Hyperliquid zählt derzeit zu den spannendsten Projekten im Kryptomarkt. Die dezentrale Handelsplattform ist vor allem für Perpetual Futures bekannt, rückt inzwischen aber immer stärker in den Fokus institutioneller Anleger. Einen grossen Anteil daran hat Bitwise.
Der Krypto-Vermögensverwalter bezeichnet den HYPE-Token von Hyperliquid als eines der am stärksten unterbewerteten Assets im Kryptomarkt. Bitwise argumentiert, dass der Markt Hyperliquid noch zu stark als reine Krypto-Derivatebörse bewertet und die grösseren Ambitionen der Plattform unterschätzt. Laut CoinDesk sieht Bitwise Hyperliquid eher als entstehende Handels-Super-App, die künftig nicht nur Krypto, sondern auch Aktien, Rohstoffe, Devisen und Prognosemärkte abdecken könnte.
Damit entsteht ein neues Narrativ: Hyperliquid ist nicht mehr nur ein DeFi-Projekt für Krypto-Trader, sondern könnte zu einer breiteren Finanzmarkt-Infrastruktur werden.
Was ist Hyperliquid?
Hyperliquid ist eine dezentrale Handelsplattform, die vor allem durch den Handel mit Krypto-Perpetual-Futures bekannt wurde. Solche Produkte ermöglichen gehebelte Wetten auf Kursbewegungen, ohne dass ein klassisches Ablaufdatum wie bei traditionellen Futures existiert.
Der Unterschied zu zentralisierten Börsen liegt in der Infrastruktur. Hyperliquid läuft onchain und will Nutzern ein schnelles, liquides und transparentes Handelserlebnis bieten. Inzwischen erweitert das Projekt sein Angebot über klassische Krypto-Märkte hinaus. Es umfasst die Expansion auch Aktien, Rohstoffe und Prognosemärkte. Genau diese Erweiterung ist ein zentraler Grund, warum Bitwise das Projekt deutlich höher einschätzt als viele Marktteilnehmer.
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Bitwise nennt HYPE unterbewertet
Bitwise-CIO Matt Hougan sieht zwei Bewertungsfehler im Markt. Erstens werde der potenzielle Zielmarkt von Hyperliquid unterschätzt. Zweitens werde nicht ausreichend berücksichtigt, wie stark der HYPE-Token direkt von der Aktivität auf der Plattform profitieren kann.
Besonders wichtig ist das Token-Modell. Es werden rund 99 Prozent der Handelsgebühren auf Hyperliquid für Rückkäufe von HYPE verwendet. Dadurch entsteht eine direktere Verbindung zwischen Plattformwachstum und Token-Nachfrage als bei vielen anderen Krypto-Projekten. Bitwise vergleicht HYPE deshalb eher mit börsennahen Geschäftsmodellen wie Robinhood oder CME als mit klassischen DeFi-Governance-Token.
Hougan schätzt laut CoinDesk, dass Hyperliquid annualisierte Umsätze zwischen 800 Millionen und 1 Milliarde US-Dollar erzielt. Gleichzeitig werde HYPE gemessen am Rückkaufstrom mit etwa dem 10- bis 14-Fachen bewertet, was Bitwise im Vergleich zu traditionellen Börsenbetreibern als attraktiv einschätzt.
Der BHYP-ETF bringt HYPE an die Börse
Bitwise hat den Bitwise Hyperliquid ETF mit dem Ticker BHYP gestartet. Laut offizieller Mitteilung von Bitwise begann der Fonds am 15. Mai 2026 an der NYSE zu handeln. Bitwise beschreibt BHYP als einen der ersten Spot-Hyperliquid-ETPs in den USA und als ersten mit internem Staking-Angebot. Die Verwaltungsgebühr liegt bei 0,34 Prozent, wird aber im ersten Monat für die ersten 500 Millionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen auf null gesetzt.
Für den Markt ist das relevant, weil HYPE dadurch auch für Anleger zugänglich wird, die nicht direkt onchain handeln wollen. Der ETF bietet einen regulierten Zugang zu einem Projekt, das bisher vor allem unter aktiven Krypto-Tradern bekannt war.
Laut FXStreet verzeichnete BHYP am ersten Handelstag ein Handelsvolumen von rund 4,3 Millionen US-Dollar und lag damit an der Spitze der Altcoin-ETF-Neueinführungen im Jahr 2026. Crypto Briefing berichtete zudem, dass der Bitwise Hyperliquid ETF wenige Tage nach dem Start bereits mehr als 30 Millionen US-Dollar an Vermögen erreicht habe.
Bitwise kauft HYPE mit eigenen ETF-Gebühren
Besonders auffällig ist ein weiterer Schritt von Bitwise. Der Vermögensverwalter kündigte an, 10 Prozent der Verwaltungsgebühren des Bitwise Hyperliquid ETF dafür zu verwenden, HYPE zu kaufen und in der eigenen Bilanz zu halten. Laut FXStreet unterliegen die gekauften Token einer Mindesthaltefrist von zwölf Monaten.
Auch The Block berichtet, dass Bitwise einen Teil der Managementgebühren aus BHYP nutzen will, um HYPE auf der eigenen Bilanz zu akkumulieren. Das Unternehmen schrieb demnach auf X, dass 10 Prozent der Verwaltungsgebühr für das Halten von HYPE verwendet werden sollen.
Dieser Schritt ist ungewöhnlich. Ein ETF-Anbieter verdient normalerweise Gebühren mit einem Produkt, investiert diese Einnahmen aber nicht zwingend wieder in den zugrunde liegenden Token. Bitwise verbindet hier das eigene wirtschaftliche Interesse stärker mit dem Erfolg von Hyperliquid.
Warum dieser Schritt umstritten ist
Der Ansatz kann positiv oder kritisch interpretiert werden. Aus Sicht von HYPE-Anhängern ist er ein starkes Signal. Bitwise verdient nicht nur Gebühren mit dem Produkt, sondern beteiligt sich selbst am Token. Das kann Vertrauen schaffen und zusätzliche Nachfrage erzeugen.
Kritiker könnten dagegen ein Interessenkonflikt-Problem sehen. Wenn ein Vermögensverwalter ein Produkt auf einen Token anbietet, diesen Token öffentlich als unterbewertet bezeichnet und gleichzeitig Gebühreneinnahmen zum Kauf desselben Tokens nutzt, entsteht eine enge Verbindung zwischen Analyse, Produktvertrieb und eigener Bilanzposition.
Das muss nicht automatisch problematisch sein. Entscheidend ist Transparenz. Bitwise hat die eigene Strategie öffentlich kommuniziert. Dennoch sollten Marktteilnehmer verstehen, dass solche Strukturen neue Fragen aufwerfen: Wie unabhängig ist die Bewertung? Wie stark beeinflussen ETF-Zuflüsse die Nachfrage nach HYPE? Und wie nachhaltig ist ein Modell, das stark von Handelsaktivität und Token-Rückkäufen abhängt?
Hyperliquid profitiert von einem grösseren Trend
Der HYPE-Fokus passt in eine breitere Entwicklung. Krypto-Projekte, die reale Umsätze, Rückkäufe oder gebührenbasierte Token-Modelle vorweisen können, erhalten zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Der Markt unterscheidet stärker zwischen reinen Narrativen und Protokollen mit messbarer Aktivität.
Hyperliquid profitiert zusätzlich vom Wachstum dezentraler Derivatebörsen. Während klassische DeFi-Anwendungen in vielen Phasen an Dynamik verloren haben, bleibt der Handel mit Perpetual Futures ein volumenstarkes Segment. Hyperliquid hat es geschafft, in diesem Bereich eine starke Marke und hohe Handelsaktivität aufzubauen.
Gleichzeitig wächst die Fantasie über den Krypto-Markt hinaus. MarketWatch berichtete etwa, dass Investoren zunehmend Plattformen wie Trade.xyz nutzen, die auf Hyperliquid aufbauen, um vorbörsliche Perpetual-Kontrakte auf private Unternehmen wie SpaceX zu handeln. In diesem Zusammenhang wird Hyperliquid als Infrastruktur für neue Formen der Preisfindung beschrieben, nicht nur für klassische Krypto-Assets.
Die Risiken bleiben hoch
Trotz des starken Narrativs bleibt HYPE ein hochriskantes Asset. Hyperliquid ist weiterhin stark vom Handelsvolumen abhängig. Wenn die Aktivität auf der Plattform sinkt, schwächt sich auch die Grundlage für Rückkäufe und Token-Nachfrage ab.
Hinzu kommen regulatorische Risiken. Der Handel mit Derivaten, Prognosemärkten, tokenisierten Assets oder pre-IPO-Produkten ist politisch und rechtlich sensibel. Gerade wenn Hyperliquid wirklich über Krypto hinaus in klassische Finanzmärkte expandiert, dürfte die regulatorische Aufmerksamkeit zunehmen.
Auch ETF-Produkte ändern nichts daran, dass der zugrunde liegende Token volatil bleibt. Ein regulierter Zugang macht ein Asset nicht automatisch sicherer. Er macht es vor allem einfacher handelbar.
Fazit: Bitwise macht HYPE zum institutionellen Thema
Bitwise hebt Hyperliquid auf eine neue Bühne. Der BHYP-ETF macht HYPE für traditionelle Anleger leichter zugänglich, während die Entscheidung, 10 Prozent der ETF-Gebühren in HYPE zu halten, ein klares Signal an den Markt sendet.
Die zentrale These von Bitwise lautet: Hyperliquid wird noch zu eng als Krypto-Derivatebörse bewertet und könnte langfristig eine deutlich grössere Handelsinfrastruktur werden. Wenn diese These aufgeht, wäre HYPE mehr als nur ein weiterer Altcoin. Der Token wäre dann eine Art Beteiligung am Wachstum einer onchain Handelsplattform.
Gleichzeitig ist genau diese Geschichte mit Risiken verbunden. Die Bewertung hängt stark von Handelsvolumen, regulatorischer Entwicklung und dem Erfolg des Token-Rückkaufmodells ab. Für den Kryptomarkt ist Hyperliquid dennoch eines der spannendsten Beispiele dafür, wie sich DeFi, Börseninfrastruktur und institutionelle Produkte zunehmend vermischen.
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