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Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Deutschland

von Matthias Nemack

Die Besteuerung von Kryptowährungen in Deutschland ist nicht ganz einfach zu verstehen, zudem teilweise noch unklar geregelt.

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Deutschland

Achtung: Dieser Artikel bezieht sich auf die Versteuerung in der Schweiz. Je nach Wohnsitz unterscheiden sich die steuerlichen Behandlungen: Schweiz oder Österreich. Kryptowährungen kommen bekanntlich zunehmend im Mainstream an. Vor dem Hintergrund der teils enormen Renditen, die Krypto-Investoren und Händler erzielen können, ist das Interesse nur allzu gut nachvollziehbar. In vielen Ländern aber stellen Spekulationen mit digitalen Währungen noch immer eine Art Grauzone dar. Grund genug, sich an dieser Stelle mit der Frage zu befassen: Wie behandelt der deutsche Fiskus das Thema Kryptowährungen? Auch, wenn über einen Einstieg ins sogenannte Mining nachdenkt, sollte sich zwingend mit der steuerlichen Behandlung von Erträgen befassen, die am Kryptomarkt erzielt werden. Wer in Deutschland Gewinne verschweigt, kann unter Umständen Probleme mit dem Sachbearbeiter beim zuständigen Finanzamt bekommen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise sich Verluste aus Krypto-Transaktionen steuerlich bemerkbar machen können.

Fest steht: Noch weiss selbst manche Behörde nicht, wie sie Kryptowährungen behandeln muss. In den nächsten Abschnitten wollen versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Der erste elementare von Steuerexperten lautet:

→ Wer in Kryptowährungen investiert, sollte von Anfang an darauf achten, alle Transaktionen so gut wie möglich und ohne Lücken zu dokumentieren!

Wie steht es um die rechtliche Behandlung von Kryptowährungen in Deutschland?

Wichtig für deutsche Anleger rund um das Thema der Steuer auf Kryptowährungen erst einmal die Frage, ob diese im Land überhaupt legal sind. Die Antwort ist denkbar leicht gefunden: Bitcoin, Ethereum und Co. können legal gekauft und verkauft werden. Gleiches gilt aus Sicht privater Investoren, wenn sie sich für das Mining (Schürfen) digitaler Währungen interessieren. Wer Kunden gewerbsmässig Kryptodienstleistungen – etwa als Betreiber einer Kryptobörse – anbieten möchte, muss hingegen in vielen Fällen zunächst eine entsprechende Lizenz beantragen. Für Anleger und damit Steuerzahler ist durch die genannten Legalität zugleich klar, dass Kryptowährungen auch steuerliche zu berücksichtigen sind. Als rechtliche Basis für den Kryptohandel mit Coins und Token dient § 23 Abs. 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Dieses stuft Transaktionen mit Digitalwährungen als sogenannte private Veräusserungsgeschäfte (PVG) ein. Wie bei anderen Finanzprodukten gibt es bei der Besteuerung von Kryptogeschäften in Deutschland bestimmte Spekulationsfristen. Genauer gesagt: EINE Frist.

Als Veräusserung stuft der Fiskus den Krypto-Verkauf über Handelsplattformen gegen Euro ein. Zahlungen in digitalen Währungen gelten ihrerseits als Tatbestand einer Veräusserung und werden als „Spekulationsgeschäfte“ bewertet. Steuerzahler tun gut daran, rechtlichen Beistand durch einen Fachanwalt oder erfahrenen Steuerberater in Anspruch zu nehmen. Denn noch gibt es gewisse Unklarheiten dahingehend, wann welche Krypto-Verkäufe wirklich als Spekulationsobjekt eingestuft werden. Insbesondere, wenn der Kauf oder Verkauf nicht über Kryptobörsen erfolgt sind.

Die Spekulationsfrist für Steuern auf Kryptowährungen in Deutschland

Wer regelmässig eine Steuererklärung beim zuständigen Finanzamt einreicht, ist mit dem Begriff der Spekulationsfrist vermutlich bereits vertraut. Die Frist-Regelung besagt, dass Gewinne aus einer Veräusserung – also aus einem Verkauf von Kryptobeständen – steuerfrei ist, sofern zwischen dem Zeitpunkt des Kaufs und des Verkaufs ein Zeitraum von 12 Monaten oder mehr liegt. Dies ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Zugleich sieht der Gesetzgeber einen Gesamtgewinn von (umgerechnet) maximal 600 Euro pro Steuerjahr vor. Nur, wenn Gewinne unter dieser Grenze liegen, kommen Steuerzahler in den Genuss des Freibetrags.

Achtung:

Sind beide Bedingungen erfüllt, sind Gewinne aus Transaktionen mit Bitcoin, Litecoin und anderen Kryptowährungen zwar steuerfrei. Entstandene Verluste können dann aber auch nicht als Verluste steuerlich geltend und über die Steuererklärung verrechnet werden!

Die Freigrenze ist aber nichtsdestotrotz positiv für Anleger – vor allem für Investoren, die im überschaubaren Rahmen mit digitalen Währungen spekulieren und keine grossen Investitionen tätigen.

Was passiert, wenn ich mit Gewinnen über der Freigrenze liegen?

Wer Kryptowährungen vor Ablauf der Spekulationsfrist verkauft und Gewinne in Höhe von mehr als 600 Euro verbucht, muss nicht nur Erträge oberhalb der Freigrenze versteuern. Stattdessen unterliegt dann der vollständige Betrag der Besteuerung. Dies mag manchem Anleger ungerecht erscheinen, ändert aber nichts an der geltenden Rechtslage in Deutschland bzw. in der Europäischen Union – der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied im Jahr 2015: Für Bitcoin-Umsätze gilt dieselbe Steuerbefreiung wie für andere Devisen. Dabei ging es allerdings nicht um eine ganzheitliche Gleichbehandlung mit Fiatgeldern. Infolge des Urteils kam es zur Einstufung von Bitcoins (und entsprechend anderen digitalen Währungen) als immaterielle Wirtschaftsgüter. Von entscheidender Bedeutung war für die Richter die Unterscheidung zwischen betrieblichen Krypto-Geschäften und privaten. Letztere stehen an dieser Stelle im Mittelpunkt.

Wie viel Steuern zahle ich in Deutschland auf Kryptogewinne?

Krypto-Gewinne werden nicht für sich allein steuerlich behandelt. Vielmehr geht es stets um die tatsächliche Steuerlast eines jeden Steuerzahlers, der auch durch Kryptowährungen Gewinne oder Verluste realisiert. Das deutsche Steuersystem ist progressiv ausgerichtet. Es geht um die Höhe aller erzielter Einkünfte, die wiederum dem persönlichen Steuersatz unterliegen. Ganz gleich, in welcher Höhe Gewinne mit Krypto-Transaktionen im jeweiligen Steuerjahr erzielt wurden: Betrachte wird das gesamte Einkommen. Das Steuersystem arbeitet mit insgesamt fünf Stufen.

Im Jahr 2020 waren die die geltenden Stufen der Besteuerung:

  • Einkommen bis 9.408 Euro: 0 % Steuern
  • Einkommen von 9.409 Euro bis 57.051 Euro: 14 bis 42 %
  • Einkommen von 57.052 Euro bis 270.500 Euro: 42 %
  • Einkommen ab 270.501 Euro: 45 %

Bei Steuerzahlern, die mit Ehegatten oder Partnern in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gemeinsam steuerlich veranlagt sind, kommen in den Genuss doppelter Einkommensgrenzen. Wer viel verdient und hohe Erträge verbucht, zahlt also auch deutlich höhere Steuern. Die eigentliche Ermittlung der fälligen Einkommenssteuer anhand der Stufen und der dazu gehörenden Formel sind zu weitreichend, um sie an dieser Stelle ausführlich zu behandeln. Ein Grund ist auch darin zu sehen, dass Einkünfte je nach Höhe und Steuerpflichtigem anteilig verschiedenen Stufen zuzuordnen sind. Die Hinweise zur Einkommensgrenze sind ein wichtiger Wegweiser, wenn es um Steuern auf Kryptowährungen in Deutschland geht. Wissenswert ist weiterhin, dass die vielfach erhobene Abgeltungssteuer entfällt, da der Bitcoin (bisher) nicht als Währung gilt. Der Solidaritätszuschlag und eventuell die Kirchensteuer werden hingegen durchaus berechnet werden.

Die Rolle der Anschaffungskurse bei Krypto-Transaktionen

Wir haben bereits erwähnt, wie es um Haltefristen und Freibeträge steht. Ergänzt sei noch, dass für Veräusserungsgeschäfte bei einer Abwicklung vor Ablauf der 12-Monats-Frist zumindest die jährliche Freigrenze erhalten bleibt, während die Steuerbefreiung durch den verfrühten Verkauf für private Steuerpflichtige hinfällig ist. Die Höhe der Steuerpflicht wiederum ergibt sich aus den Anschaffungskosten (sowie ebenfalls relevanten Werbungskosten und dem bei Veräusserungen erzielten Preis für Bitcoins und andere Währungen der digitalen Welt. Auch bei Mining sind diese Faktoren von Bedeutung. Erzielen Steuerzahler Verluste, erlaubt der Gesetzgeber eine Gegenrechnung dieser. Dabei können Verluste bei privaten Geschäften steuerlich sowohl zurück- als auch vorgetragen werden. Steuerzahler können somit durch Verluste ihre Steuerlast reduzieren. Immer unter der Einhaltung der mehrfach erwähnten Spekulationsfrist.

Verschiedene Gerichte haben sich mittlerweile mit der Frage befasst, wie Anschaffungskosten sinnvoll angemessen ermittelt werden sollten. Das Dilemma ist darin zu sehen,  dass Einheiten von Kryptowährungen oft zu verschiedenen Zeitpunkten und damit zu abweichenden Kursen bei ebenso voneinander abweichenden Anschaffungskosten erworben werden. Steuerexperten verweisen in weiten Teilen auf die sogenannte First-in-first-out-Methode (FIFO).

Folgende Annahme dient hier als Grundlage:

Der Fiskus geht davon aus, dass private Anleger zunächst jene Bestände an Bitcoins oder anderer Coins und Token verkaufen, die sie auch zuerst abgebaut (geminet) oder gekauft haben. Rechtsexperten sehen in dieser Methode ein probates Instrument zur Berechnung realistische Anschaffungskosten.  Alternativ existiert auch die gegenteilige Variante nach dem Ansatz Last-in-First-out (LIFO). Hier wird davon ausgegangen, dass die zuletzt erworbene Einheiten zuerst verkauf werden. Lässt das Finanzamt dieses Verfahren ist wichtig, dass eine einmal festlegte Methode dauerhaft Verwendung findet. Nachträgliche Änderungen sind nicht möglich. Wie immer gibt es auch hier im Kontext der Besteuerung Optionen. Beispielsweise in einem Fall, indem bestimmte Geschäfte mit digitalen Währungen eine eindeutige und unmissverständliche Abtrennung von anderen Transaktionen erlauben.

Die übliche Regel lautet vor dem Hintergrund der oben genannten Angaben, dass Gewinne aus Veräusserungen dem Verkaufspreis nach Abzug der Anschaffungs- und Werbungskosten entsprechen. Rücksprache mit dem zuständigen Finanzamt vermeidet Probleme mit Blick auf das zugrunde gelegte Verfahren zur Bewertungen von Geschäften.

Akzeptiert das Finanzamt meine Geschäfte als private Geschäfte?

Wer eher selten und in geringem Mass Bitcoin und Co. kauft und verkauft sowie Gewinne ordnungsgemäss in der Anlage SO seiner Steuererklärung auflistet, wird vermutlich keine Probleme mit dem Finanzamt bekommen. Sind jedoch häufige Transaktionen mit grossem Volumen erkennbar, besteht die Gefahr, dass Sachbearbeiter Geschäfte als gewerbliche Tätigkeiten einordnen. Dies ist umso mehr möglich, wenn Veräusserungen vor Ablauf der 12-monatigen Haltefrist erfolgen. Abschliessend sei noch auf den Sonderfall von Initial Coin Offerings (ICO) thematisiert werden. Die steuerliche Bewertung fällt auch vielen Behörden nach wie vor schwer. Deshalb sei hier nochmals darauf hingewiesen werden, wie wichtig eine professionelle Beratung ist, wenn Anleger bereits regelmässig Krypto-Rücklagen veräussern oder dies für die Zukunft planen.

Dabei empfiehlt sich generell die Konsultation eines auf das Thema spezialisierten Experten im Vorfeld der ersten Transaktionen. Aus gutem Grund. Denn schon kleine Fehler und nicht korrekt/vollständig gemeldete Gewinne bergen das Risiko, dass das Finanzamt im Ernstfall nicht nur von einem Versehen ausgeht, sondern sogar von einen vorsätzlichen Steuerbetrug ausgeht. Dies gilt freilich auch für Unternehmen, die Kryptogeschäfte planen. Die Steuerfrage in Deutschland aus Unternehmenssicht ist wie gesagt jedoch ein anderes facettenreiches Thema, das eine eigenständige Betrachtung verdient.

Andere Länder, andere Besteuerung:

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in der Schweiz

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Österreich

Zum Schluss nochmals der explizite Hinweis: Die vorangegangen Erläuterungen stellen keine verbindliche Rechtsberatung dar.  Wer bereits mit digitalen Währungen handelt und aus Veräusserungsgeschäften Erträge erwirtschaftet oder den Einstieg plant, sollte unbedingt auf die Hilfestellung eines Steuerexperten vertrauen. Idealerweise verfügen diese bereits über umfassende Erfahrungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen. Es ist keineswegs so, dass sich inzwischen jede/r Steuerberater/in mit der Thematik Steuern auf Kryptowährungen in Deutschland auskennt. Die Spezialisten klären auch ausführlich über Besonderheiten und Fristen für den Verkauf sowie besondere Bedingungen mit Blick auf die individuelle Besteuerung von Gewinnen und Verlusten auf.

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