Bitcoin im Sparkassen-Depot? Was vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar war, ist inzwischen Realität. Seit dem 19. Oktober können erste Kunden deutscher Sparkassen Kryptowährungen direkt über ihre Banking-App kaufen und verkaufen. Doch der Start erfolgt nicht auf einen Schlag – und längst nicht jeder Sparkassen-Kunde kann schon loslegen.
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Hinter dem neuen Angebot «Krypto – powered by Deka» steht die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe. Die ersten Institute haben den Handel bereits freigeschaltet. Weitere sollen schrittweise folgen. Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sollen monatlich rund 30 bis 40 weitere Sparkassen hinzukommen. Im ersten Halbjahr 2027 soll bereits ein grosser Teil der interessierten Institute angebunden sein. Einen bundesweit einheitlichen Starttermin gibt es nicht. «Wann eine Sparkasse startet, entscheidet sie selbst», sagte DSGV-Vorstandsmitglied Joachim Schmalzl der Deutschen Presse-Agentur.
Bitcoin bei der Sparkasse: So funktioniert der neue Krypto-Handel
Das bedeutet für Kunden: Die Sparkassen-App kann heute bereits einen Krypto-Bereich anzeigen – muss es aber noch nicht. Entscheidend ist, ob das eigene Institut das Angebot freigeschaltet hat. Wer Zugriff bekommt, braucht keine zusätzliche Krypto-App. In der Sparkassen-App geht es über den Bereich «Anlegen» zum Angebot «Krypto – powered by Deka». Ein eigenes Wertpapierdepot ist dafür nicht zwingend erforderlich. Das Krypto-Konto wird bei der DekaBank geführt, die auch die Verwahrung übernimmt. Die technische Infrastruktur für die Liquidität stellt die Börse Stuttgart Digital bereit.
Zum Start ist die Auswahl überschaubar. Gehandelt werden Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP und Polygon. Exotische Altcoins oder die nächste Meme-Coin-Wette um drei Uhr morgens gehören damit vorerst nicht zum Sparkassen-Menü. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an volljährige Kunden, die ihre Anlageentscheidungen selbst treffen. Eine breite Beratung oder aktive Werbung für den Kryptohandel ist nicht vorgesehen. Auch bei den Kosten gibt es eine klare Ansage: Eine Order kostet 0,99 Euro. Hinzu kommt der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Gehandelt werden kann grundsätzlich nahezu rund um die Uhr, sofern die technische Verfügbarkeit gegeben ist.
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Ein wichtiger Unterschied zu vielen klassischen Krypto-Börsen steckt allerdings bei der Verwahrung. Die Kunden halten die Coins nicht selbst in einer eigenen Wallet. Die Kryptowerte und die dazugehörigen Private Keys werden von der DekaBank verwahrt. Eine Übertragung auf eine beliebige private Hardware-Wallet ist nach den derzeitigen Bedingungen nicht vorgesehen. Das macht das Angebot für Einsteiger einfach, schränkt aber zugleich die Möglichkeiten erfahrener Krypto-Nutzer ein. Wer seine Bitcoin selbst verwahren möchte und den Private Key vollständig kontrollieren will, findet bei der Sparkasse also nicht das klassische «Not your keys, not your coins»-Modell.
Vom Sparbuch zu BTC – doch eine wichtige Sache fehlt
Bemerkenswert ist vor allem, wie stark sich die Haltung der Sparkassen verändert hat. Noch 2022 lagen Pläne für ein eigenes Kryptoangebot auf Eis. Kryptowährungen galten im Verbund wegen ihrer starken Schwankungen als zu riskant. Inzwischen hat sich die Nachfrage der Kunden verändert – ebenso wie der regulatorische Rahmen in Europa. Die DekaBank verfügt seit 2025 über die entsprechende MiCA-Lizenz der BaFin. Ganz zum Krypto-Fanclub werden die Sparkassen trotzdem nicht. Der DSGV warnt weiterhin vor starken Kursschwankungen und dem möglichen Totalverlust.
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Bitcoin und Co. bleiben aus Sicht des Verbands hochspekulative Anlagen. Der historische Schritt ist deshalb weniger eine Liebeserklärung an Bitcoin als eine pragmatische Annäherung. Die Sparkassen wollen ihren Kunden Krypto ermöglichen – aber innerhalb ihrer eigenen Infrastruktur, mit zentraler Verwahrung und unter einem regulierten europäischen Rahmen. Ausgerechnet dort, wo früher das Sparbuch lag, steht damit inzwischen auch Bitcoin auf dem Bildschirm. Die Revolution kommt offenbar nicht mit einem Paukenschlag. Sie kommt per App-Update. (mck)


