Der jüngste Rückgang am Kryptomarkt sorgt für neue Spekulationen. Während viele Anleger übliche Marktmechanismen verantwortlich machen, kommt aus der Branche eine andere These: Hinter der Verkaufswelle könnte ein grosser institutioneller Spieler stehen, der seine Positionen zwangsweise auflösen musste. Eine Theorie, die derzeit für Diskussionen sorgt – und zeigt, wie stark sich der Markt verändert hat.
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Ausgangspunkt der Spekulationen ist eine Analyse von Parker White, CIO der auf Solana spezialisierten DeFi Development Corp. White verweist auf auffällige Bewegungen rund um den Spot-Bitcoin-ETF IBIT von BlackRock. Wie aus seinen Ausführungen hervorgeht, erreichte der ETF zuletzt ein Handelsvolumen von 10,7 Milliarden Dollar – ein Rekordwert und etwa doppelt so hoch wie der bisherige Höchststand. Gleichzeitig wechselten laut White auch bei den IBIT-Optionen rund 900 Millionen Dollar an Prämien den Besitzer, ebenfalls ein historischer Spitzenwert.
Bitcoin-Crash: Steckt «ein grosser ETF-Investor» dahinter?
Auffällig sei dabei nicht nur das Volumen, sondern auch das Marktverhalten. Bitcoin und Solana seien zeitweise nahezu synchron gefallen, obwohl Solana normalerweise stärker auf Kursbewegungen reagiert. Gleichzeitig blieben Liquidationen auf zentralen Kryptobörsen vergleichsweise gering. Für White ein Hinweis darauf, dass die Ursache nicht zwingend im klassischen Kryptohandel liegen muss. Vielmehr könnte der Druck aus dem Umfeld institutioneller Produkte stammen.
In seinen Ausführungen, über die mehrere Branchenmedien berichteten, spricht White von der Möglichkeit, dass «ein grosser ETF-Investor» hinter der Bewegung stehen könnte. Besonders Hedgefonds, die stark auf IBIT-Optionen gesetzt haben, rücken dabei in den Fokus. Plattformen wie WhaleWisdom zeigen laut White Fonds, die grosse Teile ihres Portfolios auf ein einzelnes Produkt konzentrieren. Solche Strategien dienen oft dazu, Sicherheiten zu isolieren – mit dem Risiko, dass Verluste schneller eskalieren, sobald sich der Markt gegen die Position bewegt.
Brisant wird die Theorie durch den geopolitischen Kontext. White verweist darauf, dass ein Teil solcher spezialisierten Fonds in Hongkong ansässig sei. Gleichzeitig kam es zuletzt auch auf anderen Märkten zu ungewöhnlichen Bewegungen: Silber verlor zeitweise rund 20 Prozent an einem Tag, während sich der sogenannte Yen-Carry-Trade zunehmend auflöst. Steigende Finanzierungskosten könnten stark gehebelte Strategien unter Druck gesetzt haben. In diesem Szenario wäre ein Hedgefonds gezwungen gewesen, Positionen zu schliessen – mit direkten Folgen für den Bitcoin-Kurs.
13F-Meldungen aus den USA könnten das Rätsel lösen
Beweise gibt es bislang nicht. White selbst betont, dass es sich um eine Interpretation von Marktdaten handle und nicht um bestätigte Fakten. Klar sei lediglich, dass sich die Dynamik im Kryptomarkt verschoben habe. Institutionelle Produkte wie ETFs spielen eine immer grössere Rolle, wodurch Kursbewegungen zunehmend mit klassischen Finanzmärkten verflochten sind. Hinweise auf die tatsächlichen Hintergründe könnten erst später auftauchen. In den USA müssen institutionelle Investoren ihre Positionen über sogenannte 13F-Meldungen offenlegen.
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Diese werden bis zu 45 Tage nach Quartalsende veröffentlicht. Sollte tatsächlich ein grosser Fonds gescheitert sein, könnten die Spuren erst dann sichtbar werden. Bis dahin bleibt der Verdacht bestehen, dass der jüngste Bitcoin-Rückgang weniger mit Panik unter Privatanlegern zu tun hatte als mit Problemen hinter verschlossenen Türen der grossen Finanzwelt. Eine Erinnerung daran, dass der Kryptomarkt längst kein isoliertes Experiment mehr ist, sondern Teil eines globalen Finanzsystems, in dem Fehler einzelner Akteure plötzlich ganze Märkte bewegen können. (mck)


