Kaum ein Bereich der Kryptowelt wächst derzeit so rasant wie der Markt für Stablecoins. Milliardenbeträge fliessen täglich über digitale Dollar wie USDT oder USDC, grosse Banken entwickeln eigene Lösungen und Regierungen diskutieren neue Regulierungen. Während viele Branchenvertreter Stablecoins als Fundament des künftigen Finanzsystems sehen, kommt nun deutlicher Gegenwind aus einer Institution, deren Stimme in der Finanzwelt besonderes Gewicht besitzt.

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Der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Pablo Hernández de Cos, stellte die Rolle von Stablecoins als universelles Zahlungsmittel offen infrage. Auf dem renommierten Jackson Hole Economic Policy Symposium in Wyoming erklärte er, Stablecoins hätten sich bislang nicht als zuverlässige Lösung für den Massenzahlungsverkehr erwiesen. Seine Aussagen wurden unter anderem von internationalen Nachrichtenagenturen und Konferenzberichten aufgegriffen.

Stablecoins: Diese Warnung dürfte die Krypto-Branche beschäftigen

Stattdessen sprach sich de Cos für tokenisierte Bankeinlagen aus. Beide Technologien könnten zwar nebeneinander existieren, doch die alltäglichen Zahlungsströme sollten seiner Ansicht nach über tokenisierte Einlagen abgewickelt werden. Stablecoins hingegen seien eher für spezielle Anwendungsfälle geeignet.

Die Aussagen treffen einen Nerv. Stablecoins sind längst weit mehr als ein Werkzeug für Krypto-Händler. Sie werden für internationale Überweisungen, den Handel an Kryptobörsen und zunehmend auch für Zahlungen im Alltag eingesetzt. Gleichzeitig wächst der politische Streit darüber, welche Rolle private digitale Währungen künftig spielen sollen.

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Vor allem ausserhalb der USA werden zunehmend Risiken diskutiert. De Cos verwies auf mögliche Probleme für die Finanzstabilität, den Kampf gegen Geldwäscherei und die sogenannte monetäre Souveränität. Besonders kritisch sieht er den weltweiten Vormarsch US-Dollar-gebundener Stablecoins. Sollten Unternehmen und Verbraucher in grossem Stil auf digitale Dollar umsteigen, könnten nationale Währungen an Bedeutung verlieren und der Handlungsspielraum der jeweiligen Zentralbanken schrumpfen.

Zudem machte der BIZ-Chef auf strukturelle Schwächen aufmerksam. Stablecoins würden nach wie vor nicht nahtlos miteinander funktionieren. Nutzer müssten beim Wechsel zwischen verschiedenen Systemen häufig zusätzliche Kosten tragen. Auch eine einheitliche Umsetzung regulatorischer Vorgaben sei bislang nicht gewährleistet.

BIZ-Chef Pablo Hernández de Cos sorgt für Aufsehen

Interessant ist dabei der Gegensatz zur Haltung der US-Regierung. US-Finanzminister Scott Bessent hatte Stablecoins zuletzt ausdrücklich als Chance bezeichnet. Sie könnten den Status des US-Dollars als globale Leitwährung stärken und gleichzeitig eine zusätzliche Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen schaffen. Genau diesen Punkt räumte de Cos zwar ein. Gleichzeitig warnte er jedoch vor möglichen Nebenwirkungen.

Wanderten grosse Teile der Einlagen aus dem klassischen Bankensystem in Stablecoins ab, könnten sich die Refinanzierungskosten der Banken erhöhen. Am Ende müssten Unternehmen und Privatpersonen womöglich höhere Kreditzinsen bezahlen. Aus Sicht der Notenbank wäre das ein Preis, der die Vorteile teilweise wieder aufheben könnte.

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Als Alternative sieht de Cos tokenisierte Bankeinlagen. Sie würden die Vorteile der Blockchain-Technologie nutzen, gleichzeitig aber die bestehenden Strukturen des Finanzsystems erhalten. Auch dieses Modell stehe allerdings noch vor Herausforderungen. Fragen zur Interoperabilität, zur Governance und zum rechtlichen Rahmen seien bislang nicht abschliessend geklärt.

Die Debatte zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich die Vorstellungen über die Zukunft digitaler Zahlungsmittel sind. Während Teile der Krypto-Branche Stablecoins als nächsten Entwicklungsschritt des globalen Finanzsystems feiern, setzen Zentralbanken und internationale Institutionen zunehmend auf Lösungen, die stärker in das bestehende Bankensystem eingebunden bleiben. Gerade deshalb dürften die Worte des BIZ-Chefs weit über Jackson Hole hinaus nachhallen – denn sie machen deutlich, dass der Wettlauf um das digitale Geld der Zukunft längst begonnen hat. (mck)

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