Am gestrigem Dienstag (8. Februar) verkündete das US-amerikanische Justizministerium, dass es Bitcoin im Wert von beachtlichen 3,6 Milliarden US-Dollar beschlagnahmt hat. Hierbei handelt es sich um den Betrag, welcher der Kryptobörse Bitfinex im Jahre 2016 entwendet worden war. Die Bitcoin-Räuber, Ilya Lichtenstein und Heather Morgan, die zudem ein Ehepaar sind, wurden daraufhin in Manhattan verhaftet. Ihnen drohen bis zu 25 Jahre Gefängnis, falls sie wegen Verschwörung zur Geldwäsche und Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten verurteilt werden sollten.

Zwangsläufig löste dieser Vorfall natürlich ein grosses Interesse an den beiden beschuldigten Personen aus. Wie zu erwarten war, untersuchten im weiteren Verlauf verschiedenste Reporter die Fussspuren des Pärchens in den sozialen Netzwerken. CoinPro.ch fasst die Erkenntnisse der aufwendigen Recherchen zusammen.

Bitcoin-Räuber unter die Lupe genommen

Hierbei kam bisher ein Porträt von zwei Technologieunternehmern heraus. Und, im Fall von Morgan, einer ehemaligen Rap-Karriere, dass die Behauptungen des DOJ (Justizministerium) über einen jahrelangen Versuch, Zehntausende von Bitcoins zu waschen, die von Bitfinex gestohlen wurden, fast widerlegt.

Morgans LinkedIn-Konto weist sie als Kolumnistin sowohl für Inc. als auch für Forbes aus, wobei letzteres eine Reihe von Artikeln veröffentlicht hat, von denen der jüngste im September erschien. Besonders erwähnenswert ist ein Artikel mit dem Titel «Experts Share Tips To Protect Your Business From Cybercriminals» (zu Deutsch: Experten geben Tipps zum Schutz Ihres Unternehmens vor Cyberkriminellen). Der Artikel enthält Kommentare von Führungskräften der Kryptofirmen BitFlyer und BitGo, die Bitfinex zum Zeitpunkt des Hacks mit Multi-Signatur-Sicherheitstools versorgten.

Ein Grossteil der Inhalte scheint auf Ratschläge und Tipps für Millennial-Unternehmer ausgerichtet zu sein. Am Dienstag teilte der Gründer von Gauntlet, Tarun Chitra, auf Twitter mit, dass Morgan 2019 einen Vortrag über «How to Social Engineer Your Way Into Anything» (zu Deutsch: Was man sich als Social Engineer alles erlauben kann) hielt.

Bitcoin-Räuber feierten „surrealistische“ Hochzeit

Morgans LinkedIn-Konto weist sie als CEO eines professionellen E-Mail-Textservices namens SalesFolk (seit 2009) aus. Auch ist sie als Investorin bei einer Firma namens Demandpath (seit Juni 2018) gekennzeichnet. Sie hat Abschlüsse von der University of California, Davis und der American University of Cairo.

Lichtensteins eigenes LinkedIn-Konto nennt ihn als Partner bei Demandpath (seit Juni 2018) und als Berater von SalesFolk (seit Februar 2014). Demandpath wird auf seiner Website als „ein Boutique-Mikrofonds, der in die nächste Generation vielversprechender Technologien investiert“ beschrieben. Laut LinkedIn hat er einen Abschluss in Psychologie von der University of Wisconsin-Madison.

Laut einem Facebook-Post aus Lichtensteins Feder verlobten sich die beiden im Juni 2019. Die Hochzeit der beiden fand im vergangenen Herbst statt, die Morgan auf Instagram als „surrealistisch“ bezeichnete.

Bemühungen um Barauszahlung

Nach den Behauptungen des DOJ in einer gerichtlich eingereichten Sachverhaltsdarstellung gab es im Hintergrund dieser Aktivitäten jahrelange Bemühungen, einige der gestohlenen Gelder in bar auszuzahlen. Diese Bemühungen scheinen zeitweise durch «Know-your-customer»-Kontrollen bei einigen der nicht identifizierten Kryptobörsen und Finanzinstitute, mit denen sie interagierten, behindert worden zu sein.

Dennoch, so das DOJ, „zeigten die von anderen VCEs und traditionellen Finanzinstituten erhaltenen Unterlagen, dass Morgan und Lichtenstein im Laufe ihrer Verschwörung ähnliche irreführende Erklärungen gegenüber anderen Finanzinstituten abgaben“.

Gold, NFT und Wal-Mart-Geschenkkarte

Das DOJ behauptet im weiteren Verlauf, dass es dem Paar gelungen sei, einen Teil der Gelder in bar auszuzahlen. Und zwar in Form von Ausgaben für Gold und Non-Fungible Token (NFT). Den Gerichtsdokumenten zufolge wurden die Gelder auch für eine Wal-Mart-Geschenkkarte sowie für Zahlungen an Uber und Hotels.com ausgegeben.

Wie das Kryptoanalyseunternehmen Elliptic feststellte, war es die Entscheidung nach dem Hack, diese Gelder später über den inzwischen nicht mehr existierenden und später von Bundesermittlern beschlagnahmten Schwarzmarkt AlphaBay zu leiten. Diese stellte die Verbindung zwischen den Geldern und einem Konto auf Lichtensteins Namen her. (mck)

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