Die Idee klingt nach Zukunftsmusik: Aktien grosser US-Konzerne sollen als Token auf einer Blockchain handelbar werden – rund um die Uhr und unabhängig von den klassischen Börsenzeiten. Doch ausgerechnet die Unternehmen selbst bremsen das Vorhaben zunehmend aus. Mit IBM, Oracle, Intel und IonQ sind nun vier weitere Schwergewichte hinzugekommen.

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Damit haben inzwischen 26 Unternehmen Einspruch dagegen eingelegt, dass ihre Aktien über die geplante Plattform von OKX und Intercontinental Exchange (ICE) tokenisiert angeboten werden. Das berichtet unter anderem The Block. Die jüngsten Fälle wurden am 27. Oktober bekannt.

Tokenisierung von Aktien: Jetzt stellen sich diese Tech-Giganten quer

Die Liste liest sich inzwischen wie ein Who’s who der US-Wirtschaft. Bereits zuvor hatten unter anderem Microsoft, Alphabet, Goldman Sachs, Wells Fargo, Broadcom, Verizon, UnitedHealth und Arm Holdings widersprochen. Auch Cisco, Moderna, Marvell Technology und Intuit gehören zu den Unternehmen, die sich gegen eine Aufnahme ihrer Aktien gestellt haben.

Auffällig ist: Die meisten Unternehmen nennen keinen konkreten Grund für ihren Einspruch. Deshalb wäre es zu weit gegriffen, daraus eine generelle Ablehnung der Tokenisierung abzuleiten. Vielmehr geht es zunächst um eine ganz konkrete Frage: Wer darf die Aktien eines Unternehmens auf die Blockchain bringen – und unter welchen Bedingungen? Genau hier liegt der Kern des Streits.

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Die US-Börsenaufsicht SEC hatte im September eine sogenannte «Innovation Exemption» eingeführt. Sie soll neue Modelle für tokenisierte Wertpapiere ermöglichen und gilt zunächst als zeitlich begrenzter Rahmen. Anbieter müssen Unternehmen informieren, wenn sie deren Aktien tokenisieren wollen. Die betroffenen Firmen haben anschliessend 30 Kalendertage Zeit, Einspruch einzulegen. Kommt kein Widerspruch, kann die Plattform unter den geltenden Bedingungen weitermachen.

Für OKX und ICE ist das ein wichtiger Baustein ihrer geplanten Plattform. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam einen Handelsplatz für tokenisierte Wertpapiere aufbauen. Die Idee dahinter: Ein digitales Abbild einer klassischen Aktie soll auf der Blockchain gehandelt werden können. Das könnte Handel ausserhalb der traditionellen Börsenzeiten erleichtern und neue Anlegergruppen erreichen. Doch genau diese neue Freiheit sorgt bei den Aktiengesellschaften offenbar für Bauchschmerzen.

Erst Microsoft, jetzt IBM und Oracle: Die Liste der Token-Verweigerer wächst

Ein Problem sind mögliche Preisunterschiede. Eine klassische Microsoft-Aktie kann beispielsweise während des Wochenendes nicht an der Nasdaq gehandelt werden. Ein Token, der diese Aktie abbildet, könnte dagegen weiter gehandelt werden. Damit könnten unterschiedliche Preise entstehen. Kritiker fürchten, dass dadurch Liquidität und Preisbildung zwischen dem traditionellen und dem tokenisierten Markt auseinanderlaufen.

Hinzu kommen rechtliche Fragen. Wer kontrolliert den Token? Welche Rechte besitzt der Anleger tatsächlich? Und was passiert, wenn ein digitales Produkt auf den Markt kommt, das der eigentliche Emittent gar nicht wollte? Gerade dieser letzte Punkt macht die aktuelle Entwicklung brisant. Die 26 Einsprüche sind kein Beweis dafür, dass die Wall Street die Blockchain ablehnt. Sie zeigen aber, dass viele Konzerne offenbar nicht bereit sind, die Kontrolle über die digitale Darstellung ihrer Aktien einfach aus der Hand zu geben.

Für OKX und ICE wird damit die Ausgangslage komplizierter. Der geplante Markt sollte ursprünglich eine ganze Reihe bekannter US-Aktien abbilden. Je mehr Namen von der Liste verschwinden, desto kleiner wird das Angebot. Und so könnte ausgerechnet das Instrument, das den Weg für mehr Tokenisierung ebnen sollte, zum Streitpunkt zwischen Kryptoindustrie und traditionellen Konzernen werden. Die Blockchain ist bereit. Die Unternehmen offenbar noch nicht alle. (mck)

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