Der Takt der Finanzmärkte war jahrzehntelang klar geregelt: Glocke auf, Glocke zu. Handel am Morgen, Schluss am Abend, Wochenende Pause. Doch diese Ordnung gerät ins Wanken. Der 24/7-Rhythmus der Kryptomärkte beginnt, die Schwergewichte der traditionellen Finanzwelt umzubauen. Nun meldet sich ausgerechnet eine der ehrwürdigsten Institutionen der Branche mit einem radikalen Schritt: Die New York Stock Exchange (NYSE) arbeitet an einer digitalen Plattform, auf der tokenisierte Aktien rund um die Uhr gehandelt werden sollen.
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Die Botschaft ist deutlich. Was bislang als Spielwiese der Kryptoindustrie galt, wird nun von der Wall Street adaptiert. Die NYSE kündigte an, ihr bisheriges, an Wochentage gebundenes Handelssystem weiterzuentwickeln und auf eine Infrastruktur umzusteigen, die sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag verfügbar ist. Bereits zuvor hatte auch die Nasdaq entsprechende Pläne angedeutet. Jetzt zieht der Branchenprimus nach, wie unter anderem «Reuters» berichtet.
Wie die Krypto-Industrie die Wall Street erobert
Im Zentrum des neuen Angebots steht eine blockchainbasierte Plattform, die sich bewusst an der Logik der Kryptomärkte orientiert. Statt klassischer Abwicklungsprozesse sollen Transaktionen direkt «on-chain» stattfinden. Auch Stablecoins sollen Teil des Systems werden. Ein- und Auszahlungen wären damit nicht mehr ausschliesslich an Banküberweisungen gebunden, sondern könnten in Echtzeit erfolgen – ein Bruch mit gewohnten Börsenmechanismen.
Trotz neuer Technik soll die vertraute Sicherheit erhalten bleiben. Die NYSE betont, dass sämtliche Handels-, Abwicklungs- und Verwahrprozesse unter ihrem Dach stattfinden. Investoren bewegen sich also nicht auf einer externen Krypto-Plattform, sondern innerhalb der gewohnten Börsenstruktur – nur eben digitaler. Tokenisierte Aktien sollen dabei rechtlich exakt den gleichen Status haben wie klassische Wertpapiere. Dividenden, Stimmrechte und andere Aktionärsrechte bleiben vollständig erhalten.
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Für den Betrieb arbeitet die Börse mit etablierten Finanzriesen zusammen. Banken wie BNY Mellon und Citi sollen eine zentrale Rolle spielen, insbesondere bei der Nutzung tokenisierter Einlagen. BNY ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt: Die Bank kooperiert bereits mit Circle bei der Verwahrung der Cash-Reserven hinter dem Stablecoin USDC. Die Verbindung zwischen klassischem Bankwesen und Blockchain-Technologie wird damit weiter verdichtet.
Wann startet die neue Plattform?
Dass dieser Schritt mehr ist als ein technisches Experiment, machte auch NYSE-Präsidentin Lynn Martin deutlich. «Wir managen Märkte seit über 200 Jahren. Wie in früheren grossen Umbrüchen stehen wir auch heute an einem Wendepunkt. Wir gehen vollständig in Richtung On-Chain», sagte sie. Die Börse sehe sich erneut in der Rolle des Gestalters, nicht des Zauderers.
Ein konkreter Starttermin für die neue Plattform wurde noch nicht genannt. Doch allein die Ankündigung zeigt, wie stark der Druck auf traditionelle Finanzinfrastrukturen geworden ist. Während Kryptomärkte längst keine Öffnungszeiten kennen, wächst der Erwartungsdruck globaler Anleger, jederzeit reagieren zu können. Die NYSE zieht daraus ihre Konsequenzen.
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Für die Kryptobranche ist dieser Schritt ein symbolischer Ritterschlag. Für die Wall Street ein kalkulierter Umbau. Und für Investoren könnte er der Anfang einer Finanzwelt sein, in der Börsenglocken endgültig Geschichte sind. Die Grenze zwischen Krypto und klassischer Finanzwelt verschwimmt – diesmal nicht am Rand, sondern im Herzen des Systems. (mck)


