Der Bitcoin-Markt wirkt müde. Die Kurse kämpfen, die Stimmung bleibt angespannt und die Angst vor einer neuen Abwärtswelle sitzt tief. Besonders seitdem die wichtigste Kryptowährung Anfang des Monats an der Marke von 82.000 Dollar scheiterte und den viel beachteten 200-Tage-Durchschnitt nicht zurückerobern konnte. Für viele Marktbeobachter war das ein Warnsignal. Für die Analysten des norwegischen Research-Unternehmens K33 hingegen könnte genau darin eine überraschende Stärke liegen.
In ihrer aktuellen Analyse vertreten die Experten eine These, die gegen die verbreitete Nervosität läuft: Das Tief des aktuellen Zyklus könnte bereits im Februar erreicht worden sein – bei rund 60.000 Dollar. Eine gewagte Aussage in einem Umfeld, das zunehmend von Unsicherheit geprägt ist. Die Renditen von US-Staatsanleihen steigen, Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank geraten wieder ins Wanken und an den Finanzmärkten wächst die Sorge vor länger anhaltend hohen Zinsen. Genau solche Phasen galten für Risikoanlagen wie Bitcoin in der Vergangenheit oft als Gift.
Bitcoin: Diese K33-Analyse widerspricht dem Markt
Doch K33 sieht Unterschiede zu früheren Bärenmärkten. Besonders der Blick auf den 200-Tage-Durchschnitt spielt dabei eine zentrale Rolle. Dieser technische Indikator gilt unter Tradern beinahe als psychologische Grenze zwischen langfristigem Aufwärts- und Abwärtstrend. In den Jahren 2014, 2018 und 2022 führte das Scheitern an dieser Marke zu heftigen Kursverlusten.
K33-Analyst Vetle Lunde hält den aktuellen Markt jedoch für strukturell anders. In der Analyse verweist er darauf, dass die zeitlichen Abläufe nicht mit früheren Zyklen vergleichbar seien. Zwischen dem Bruch des gleitenden Durchschnitts im vergangenen November und dem jüngsten Erholungsversuch lagen rund 189 Tage. In früheren Krisenphasen waren es deutlich weniger.
Genau das könnte entscheidend sein. Frühere Erholungen verliefen laut K33 deutlich aggressiver. Anleger stürzten sich damals schnell wieder in den Markt, die Hebelpositionen explodierten, Euphorie machte sich breit – bevor die nächste Verkaufswelle einsetzte. Diesmal sei das anders. Die Erholung wirke langsam, vorsichtig und beinahe skeptisch.
Warum Analysten jetzt optimistisch werden
Oder anders formuliert: Niemand feiert gerade wirklich. Und genau darin sehen die Analysten einen möglichen Vorteil. Ein weniger überhitzter Markt könnte verhindern, dass sich erneut gefährliche Spekulationsblasen bilden. Die Zurückhaltung vieler Anleger könnte paradoxerweise für mehr Stabilität sorgen. Lunde beschreibt es fast wie ein psychologisches Gegengewicht:
Wenn der Bullenmarkt weniger aggressiv verläuft, könnte auch der Bärenmarkt milder bleiben. Anleger würden vorsichtiger handeln, Risiken bewusster eingehen und weniger impulsiv reagieren. Das klingt unspektakulär – ist für den Kryptomarkt jedoch fast schon revolutionär. Denn Bitcoin lebte über Jahre von Extremen. Von Euphorie, Panik und Kursbewegungen, die oft eher Achterbahn als Finanzmarkt waren. Die grosse Frage bleibt trotzdem offen: Reicht eine vorsichtige Stabilisierung aus, um einen nachhaltigen Aufwärtstrend einzuleiten?
Oder ist die aktuelle Ruhe nur die Pause vor der nächsten Enttäuschung? K33 hat sich festgelegt. Das Hauptszenario der Analysten bleibt klar: Die Marke von 60.000 Dollar könnte rückblickend als das Tief dieser Marktphase in Erinnerung bleiben. Für Bitcoin-Anleger wäre das mehr als nur eine technische Analyse. Es wäre ein Signal, dass der Markt langsam erwachsen wird – auch wenn er dabei weiterhin aussieht wie ein nervöser Drahtseilakt über einem Abgrund. (mck)


