Home Insights NFT – Digitale Sammelgüter sind gefragt: Was steckt dahinter? Hype oder Blase?

NFT – Digitale Sammelgüter sind gefragt: Was steckt dahinter? Hype oder Blase?

von Matthias Nemack

Non fungible Token sind auf dem Vormarsch. Was sind einzigartige Token und wie sieht es mit dem Hype aus? Eine Einordnung.

Leuchtreklame aus London

Wer der Kryptomarkt aufmerksam verfolgt, konnte in den inzwischen mehr als zehn Jahren seit dem Start des Bitcoins das Entstehen immer neuer Produkte beobachten. Stablecoins, wie sie inzwischen auch von einigen Banken und Zentralbanken entwickelt werden, sind nur eine solche Innovation. Sogenannte non-fungible Token sind ein weiteres Beispiel für Neuentwicklung, die zunehmend Interesse auf sich ziehen. Worum es sich dabei handelt und welche Eigenschaften Token dieser Sparte auszeichnen, thematisieren wir an dieser Stelle. Für viele Krypto-Fans sind NFT mittlerweile so etwas wie das „nächste grosse Ding“ der Kryptowelt. Dabei steckt die Sparte gewissermassen noch in den Kinderschuhen. Um so spannender und sinnvoller ist der Ausblick auf die Besonderheiten, die sich hier im Zusammenhang mit unterschiedlichsten Anwendungsfällen bereits jetzt ergeben können.

NFT kurz erklärt: NFT sind kryptografische Token, welche nicht austauschbar sind. Diese Token können weder zerstört und kopiert werden. Technisch gesehen werden auch NFT auf der Blockchain gespeichert.

Auch lesenswert: Was sind Token und wie unterscheiden sie sich von Coins?

In letzter Zeit tauchten wiederholt Medienberichte über Sportvereine (etwa in der US-amerikanischen Basketballliga NBA) auf, die non-fungible Token als innovatives Instrument für die Einbindung ihrer Anhänger in wichtige Entscheidungsprozesse für sich entdeckten.

Das Interesse an NFT steigt in vielen Bereichen

Einige Clubs nutzen die digitalen Münzen auch, um Fans an Prämien- und Belohnungsaktionen zu beteiligen oder Eintrittskarten zu kommenden Spielen und Events zu verteilen. Ein aktuelles Beispiel ist zudem die US-Fastfood-Kette Taco Bell. Auf Grundlage des Rarible NFT wurden für einen guten Zweck Kunstwerke über ein Gewinnspiel vergeben. Mit der Zeit sind neben Rarible verschiedene andere auf NFT spezialisierte Portale weltweit entstanden. Viele Beobachter erwarten für Token dieses Kryptomarkt-Bereichs im Jahr 2021 den endgültigen grossen Durchbruch. Dabei sind die Digitalmünzen längst kein Geheimtipp mehr. Auch von eine Hype wird vielfach gesprochen, wobei diese Bezeichnung immer einen etwas faden Beigeschmack hat – denn viele Hypes finden irgendwann ein jähes Ende. Kommen wir aber erst einmal zur Erklärung der technischen Details, um zu verstehen, warum non-fungible Token in Sparten von Musik über Kunst und Sport bis zu zahllosen anderen Bereichen an Bedeutung gewinnen.

Token können nicht nachgebildet werden und sind einzigartig

Eine Eigenschaft von NFT ist ihre Einzigartigkeit. Nicht-fungible liesse sich in diesem Zusammenhang etwa auch als „nicht tauschbar“ definieren. Hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zu Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple. Eben diese „normalen“ digitalen Währungen können als sogenannte kryptografische Token ausgetauscht werden. non-Fungible Tokens (NFTs) hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass sie gleichermassen einzigartig wie nicht replizier- und zerstörbar sind. Dies macht die Varianten eben beispielsweise für den künstlerischen Sektor zu einem spannenden Konzept, um virtuelle Kunst wie Musikerzeugnisse digital zu vertreiben. Auch bei Kunstsammlern und Gaming-Fans stehen NFT zunehmend hoch im Kurs. In vielen Spielen können Token für den Erwerb und Tausch virtueller Waren und Güter zum Einsatz kommen. Einen stetig höheren Stellenwert haben nicht-fungible Münzen in Verbindung mit den sogenannten DApps, die auf der Blockchain des Ethereum-Netzwerks (ETH) entwickelt und Nutzern angeboten werden.

Innerhalb des ETH-Universums hat sich das Protokoll „ERC-721“ als Standard-Format für die Entwicklung von NFTs etabliert. Auch der Mitbewerber TRON arbeitete seit längerem an einem eigenen Pendant. Andere Entwicklungsplattformen ziehen schrittweise nach.

Gaming-Community macht eifrig Gebrauch von NFTs

Ein oft bemühtes Beispiel im Gaming-Kontext ist die Plattform CryptoKitties, die den Kauf und Verkauf, aber auch das Sammeln und Züchten virtueller Katzen ermöglicht. Das Portal ist im Grunde DApp und Online-Spiel in einem. Hier dient die Ethereum-Währung Ether als Zahlungsmittel. Gerade, weil digitale/virtuelle Güter ein rasant wachsender Markt sind, erfreuen sich NFTs als individuelle und einzigartige Token immer grösserer Beliebtheit. Die Tatsache, dass renommierte Marken wie Nike oder Microsoft eigene Token-Entwicklungen vorantreiben, verschafft dem Sektor auch abseits Kryptosektors verstärkt Gehör.

Imposantes Wachstum innerhalb kürzester Zeit

Viele deutsche Medien berichteten über die Ausgabe von Spielerkarten des führenden Bundesliga-Clubs FC Bayern München. Die teils ausufern hohen Preise, die Konsumenten für einzelne Produkte bereit zu zahlen sind, befeuern in diesem Zusammenhang die Hype-Befürchtungen. Allein für das Jahr 2019 ermittelten Experten für den gesamten NFT-Bereich eine Marktkapitalisierung in Höhe von knapp 210 Millionen US-Dollar – bei deutlich steigender Tendenz. Nicht minder interessant: Für die Zeit bis Mitte 2020 errechneten Branchenkenner einen Handelsumsatz von rund 100 Millionen USD im Bereich der non-fungiblen Token.

Beispiel von NFT bei Fussball Spielern

Screenshot: Soare.com NFT von Fussball-Spielern

Kunstsektor als ein wichtiger Nutzniesser der non-fungiblen Token

So wird es insbesondere im Musikbusiness neben Rarible in naher Zukunft immer mehr Auswahl für Interessenten geben, die sich digitale Rechte an Musik sichern möchten. Diese können später – im Idealfall freilich gewinnbringend – wieder veräussert werden. Die Vorteile für Künstler und Sammler liegen bei NFTs auf der Hand. Die Token können der regelrecht inflationären Verbreitung von Inhalten sprichwörtlich einen Riegel vorschieben. Begehrte Sammlerstücke sind und bleiben „unkopierbar“ und sind zugleich gegen Fälschungen geschützt dank der technischen Ausrichtung der non-fungible Tokens. So erhalten sie ihren individuellen Wert. Dies unterscheidet den neuen Weg der Verbreitung massgeblich von der früheren Art der Vervielfältigung in den oft vonseiten der Musikindustrie kritisierten Download- und Tauschportalen.

Musik, Sport und Kunst im digitalen Raum kann so endlich wieder einen echten und vor allem dauerhaften Wert erhalten. Hier erweist sich die Technologie der Blockchain als elementarer Pluspunkt. Denn sie erlaubt einen klaren Nachweis von Besitzrechten an unterschiedlichsten Inhalten. Weiterhin sind Informationen in der Blockchain gegen Daten-Verfälschungen abgesichert. Inhaber bzw. Besitzer der Token behalten die volle Kontrolle – immer und überall.

Eine (nicht vollständige) Übersicht der wichtigsten NFT Plattformen

Überall, wo Goldgräberstimmung herrscht und neue Arten von Geschäften enstehen, sind auch eine Vielzahl an Anbietern am Markt um davon zu profitieren. So auch bei den NFT-Plattformen, welche im Moment im Wochentakt neu öffnen. Die im Moment relevanten Player sind:

  1. Open Sea: Der Marktführer mit dem breitesten Angebot an virtuelle Gütern
  2. Decentraland: Virtuelle Grundstücke
  3. Rarible: Der universale Marktplatz zur Entwicklung und Verkauf und Handel von NFTs
  4. Enjin Marketplace: offizielle Marktplatz für Enjin-basierte NFTs
  5. Super Rare: Fokus auf (digitale) Kunst

Warnungen vor Blasenbildung am Markt für non-fungible Token

Neueste NFT-Entwicklungen wie die Plattform Sorage erhielten vor kurzem von teils sehr bekannten Geldgebern die stattliche Summe von umgerechnet 40 Millionen Euro. Ähnlich wie bei den seit vielen Jahren beliebten Sammelalben mit Bildern zum Einkleben können Nutzer hier digitale Karten – auch Colletibles genannt – erwerben und digital sammeln. Die Spielerkarten wiederum sind limitiert, was viele Fans mit einer wahrscheinlichen Preissteigerung gleichsetzen. Fragt man überzeugte Anhänger des Konzepts der NFTs, ist ein Boom für die nächsten Jahre garantiert.

Unnützes Wissen Teil 1:

→ Die teuerste NFT-basierte Fussball-Karte (ca. 63.000 Franken), die bis dato verkauft wurde, bezieht sich auf Mbappé vom französischen Verein Paris Saint-Germain. Es wird nicht der letzte Bericht über Rekordzahlungen bleiben.

Auch, wenn die in digitalen Geldbörsen (Wallets) gehaltenen non-fungiblen Token Dank der Blockchain-Authentizifierung fälschungssicher sind, gibt es (wie eigentlich immer in der Welt der noch recht jungen digitalen Währungen) nicht nur positive Prognosen zur Entwicklung der Branche.   Zwar wächst und gedeiht der Markt mit erstaunlichem Tempo – nicht zuletzt, weil viele Kryptonutzer die Angst haben, einen vielversprechenden Trend zu versäumen, solange er imposante Gewinne in Aussicht stellt. Schon jetzt mahnen Kritiker an, dass im Bereich der NFTs Parallelen zu früheren problematischen Szenarien im Kryptoversum erkennen lassen. Ein gängiger Vergleich ist jener zur Welle von Initial Coin Offerings (ICOs) während des Jahres 2017. Damals wurden die Hoffnungen vieler Anleger, die sich von der Euphorie anstecken liessen, jäh im Keim erstickt. Denn nicht jedes ICO-Projekt wurde zum Erfolg.

Corona-Probleme waren für den NFT-Sektor förderlich

Dem gegenüber stehen die steigenden Nutzerzahlen, die in kurzer Zeit eine beachtliche Fangemeinde für NFTs haben entstehen lassen. Die Experten der Plattform nonfungible.com berechneten vor einiger Zeit einen bisherigen Kapitalzufluss in Höhe von mehr als 370 Millionen US-Dollar in den Sektor, der längst weit mehr als eine Nische der Kryptowelt ist. Vor allem die Beliebtheit des Bereichs Online-Gaming mit Spielen wie Axie Infinity und vielen anderen leistet dem Trend Vorschub in erstaunlichen Ausmass. Mancherorts dienten NFTs während der Corona-Pandemie Nutzern gar als hilfreiche, teils sogar einzige verlässliche Einnahmequelle. Die Philippinen etwa sind das beste Beispiel. Dort hat sich das Erzeugen von und Handeln mit NFTs mit der Zeit zu einem „richtigen“ Beruf entwickelt. Käufer zahlen für Güter zum Teil sechs- oder gar siebenstellige Dollarsummen. Und dieses Exempel ist nur eines von vielen.

Zunehmend Interesse bekannter Unternehmen und Krypto-Grössen

Für Optimismus innerhalb der Community sorgt auch der Einstieg grosser Unternehmen wie des weltweit tätigen Auktionshauses Christie’s. Der Londoner Dienstleister versteigert inzwischen im Kundenauftrag digitale Kunst auf der Grundlage von NFTs, die für Millionensummen den Besitzer wechseln. Das einflussreiche Winklevoss-Brüderpaar betreiben die Plattform Nifty Gateway, die sich dem NFT-Thema verschrieben hat und ebenfalls unter anderem Kunstwerke anbietet. Der Ansatz ist nicht vollends neu, denn Akteure wie die „CryptoPunks“ ermöglichen schon seit rund vier Jahren den Verkauf digitaler Kunst. Allerdings: Verkaufserfolge sind trotz des Booms keineswegs sicher. Dennoch könnten gerade Künstler verschiedenster Richtungen zu den Profiteuren der Begeisterung für non-fungible Token werden. Schliesslich eröffnet sich in diesem Bereich ein vollkommen neuer Vertriebsweg via Internet. Hier präsentiert sich digitale Welt sozusagen als Markt der unbegrenzten Möglichkeiten.

Unnützes Wissen Teil 2:

→ Twitter co-Gründer und CEO Jack Dorsey verkauft seinen ersten Tweet als NFT per Höchstgebot. 

Screenshot: Auktion für NFT vom ersten Tweet von J. Dorsey

Screenshot: Auktion für NFT vom ersten Tweet von J. Dorsey

 

 

 

 

 

 

→ Am 22.03. wurde die Auktion beendet. Der Meistbietende @sinaEstavi zahlt 2.9 Millionen US-Dollar. Dorsey möchte das Geld an eine non-profit Organisation spenden.

Kritische Stimmen mit Blick auf hohen Energieverbrauch

Verschwiegen sei indes bei allem Enthusiasmus nicht der Nachteil der non-fungible Token, den viele Skeptiker in besonderer Weise hinsichtlich des hohen Energiebedarfs und -verbrauch hervorheben. Die Kritik ist durchaus berechtigt. Ein Kritiker: Memo Akten, seines Zeichens bekannter Künstler im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Er ermittelte einen durchschnittlichen CO2-Verbrauch von in Höhe von 47 Kilogramm je Transaktion im NFT-Bereich. Die Bedenken sind freilich nicht neu und finden im Zusammenhang mit Kryptowährungen allgemein seit Jahren Erwähnung. Neue Entwicklungen, Optimierungen der Blockchain-Technologie und last but not der Einsatz erneuerbarer Energien könnten in diesem Punkt schon bald die erhoffte Wende im Sinne des Umweltschutzes einleiten.

Nicht unerwähnt sei zum Schluss:

Wie bei digitalen Währungen wie dem Bitcoin bergen das enorme Wachstum im Sektor der NFT-Tokens und die mitunter fast in irrwitziger Weise steigenden Verkaufserlöse am Markt die Gefahr einer platzenden Blase. Doch auch hier gilt wie beim Bitcoin in den vergangenen Jahren, dass am Ende einer Bereinigung der nächste womöglich langfristige Aufwärtstrend ins Haus stehen könnte.

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