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Ethereum Upgrade London – Kursentwicklungen, Auswirkungen und Ausblick

von Matthias Nemack

Das Ethereum Upgrade namens London (EIP 1559) ging geräuschlos über die Bühne. CoinPro.ch zeigt die Entwicklungen und gibt einen Ausblick.

Ethereum Upgrade London – Kursentwicklungen, Auswirkungen und Ausblick

Schon Wochen vor dem gross angekündigten Hardfork namens „London“ als Upgrade im Netzwerk der derzeit nach Marktkapitalisierung zweitwichtigsten Kryptowährung Ethereum spekulierten viele Nutzer und Analysten über den bevorstehenden Schritt. Teil des so wesentlichen Schritts, dies hatten die ETH-Entwickler vor längerer Zeit bereits angekündigt, wird eine Korrektur des Codes des Netzwerks sein – diese Änderung hört auf den Namen EIP-1559. Dass diese Massnahme in der gesamten Krypto-Community so viel Aufmerksamkeit erhielt, hat einen guten Grund. EIP-1559 ist nichts weniger als das grösste Update innerhalb des Mainnets der vergangenen Jahre. Zugleich stand bereits fest, dass die geplante Entwicklung auf ETH reichlich Druck im Sinne einer Deflation ausüben würde. In den vergangenen Wochen hatte es einige Kursbewegungen rund um Ethereum wie auch verschiedenen Coins und Token gegeben, die auf der Blockchain des Systems basieren. Im direkten Vorfeld des für den 5. August angesetzten Ethereum Upgrade fielen die Bewegungen jedoch besonders klar aus.

Die Folge:

Der Ethereum Kurs bemühte binnen 24 Stunden um einen beinahe zweistelligen Zugewinn. In der Nacht auf den 05.08.2021 erreichte der Kurs ein Niveau von über 2.730 US-Dollar und damit ein Mehrmonatshoch. Zwar folge danach eine leichte Bereinigung; ein Grossteil des Gewinns blieb aber vorerst erhalten.

EIP-1559 hat sich als Upgrade-Merkmal im Test bereits bewiesen

Viele Experten hatten mit Blick auf den näher rückenden Termin des Upgrades einen solchen Ausbruch in Aussicht gestellt. Sie verschwiegen dabei allerdings nicht, dass die strukturellen Änderungen des Netzwerks durch EIP-1559 weitreichend sind und durchaus (zumindest fürs Erste) gewisse Nachteile für einige Ethereum-Nutzer nach sich ziehen könnten. Eine wichtige Neuerung infolge der Umstellung auf EIP-1559 wird die Abschaffung eines bisher bestehenden Dilemma für Nutzer hinsichtlich des Vorgangs bei der Transaktionsbearbeitung sein. Bis dato war für User kaum erkennbar, welche Beträge sie für eine schnelle Berücksichtigung ihrer Transaktionen durch Miner entrichten mussten. Diese Problematik soll und wird EIP-1559 im Zuge des Upgrade beheben, indem es zur Einführung einer Art Grundgebühr kommt. Das Ziel ist einerseits eine grössere Transaktion im Netzwerk, zugleich sollen die Kosten bedingt sinken. Im welchen Ausmass letzteres passieren wird, wird sich zeigen.

Wissenswert: Die Installation von EIP-1559 erfolgte bereits Ende Juni 2021 im Ethereum-Testnetzwerk Ropsten – dem ersten seiner Art. Der Testlauf verlief problemlos.

Ethereum Upgrade: Neue Gebührenpraxis und Bedingungen für Miner

Dass die Änderung des Codes für so viel Wirbel sorgte und reichlich Stoff für Diskussionen bietet, liegt insbesondere am Ansatz, der die oben genannten positiven Entwicklungen ermöglicht. Transaktionsentgelte werden zukünftig nicht mehr an Ethereum-Miner ausgeschüttet, sondern „verbrannt“. Dies geschieht durch einen Transfer der Gelder an eine Wallet, die nicht zugänglich ist. Die gute Nachricht für Miner in diesem Zusammenhang: Sie erhalten auch weiterhin ETH 2 und Belohnungen für ihre Arbeit, die sich auf die Blöcke beziehen, in deren Be- bzw. Verarbeitung Miner involviert sind. Niemand Geringerer als Tim Beiko, einer der führenden Entwickler der Ethereum Foundation und massgeblich an der Planung des Upgrades beteiligt, verwies zuletzt wiederholt darauf, dass EIP-1559 die ETH-Produktionsraten reduzieren werde.

Grundgebühr soll das ETH-Netzwerk entlasten

Durch diese Massnahme soll im System ein Algorithmus-basierte „Base-Fee“ an die Stelle der bisherigen Gebühren treten, deren Entstehungsprozess mancher Experte dem Ablauf einer Aktion vergleicht. Die „neuen“ Grundgebühren werden flexibel an die Netzwerkauslastung entsprechend erhöht oder reduziert. Besonders wichtig ist die Tatsache, dass durch den Verbrennungsvorgang kein Nutzer Profit aus den Gebühren schlagen kann. Auf die vorhersehbaren Proteste vieler Miner wie auch Mining-Pools reagierten die Core-Entwickler durch die Implementierung der Ergänzung EIP-3238 in das Upgrade. Durch den Einsatz einer „Difficulty-Bomb“ wird Ethereum-Mining aufwendiger und schwieriger. Der Ansatz ist technisch zudem eine Art Vorbereitungsphase auf den Wechsel vom Proof-of-Work-Verfahren (PoW) auf das Proof-of-Stake-Konzept (PoS), welches für die weiteren Pläne von Ethereum 2.0 von Bedeutung ist.

Transaktionsgebühren werden nach dem Upgrade verbrannt

Der angesprochene Deflationsdruck ergibt sich hierbei daraus, dass das Netzwerk nach der London-Einführung durch EIP-1559 im Netzwerk laut dem Entwickler sogar mehr Transaktionsgebühren je Block verbraucht als produziert werden können. Dieser Fall kann eintreten, wenn sich in Zukunft eine Netzwerküberlastung abzeichnet oder aber die Gebühren aufgrund der Nachfrage-Entwicklung auf 150 Gwei (die bekannte kleinste Einheit Ethereum als Form der „Gasgebühren“) steigen sollten. Experten weisen in diesem Punkt auf eine Parallele zum Bitcoin-System hin. Dort kommt es im Abstand von vier Jahren zur einer Halbierung („Halving“) der Belohnungen, die Miner erhalten. Auch bei Ethereum können durch eine solche Verknappung Preisanstiege auftreten. Zur Debatte stellen einige Analysten, dass der deflationäre Druck bei Ethereum innerhalb des deutlichen Anstiegs des ETH-Kurses seit Anfang 2021 möglicher bereits abgebildet sein könnte. Der aktuelle Trend könnte diesbezüglich für die Einschätzung vieler Händler und Nutzer sprechen, die für den Ethereum-Kurs noch „Luft nach oben“ sahen und deshalb mehr investiert haben.

London als immenses Risiko für Gas-Token?

Zu Ethereums Hardfork „London“, der am Ende einige Opfer verlangen könnte, gehört ebenfalls das Code-Update EIP-3529. Selbiges Update wiederum sorgt für die Abschaffung der bisher vorgesehenen Gas-Rückerstattungen. In der Folge werden einige Gas-Token unterm Strich funktions- und bedeutungslos. Und zugleich wertlos, weshalb diese mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Netzwerk verschwinden werden. Gerade diese Änderung im ETH-Code ist deshalb ebenfalls keineswegs unumstritten. Betroffen von dieser Neuerung sind vor allem auch etliche Entwickler. Sie nutzen GST2, CHI und andere Gas-Token mit dem Ziel bei der Verwendung der sogenannten Smart Contracts (intelligente Verträge) möglichst geringe Preise sicherzustellen. Was dies bedeuten kann, wird aktuell am Beispiel des Gas Token Two (GST2) deutlich.

Der Token-Kurs notierte nun auf verschiedenen Krypto-Handelsplätzen im Bereich oberhalb von 200 US-Dollar. Vor wenigen Monaten, also weit vor dem Start von EIP-3529 im London-Upgrade bewegte sich der Kurs im Bereich über 600-US-Dollar. Wie heisst so treffend: Grosse Ereignisse werden ihre Schatten voraus.

Bessere Möglichkeiten, um auf die Netzwerk-Nachfrage zu reagieren

Ethereum-Kernentwickler Beiko erklärte zuletzt in Stellungnahmen, dass die bisherigen Rückerstattungen durchaus ihren Zweck erfüllen. Denn diese dienten als Anreiz für Nutzer, Daten auf Ethereum sorgfältig zu verwalten, zu speichern sowie unnötige Datenmengen zu vermeiden. Auf der anderen Seite hätte dieses Konzept Entwickler aber mitunter verleitet, sich niedrige Gasgebühren im Netzwerk zunutze zu machen – insbesondere in Marktumgebungen, die eine geringere Auslastung erkennen liessen. So seien immer wieder Daten aufgetreten, die als „Müll“ bezeichnet werden können. Entwickler erhielten später nach einem erneuten Anstieg der Gasgebühren entsprechend bessere Erstattungen. Beiko nennt gerade ältere Gas-Token als Risiko für solche Entwicklungen in der Vergangenheit. „London“ oder vielmehr die variabel kalkulierte Grundgebühr soll zugleich eine dynamische Anpassung der Blockgrössen erlauben, um ein grundlos übervolles Netzwerk zu verhindern.

Gas-Token müssen nicht zwingend in der Versenkung verschwinden

Durch die erwartete Entwertung vieler Token in der Zeit nach dem Upgrade müssen diese jedoch nicht zwingend vollends vom Kryptomarkt verschwinden. Auch ist laut Beiko keineswegs garantiert, dass Token nutzlos und zugleich ihren Wert in vollem Umfang verlieren. Es gab genug Fälle, in denen Token ohne faktischen Nutzen für das Kryptoversum auch weiterhin gehandelt wurden. Branchenkenner verweisen im Kontext oft auf das Defi-Protokoll yearn.finance. Dessen YFI-Token wird gerne als Versorgungstoken ohne finanziellen Wert und wertlos tituliert. Dennoch wird die Währung zu hohen fünfstelligen Kursen gehandelt und dient im Protokoll als Basis für wichtige Governance-Entscheidungen.

Die Reise hat für das Upgrade und ETH-Nutzer gerade erst begonnen

Was lässt sich trotz aller Abwägungen bezüglich möglicher Vor- und Nachteile über das London-Upgrade, welches sich genau genommen aus insgesamt voneinander sogenannten „Ethereum Improvement Proposals“ (EIP) zusammensetzt, sagen? Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Integration erst nach umfangreichen Diskussionen erfolgt. Sowohl Entwickler als auch Stakeholder im Ethereum-Netzwerk hatten sich engagiert in die Diskussionen eingebracht. Letzten Endes zeigt sich einmal mehr: Keine Neuausrichtung in Krypto-Systemen stösst ausschliesslich auf Zuspruch. Während beispielsweise geringere Gebühren für Transaktionen einer Vielzahl von Ethereum-Nutzern zugutekommen, wird der Sektor der Gas-Token möglicherweise in den kommenden Wochen und Monaten eine erhebliche Erschütterung.

Ethereum Upgrade: Erste Auswirkungen zeichneten sich direkt nach dem Start ab

Schaut man sich indes die Statements des zitierten ETH-Entwicklers Beiko mit Blick auf die Entwicklung bei Gas-Token an, zeigt sich, dass die tatsächlichen Auswirkungen eben nicht in vollem Umfang absehbar sind. Mitgliedern der Ethereum-Community steht somit eine spannende Zeit bevor. Zeigen muss sich am Ende insbesondere, ob die in mancher Prognose vorhergesagten Kursexplosionen des Ethereum Kurses eintreten werden. Zu Beginn des ersten Wochenende nach dem Start stieg der ETH-Kurs jedenfalls in Richtung von 2.800 USD und damit nochmals höher. Damit nicht genug. Am 08.08.2021 verzeichnete der Kurs gar ein weiteres Plus und fand sich bei steigender Tendenz knapp unterhalb von 3.200 USD ein. Der Ausgangspunkt für das Upgrade lag im Bereich der Blockhöhe 12.965.000. Das Limit der Block-Gebühren liegt bei 25 Millionen Gaseinheiten, was einem Anstieg um 100 Prozent entspricht.

Ethereum
M-Cap | CHF 319.160.799.449
CHF 2.714,00
6,35%

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Was sich bereits bestätigte: Die Verbrennungsankündigung liess nicht auf sich warten. Zügig wurden deutlich mehr als 4.000 Ether verbrannt. Die Fee lag bei Redaktionsschluss im Rahmen von 25 bis 40 Gigawei (Gwei), zugleich legte die Hashrate dank London merklich zu. Diese Trends dürften sich in der nächsten Zeit weiter fortsetzen. Gerade die Kursanalyse lässt derzeit ein eindrucksvolles Potenzial erkennen.

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