Bei Binance wird XRP plötzlich knapp. Die Bestände der Kryptowährung auf der weltgrössten Kryptobörse sind innerhalb von nur zwei Tagen massiv gesunken. Am 30. Oktober lagen noch 2,47 Milliarden XRP in den erfassten Reserven – so wenig wie seit Dezember 2022 nicht mehr. Die Zahlen stammen vom Blockchain-Analyseunternehmen CryptoQuant. Demnach verfügte Binance am 28. Oktober noch über rund 2,69 Milliarden XRP. Zwei Tage später waren es 220 Millionen Token weniger. Das entspricht einem Rückgang von rund 8,18 Prozent.
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Für XRP-Anleger klingt das zunächst nach einer ziemlich eindeutigen Botschaft: Jemand räumt die Börsenbestände leer. Doch so einfach ist es nicht. Sinkende Reserven auf Kryptobörsen werden häufig als Zeichen dafür interpretiert, dass Anleger ihre Coins abziehen und möglicherweise langfristig halten wollen. Je weniger XRP auf einer Börse liegen, desto weniger Token stehen dort unmittelbar für Verkäufe zur Verfügung. Das könnte den Verkaufsdruck reduzieren – zumindest dann, wenn gleichzeitig genügend Nachfrage vorhanden ist.
XRP-Bestände brechen ein: Warum Anleger jetzt genau hinschauen
Genau diese letzte Bedingung ist entscheidend. Denn ein sinkender Börsenbestand beweist nicht, dass Anleger XRP kaufen oder langfristig akkumulieren. Die Token können auch in eine private Wallet, zu einem institutionellen Verwahrer oder auf eine andere Handelsplattform verschoben worden sein. Die Blockchain zeigt, wohin die Coins gehen. Warum sie bewegt wurden, lässt sich daraus allein nicht ablesen. Interessant ist deshalb, dass Binance nicht allein betroffen ist. Auch bei anderen grossen Handelsplätzen gingen die XRP-Bestände zurück.
Bei Bybit fiel die Reserve zwischen dem 28. und 30. Oktober von rund 306 Millionen auf 286 Millionen XRP. Bithumb verzeichnete einen Rückgang von 1,847 Milliarden auf 1,837 Milliarden XRP. Zusammen verschwanden damit rund 250 Millionen XRP aus den erfassten Beständen dieser drei Börsen. Allerdings zeigt der Blick auf Upbit, dass die Entwicklung nicht überall gleich aussieht. Dort stieg der XRP-Bestand im selben Zeitraum sogar leicht von 6,42 auf 6,44 Milliarden Token. Von einem vollständigen Exodus kann deshalb keine Rede sein.
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Noch kurioser wird die Situation beim Preis. Trotz der sinkenden Börsenreserven konnte XRP bislang keinen entsprechenden Kurssprung hinlegen. Der Token notierte zuletzt bei rund 1,24 Dollar und stand damit weiter unter Druck. Auch die institutionelle Nachfrage liefert derzeit kein klares Signal. Für den 30. Oktober wurden bei XRP-ETFs sogar Nettoabflüsse von rund 496.000 Dollar gemeldet. Damit prallen zwei Signale aufeinander: Auf der einen Seite verschwinden grosse Mengen von den Börsen. Auf der anderen Seite fehlt der Kurs die Kraft für eine nachhaltige Erholung.
Binance verzeichnet grössten Bestandsrückgang seit Jahren
Für Trader ist genau das die spannende Frage. Sollten die Coins tatsächlich in langfristige Hände gewandert sein und die Nachfrage gleichzeitig zurückkehren, könnte ein kleinerer frei verfügbarer Börsenbestand den Verkaufsdruck später verstärken. Kommt dagegen keine neue Nachfrage, ist der sinkende Bestand allein kein Garant für steigende Kurse. Hinzu kommt ein besonderer Zeitpunkt. Binance steht nach dem milliardenschweren Cyberangriff vom 29. Oktober ohnehin unter erhöhter Beobachtung.
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Die Börse hatte dabei Token-Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar als betroffen gemeldet und vorübergehend Auszahlungen ausgesetzt. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Sicherheitsvorfall und dem Rückgang ist bislang allerdings nicht nachgewiesen. Binance plant zudem, seine aktualisierten Proof-of-Reserves zu veröffentlichen. Der XRP-Markt liefert damit derzeit ein ungewöhnliches Bild: Immer weniger XRP liegen auf einigen grossen Börsen – doch der Preis reagiert kaum darauf. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wohin die 220 Millionen verschwunden sind. Sondern auch, wer sie dort jetzt hält. (mck)


