Stand: 6. Januar 2026 – In der volatilen Welt der Kryptowährungen gibt es wenige Themen, die so sehr die Fantasie anregen und gleichzeitig für Unruhe sorgen, wie die angeblichen “Whale-Wallets” von Nationalstaaten. Während die Bestände der USA (aus Beschlagnahmungen) oder El Salvadors (aus strategischen Käufen) relativ transparent sind, ranken sich um ein Land seit Jahren hartnäckige Mythen: Venezuela. In Krypto-Insiderkreisen hält sich das Gerücht, dass das Regime unter Nicolás Maduro über die Jahre einen massiven Bestand an Bitcoin angehäuft hat. Die Schätzungen variieren wild, pendeln sich aber oft im Bereich von mehreren hunderttausend Bitcoin ein. Sollte dies zutreffen, wäre Venezuela einer der grössten Bitcoin-Halter weltweit – ein geopolitischer und markttechnischer “Elefant im Raum”. CoinPro.ch analysiert die Ursprünge dieser Gerüchte, die Plausibilität und die potenziellen Szenarien, was mit einem solchen Krypto-Vermögen passieren könnte.
Der Ursprung der Gerüchte: Woher kämen die Coins?
Venezuela ist ein Land der Extreme: Hyperinflation, wirtschaftlicher Kollaps und harte US-Sanktionen prägen das Bild. Doch genau dieses Umfeld machte das Land früh zu einem Hotspot für Kryptowährungen. Aber wie könnte der Staat selbst an riesige Mengen BTC gelangt sein?
Die Theorien stützen sich primär auf drei Säulen:
- Massive Beschlagnahmungen: Ab etwa 2017 ging die venezolanische Regierung hart gegen private Bitcoin-Miner vor. Unter dem Vorwand des Stromdiebstahls oder fehlender Lizenzen wurden riesige Mining-Farmen razzot. Es ist ein offenes Geheimnis in der Szene, dass die beschlagnahmte Hardware (ASIC-Miner) oft nicht zerstört, sondern vom Militär oder regierungsnahen Kreisen weiterbetrieben wurde. Zudem wurden bei Razzien oft direkt Kryptowährungen konfisziert.
- Staatliches Mining: Venezuela verfügt über einige der günstigsten (subventionierten) Strompreise der Welt. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass das Regime, oft unter der Ägide des Militärs, grossangelegte, staatliche Mining-Operationen betrieben hat, um die wertlose Landeswährung Bolivar in harte digitale Assets umzuwandeln.
- Zahlungsverkehr und “Petro”-Altlasten: Der Versuch Venezuelas, mit dem “Petro” eine eigene, ölgedeckte Kryptowährung zu etablieren, scheiterte grandios. Doch die Infrastruktur, die dafür aufgebaut wurde (wie die staatliche Krypto-Aufsichtsbehörde Sunacrip), diente auch dazu, internationale Zahlungen abzuwickeln. Es wird vermutet, dass bei Öl-Exporten über dunkle Kanäle auch Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert und gehortet wurde.
Bitvavo, eine der führenden Börsen aus Europa (Niederlanden) mit einer grossen Auswahl an Kryptowährungen. PayPal Einzahlung möglich. Extra für kurze Zeit: 10 Euro Bonus bei Anmeldung über CoinPro.ch
Warum die Gerüchte plausibel sind (und warum Vorsicht geboten ist)
Die Annahme, dass Venezuela Bitcoin hortet, ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Regime benötigt dringend Devisen, die ausserhalb des Zugriffsbereichs des US-Finanzsystems liegen (OFAC-Sanktionen). Bitcoin ist hierfür das perfekte Vehikel: zensurresistent, global liquide und pseudonym. Das Korruptions-Dilemma: Allerdings gibt es einen entscheidenden Haken an der Theorie des “staatlichen Schatzes”. Venezuela gilt als eines der korruptesten Länder der Welt. Der massive Skandal um die Krypto-Aufsichtsbehörde Sunacrip im Jahr 2023, bei dem Milliardenbeträge an Öleinnahmen, die über Krypto abgewickelt wurden, “verschwanden”, zeigt das Problem. Es ist daher wahrscheinlicher, dass ein Grossteil der akkumulierten Bitcoin nicht in einer zentralen, “staatlichen” Wallet liegt, sondern auf verschiedene Wallets von hochrangigen Militärs, Politikern und deren Strohmännern verteilt ist. Ob man dann noch von einem “Staatsschatz” sprechen kann oder eher von privater Bereicherung der Elite, ist eine Definitionsfrage.
Szenarien: Was passiert mit dem potenziellen Milliarden-Schatz?
Nehmen wir für einen Moment an, die Gerüchte sind wahr und Venezuela (oder dessen Führungselite) kontrolliert tatsächlich 100.000 bis 300.000 Bitcoin. Welche Auswirkungen hätte dies auf den Markt und die Geopolitik im Jahr 2026?
Szenario 1: Der “Strategic Hold” zur Sanktionsumgehung
Dies ist das wahrscheinlichste Szenario. Die Bitcoin werden nicht auf den Markt geworfen, sondern strategisch genutzt.
Bilateraler Handel: Venezuela könnte Bitcoin nutzen, um Importe von Ländern zu bezahlen, die ebenfalls sanktioniert sind oder denen US-Sanktionen egal sind (z.B. Iran, Russland oder private Akteure in China). Diese Transaktionen würden “Over-the-Counter” (OTC) stattfinden, ohne die öffentlichen Börsenkurse direkt zu beeinflussen.
Geopolitische Reserve: In einer Welt, die 2026 zunehmend multipolar wird, ist ein zensurresistentes Asset eine strategische Waffe. Der Besitz allein signalisiert eine gewisse Unabhängigkeit vom Dollar-System.
Szenario 2: Der “Market Dump” (Der Notverkauf)
Das Schreckgespenst für jeden Krypto-Investor. Sollte das Regime kurzfristig enorme Mengen an Fiat-Liquidität benötigen – etwa um einen Putsch abzuwenden oder extreme Importengpässe zu finanzieren –, könnten Teile des Schatzes auf den Markt geworfen werden.
Die Folgen: Selbst ein Verkauf von “nur” 20.000 BTC über offene Börsen würde im aktuellen Marktumfeld von 2026 zu einem signifikanten “Flash Crash” führen und Panikverkäufe bei Retail-Investoren auslösen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein staatlicher Akteur so ungeschickt vorgehen würde, da er sich damit selbst den besten Preis kaputtmacht.
Szenario 3: Das langsame Versickern
Aufgrund der endemischen Korruption ist es gut möglich, dass der “Schatz” niemals als Ganzes bewegt wird. Stattdessen werden über Jahre hinweg immer wieder kleinere Tranchen von korrupten Beamten für den persönlichen Lebensstil im Ausland liquidiert. Dies würde zwar konstanten Verkaufsdruck erzeugen, aber keinen Marktschock auslösen.
Fazit: Ein Damoklesschwert im Nebel
Ob Venezuela wirklich auf hunderttausenden Bitcoin sitzt, bleibt auch 2026 eine der grossen Unbekannten im Krypto-Space. Es gibt keine verifizierten On-Chain-Daten, die eine “Maduro-Wallet” zweifelsfrei identifizieren. Die Gerüchte sind jedoch mehr als nur Klatsch. Sie basieren auf der realen Notwendigkeit eines sanktionierten Staates, alternative Finanzwege zu nutzen, und den beobachteten massiven Beschlagnahmungen von Mining-Equipment in der Vergangenheit. Für Krypto-Investoren bedeutet dies: Das “Venezuela-Narrativ” bleibt ein latentes Risiko – ein potenzielles Damoklesschwert, das bei plötzlichen, unerklärlichen Marktbewegungen schnell wieder in den Fokus rücken kann. Es erinnert uns daran, dass Bitcoin nicht nur ein Investment-Vehikel ist, sondern längst ein Instrument der harten Geopolitik geworden ist.
Bitvavo, eine der führenden Börsen aus Europa (Niederlanden) mit einer grossen Auswahl an Kryptowährungen. PayPal Einzahlung möglich. Extra für kurze Zeit: 10 Euro Bonus bei Anmeldung über CoinPro.ch


