossen Blockchain-Netzwerken, die konkrete Änderungen an zentralen Bestandteilen ihrer Infrastruktur vorbereiten. Ob und wann der Vorschlag umgesetzt wird, ist derzeit noch offen. In der Ethereum-Entwicklung durchlaufen derartige Änderungen üblicherweise einen längeren Prüfungs- und Diskussionsprozess. Fest steht jedoch bereits heute: Die Entwickler denken längst nicht mehr nur an die nächsten Monate, sondern an die Sicherheitsanforderungen der kommenden Jahrzehnte.

Für Anleger hat der Vorstoss deshalb vor allem symbolischen Charakter. Er zeigt, dass die grössten Blockchain-Projekte versuchen, potenziellen Bedrohungen nicht erst dann zu begegnen, wenn sie Realität werden. Stattdessen sollen die technischen Grundlagen schon heute so vorbereitet werden, dass Ethereum auch in einer möglichen Quantenära funktionsfähig und sicher bleibt. (mck)

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