Am Dienstag hat die US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC) eine Klage beim Bundesbezirksgericht in Manhattan gegen das Blockchain-Unternehmen Ripple eingereicht. Das Unternehmen Ripple ist mit XRP, der (ehemals) drittgrössten Kryptowährung nach Marktwert verbunden.

Laut Anklage soll Ripple durch ein nicht-registriertes Wertpapierangebot in Form von XRP-Token mindestens 1,3 Milliarden US-Dollar eingenommen haben. Wegen persönlicher Gewinne wurden zwei Führungskräfte von Ripple angeklagt. In der Anklage behauptet die Kommission auch, dass der Ripple-Token eigentlich ein Wertpapier sei.

Ripple: Die SEC liegt faktisch und rechtlich falsch

Zahlreiche Finanzaufsichtsbehörden weltweit versuchen immer noch, Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. zu regulieren. Gerichtliche Auseinandersetzungen könnten zukünftig darüber entscheiden, ob Kryptowährungen auch wirklich den Sprung von einem Nischenprodukt zu Massen-Adoption und einem Mainstream-Asset schaffen.

Laut der Anklage sollen der aktuelle Ripple-CEO (Bradley Garlinghouse) sowie der ehemalige Geschäftsführer von Ripple (Christian Larsen) noch 2013 damit begonnen haben, durch den Verkauf von digitalen Vermögenswerten über ein nicht-registriertes Angebot Kapital einzusammeln. Laut SEC sollen Larsen und Garlinghouse auch privat XRP-Verkäufe im Wert von 600 Millionen USD getätigt haben. Damit habe sich das Paar persönlich bereichert, weshalb der Firma und den beiden Führungskräften zivilrechtliche Strafen sowie die Einziehung ihrer Gewinne drohen.

Laut dem Unternehmen Ripple ist XRP jedoch eine Währung und muss daher nicht als Investitionsvertrag registriert werden. Das Blockchain-Unternehmen äusserte sich noch am selben Tag mit dem Statement, dass die SEC sowohl faktisch als auch rechtlich grundlegend falsch liegt.

Der Ripple-CEO erklärt, es sei einfach nur unlogisch, das XRP-Token als funktionales Äquivalent einer Ripple-Aktie darzustellen, da die grosse Mehrheit der XRP-Inhaber keinerlei Beziehung zu Ripple haben. Wer in Ripple investieren möchte, kauft sich nicht XRP, sondern Anteile an Ripple, erklärt Garlinghouse.

Ripple-CEO kritisiert das Fehlen eines regulatorischen Rahmens

Garlinghouse kritisiert anderseits das Fehlen eines transparenten regulatorischen Rahmens der Behörde und fügte hinzu, er werde vor Gericht aggressiv kämpfen – und gewinnen. Damit möchte er endlich klare Regeln für die gesamte Krypto-Branche in den USA erhalten.

Gemäß den Vorschriften der US-Börsenaufsicht müssen Krypto-Firmen und Privatpersonen ihre Angebote bei der Kommission registrieren, sofern diese als Wertpapiere betrachtet werden. Doch es ist ein äusserst umstrittenes Thema, welche Token eigentlich als Wertpapiere betrachtet werden, da die Kryptobranche schon seit Jahren auf Klarheit von der SEC wartet.

Die Leiterin der SEC Enforcement-Abteilung, Stephanie Avakian, sagte in einer Erklärung, dass Emittenten, die das öffentliche Angebot und seine Vorteile nutzen möchten, dazu auch die Bundeswertpapiergesetze einhalten müssen. Diese erfordern eine Registrierung von Angeboten – es sei denn, das Angebot sei von der Registrierung befreit.

Garlinghouse: Ein Angriff auf die Krypto-Branche

Nachdem die Nachricht über die SEC-Klage öffentlich wurde, erlebte der XRP-Kurs einen steilen Rückgang. Garlinghouse kommentierte diese Vorwürfe auf Twitter und sagte, es sei nicht nur der XRP, der angegriffen wird, sondern die SEC habe sich dazu entschieden, die gesamte Krypto-Branche anzugreifen.

Das Ripple-Vorstandsmitglied Yoshitaka Kitao bleibt ebenfalls optimistisch und ist der Meinung, dass Ripple vor Gericht siegen werde. Er erwarte von den US-Regulierungsbehörden, dass sie klarstellen werden, dass XRP kein Wertpapier ist.

Ripple könnte seinen Hauptsitz ausserhalb der USA verlegen

Larsen sagte noch Anfang des Jahres, Ripple erwäge seinen Sitz ausserhalb den USA zu verlegen, da der Mangel an regulatorischer Klarheit für immer grössere Frustration sorgt. Auch der Ripple-CEO merkte an, dass solche Aktionen der SEC das Unternehmen weiter dazu drängeln, seinen Hauptsitz ausserhalb der USA zu verlegen. Japan soll ein Hauptkandidat für den neuen Ripple-Hauptsitz sein, da US-Investoren laut Angaben des Unternehmens sowieso nur 5 Prozent der weltweiten Ripple-Kunden ausmachen würden.

Der Ripple-CEO versichert mit seiner Aussage den Aktionären und der ganzen Krypto-Branche, dass er und das Unternehmen den Prozess gegen die SEC gewinnen werden. Er sagte jedoch, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit der neuen Regierung, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

XRP-Kurs bricht ein, Börsen streichen das XRP-Token

Die Klage der SEC gegen Ripple hat bereits einige kleinere Börsen dazu gezwungen, den Handel mit XRP einzustellen und das Token von der Liste zu nehmen. Auf die Ankündigungen der Börsen gab es auch negative Reaktionen, dass solche Massnahmen angeblich zu voreilig und für die Investoren schädlich seien.

Doch solche Züge der Börsen sind zum Teil auch nachvollziehbar: Sollte XRP dennoch als Wertpapier definiert werden, würden viele Börsen in die Gefahr kommen, rechtliche Probleme zu bekommen, da eigentlich nur die wenigsten Kryptobörsen eine Lizenz für den Wertpapierhandel haben.

Die ersten Kryptobörsen und Fonds haben vorsichtshalber bereits damit angefangen, das XRP-Token aus ihrem Angebot zu nehmen – darunter Bitwise, Beaxy, OSL und CrossTower. Es wird davon ausgegangen, dass sich dieser Trend in den nächsten Wochen fortsetzen wird.

Die schlechten Nachrichten hatten bereits negative Auswirkungen auf den Vermögenswert des Tokens. In den letzten 7 Tagen ist der XRP-Kurs von 0,64 USD (17. Dezember) auf 0,25 USD (23. Dezember) gefallen. Allein in den letzten 24 Stunden ist der Kurs um 50% eingebrochen. Die ehemalige drittgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung ist nun auf Platz 4 gefallen und wurde von Tether überholt.

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