Kryptowährungen galten lange als Gegenwelt zum klassischen Bankensystem. In Brasilien beginnt sich dieses Bild zu drehen. Itaú Unibanco, die grösste Privatbank des Landes, hat ihre Kryptoaktivitäten jetzt offiziell beim brasilianischen Notenbank-Regulator angezeigt. Damit geht ausgerechnet ein etablierter Finanzkonzern den nächsten Schritt in den regulierten Kryptomarkt.
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Itaú reichte die Meldung am Dienstag (27. Oktober) bei der brasilianischen Zentralbank ein – nur drei Tage vor Ablauf der Übergangsfrist am 30. Oktober. Das berichten die brasilianische Medien. Die Bank ist damit das erste brasilianische Institut ihrer Art, das seine bestehenden Kryptoaktivitäten nach dem neuen Regelwerk formalisiert.
Brasilien: Grösste Privatbank macht Krypto offiziell
Dabei geht es nicht um einen Neustart. Itaú bietet den Handel mit Kryptowährungen bereits seit Dezember 2023 an. Kunden können inzwischen 15 digitale Vermögenswerte kaufen und verkaufen. Dazu gehören Bitcoin, Ether, Solana und der Stablecoin USDC. Auch die Verwahrung der Kryptowährungen übernimmt die Bank selbst. Wie viele Kunden den Dienst nutzen oder welches Handelsvolumen dabei entsteht, veröffentlicht Itaú allerdings nicht.
Interessant ist vor allem der regulatorische Hintergrund. Brasilien hat die Regeln für den Kryptomarkt in diesem Jahr deutlich verschärft. Die entsprechenden Vorschriften traten am 2. Februar in Kraft. Für Banken, die bereits unter der Aufsicht der Zentralbank stehen und schon Kryptodienstleistungen anbieten, gilt dabei ein anderes Verfahren als für reine Kryptoanbieter.
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Itaú musste deshalb nicht den gleichen Genehmigungsweg einschlagen wie eine klassische Kryptobörse. Stattdessen musste die Bank ihre Aktivitäten bei der Zentralbank anzeigen und nachweisen, dass die technischen und organisatorischen Anforderungen erfüllt werden. Dazu gehört auch eine unabhängige technische Zertifizierung.
Das ist mehr als eine Formalität. Wer den Stichtag 30. Oktober verpasst, darf die entsprechenden Kryptodienstleistungen nicht einfach unbegrenzt weiterführen. Für bereits aktive Anbieter sieht das Regelwerk eine Übergangsfrist von 30 Tagen vor. Danach müssen die betroffenen Unternehmen ihre Aktivitäten einstellen, sofern sie nicht unter den vorgesehenen Übergangsregeln weiterarbeiten dürfen.
Itaú setzt auf Bitcoin und Co. – jetzt kommt der grosse Regulierungsschritt
Für Itaú kommt der Schritt deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Bank zeigt damit, dass Kryptowährungen für das traditionelle Finanzsystem längst nicht mehr nur ein Randthema sind. Bitcoin und Co. landen zunehmend dort, wo früher vor allem Aktien, Anleihen und Fonds verwaltet wurden: im regulierten Bankgeschäft.
Auch Guto Antunes, bei Itaú für digitale Vermögenswerte verantwortlich, betonte laut den von CoinDesk zitierten Aussagen die Bedeutung klarer Regeln und hoher Sicherheits- und Governance-Standards. Aus Sicht der Bank soll die Regulierung nicht nur für die Institute selbst, sondern vor allem für die Kunden mehr Sicherheit schaffen.
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Gleichzeitig steht der gesamte brasilianische Kryptomarkt vor einem Einschnitt. Neben Banken müssen auch klassische Kryptoanbieter ihre Aktivitäten an das neue Regime anpassen. Wer bereits im Markt tätig ist, muss bis zum 30. Oktober den vorgesehenen Antrag auf Zulassung einreichen. Wer die Frist verstreichen lässt, muss seine Dienstleistungen innerhalb von 30 Tagen beenden.
Damit entsteht in Brasilien ein bemerkenswertes Bild: Während andere Länder noch darüber diskutieren, wie Banken mit Bitcoin umgehen sollen, baut eine der grössten Banken des Landes bereits ein reguliertes Kryptoangebot auf. 15 digitale Vermögenswerte gehören inzwischen dazu.Der Schritt von Itaú zeigt damit vor allem eines: Krypto verschwindet nicht aus dem Bankensystem. Es zieht dort ein – mit Formularen, Prüfungen und einem ziemlich genauen Blick der Zentralbank. (mck)


