Home Praxis Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Österreich

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Österreich

von Matthias Nemack

Die Besteuerung von Kryptowährungen in Österreich ist nicht ganz einfach zu verstehen, zudem teilweise noch unklar geregelt.

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Österreich

Achtung: Dieser Artikel bezieht sich auf die Versteuerung in der Schweiz. Je nach Wohnsitz unterscheiden sich die steuerlichen Behandlungen: Schweiz oder Deutschland. Die Alpenrepublik Österreich gilt im Vergleich zu etlichen anderen europäischen Ländern als ausgesprochen fortschrittlich. So beheimatet das Land mit dem Unternehmen Bitpanda seit 2014 einen grossen und mehrfach prämierten Kryptodienstleister, der auch ausserhalb Österreichs einen guten Ruf geniesst. Die Nachfrage nach digitalen Währungen steigt stetig. Entsprechend sollten sich potenzielle Investoren vor den ersten Krypto-Transaktionen auch mit der Besteuerung möglicher Gewinne befassen. Aufgrund der Volatilität (Schwankungsbreite) des Kryptosektors sollten Anleger zudem wissen, in welcher Weise sich Verluste aus Aktivitäten im Bereich digitaler Währungen in der Steuererklärung auswirken können.

Kryptowährungen sind in Österreich keine Finanzinstrumente

Die erste wichtige Information für alle Bürgerinnen und Bürger, die mit Kryptowährungen handeln, diese dauerhaft im Portfolio halten oder kurzfristig spekulieren: Digitale Währungen wie Bitcoin oder Ripple werden in Österreich als Teil des privaten Vermögens eingestuft. Sie gelten auch nicht als Finanzinstrumente – das Finanzamt spricht von „sonstigen „unkörperlichen“ Wirtschaftsgütern. Achtung: An dieser Stelle geht es um private Investitionen. Wie Krypto-Vermögenwerte als Teil von Betriebsvermögen behandelt werden, ist ein eigenständiges Thema.

Durch diese genannte rechtliche Einordnung unterliegen Coins und Token realisierte Gewinne entsprechend den geltenden Regeln zur Steuerpflicht. Wie in vielen anderen Ländern gibt es aber auch in Österreich gewisse Fristen (Stichwort: Spekulationsfrist), die Einfluss auf die Besteuerung haben und dazu führen können, dass Erträge am Ende doch steuerfrei sind. Wichtig: Einmal mehr spielen nicht nur Gewinne in Verbindung mit der Steuererklärung eine Rolle. Auch Verluste können berücksichtigt werden und die Steuerlast reduzieren.

Verständliche und lückenlose Nachweise vermeiden Probleme bei der Versteuerung

Für die österreichischen Finanzbehörden wie auch Anleger stellen insbesondere die teils hohen Schwankungen bei Krypto-Kursen eine Herausforderung bei der Behandlung von Transaktionen dar.

Der erste elementare von Steuerexperten lautet:

→ Wer in Kryptowährungen investiert, sollte von Anfang an darauf achten, alle Transaktionen so gut wie möglich und ohne Lücken zu dokumentieren!

Auch, wenn Behörden zunehmend dazu übergehen, auf das Einreichen umfangreicher Unterlagen zu allen steuerlich relevanten Dokumente zu verzichten: Steuerberater raten dringend dazu, trotzdem alle verfügbaren Schrittstücke wie Unterlagen zu allen Krypto-bezogenen Konten und Depots aufzubewahren. Im Zweifelsfall kann die zuständige Behörde im Nachhinein das Vorlegen fordern. Darauf sollten Steuerzahler optimal vorbereitet sein. Nochmals der Hinweis: Es sollten unbedingt alle Transaktionen nachweisbar sein. Ganz gleich, wie gering Gewinne oder Verluste auch ausfallen. Spätestens, wenn es um Freibeträge und Grenzwerte geht, können auch geringe Gewinne am Ende bei der Steuerberechnung ausschlaggebend sein.

Österreich: Wie werden digitale Währungen von Bitcoin bis Zcash rechtlich bewertet?

Ein Aspekt, der viele Steuerzahlerinnen und -zahler gerade im Vorfeld erster Erfahrungen verwirren kann, ist die steuerrechtliche Bewertung. Kryptowährungen werden vom Gesetzgeber nicht als reguläres Zahlungsmittel parallel zum Euro oder anderen Fiatwährungen eingestuft. Einen klaren steuerlichen Rahmen gibt es aber natürlich trotzdem. Auch finden der Handel keineswegs in einer Art rechtsfreiem Raum statt. Diese Erklärung ist nicht zuletzt für all jene potenziellen Krypto-Anleger von Bedeutung, die Angst haben, durch Spekulationen in dieser Sparte gegen geltendes Recht zu verstossen. Krypto-Investitionen sind durchaus zulässig. Eben deshalb ist ein ausreichendes Wissen zur Besteuerung so wesentlich. Was die Einordnung von Kryptowährungen betrifft, gilt weiterhin: Anders als bei Vermögenswerten wie Aktien sieht das Finanzministerium in Gewinnen über digitale Währungen keine Kapitalerträge. Aus diesem Grund entfällt die automatische Besteuerung über die Kapitalertragssteuer in Höhe von 27,5 %. Stattdessen sind Kryptogewinne und -verluste Bestandteil der individuellen Ermittlung der Einkommenssteuer.

Die zentralen Kriterien für die Bewertung von Erträgen sind:

  • die Frage, ob Anleger mit Kryptowährungen Gewinne erzielen
  • wie lange digitale Währungen vor einem Verkauf gehalten wurden

Zudem stellt sich die Frage, wann Coins und Token rechtlich als „verkauft“ gelten. Auch hier gibt es klare Vorgaben. Beispielsweise handelt es sich um einen Verkauf, wenn Bestände gegen die europäische Gemeinschaftswährung Euro getauscht werden. Kommt es zu einem Tausch gegen andere Währungen der digitalen Welt, wird dies ebenfalls als Verkauf angesehen. Darüber hinaus spricht das Steuerrecht Österreichs auch dann von einem Kauf, wenn Bitcoins und andere Krypto-Devisen für das Bezahlen von Dienstleistungen und Waren zum Einsatz kommen.

Wann zahle ich keine Steuern beim Verkauf von Kryptowährungen?

Ähnlich wie in Deutschland und verschiedenen anderen Ländern gilt in Österreich eine Spekulationsfrist von 12 Monaten. Diese Frist beginnt im Moment der Krypto-Anschaffungen. Steuerpflichtig über die Einkommenssteuer sind Verkäufe, wenn diese innerhalb der Einjahresfrist getätigt werden. Durch eine längere Behaltedauer kann eine Besteuerung also umgangen werden, indem Währungen für wenigstens ein Jahr gehalten werden. Denkt man einmal mehr an die mitunter akuten Schwankungen (Volatilität) der Kurse am Kryptomarkt, ist das langfristige Halten aber nicht immer praktikabel, da sonst hohe Verluste drohen. Die Tatsache, dass ich zum Beispiel Bitcoins nach einem Jahr steuerfrei verkaufen kann, bringt wenig, wenn ich durch die längere Verwahrung nach Kurseinbrüchen mehr verliere, als ich durch die Steuerfreiheit unterm Strich sparen würde. Allerdings ist dies ein Dilemma, das Anleger durchaus auch von anderen Spekulationsgeschäften kennen. Rücksprache mit dem persönlichen Steuerexperten und stete Kursanalysen können helfen, den richtigen Zeitpunkt für einen Verkauf zu finden.

Die Berechnung der Kryptogewinne: Nicht nur die Währungskurse sind entscheidend

Ist die Entscheidung für einen Verkauf vor Ablauf der 12-Monats-Frist gefallen, gibt es verschiedene Faktoren, die in die Berechnung der tatsächlichen Kryptosteuer einfliessen. Ein Punkt sind die eigentlichen Anschaffungskosten. Weiterhin können Steuerzahler Ausgaben für die Transaktionen selbst bei der Gewinnberechnung geltend machen. Dies können etwa Handelsgebühren beim Kauf und Verkauf über Kryptobörsen sein. Anfallende Kosten für die Verwaltung eines Kryptowährungs-Konten auf Börsen und Handelsplattformen, aber auch regelmässige oder einmalige Kosten für digitale Geldbörsen (Wallets) sind abzugsfähig bei der Ermittlung der Steuern au Kryptowährungen. Ein spezieller Fall liegt vor, wenn Steuerzahler virtuelle Währungen unentgeltlich erhalten. Dann wird der Zeitpunkt bzw. Kurs berücksichtigt, zu dem der „Rechtsvorgänger“ die betreffenden Währungen angeschafft hat. Der Gesetzgeber hat also auch an Schenkungen oder mögliche Erbfälle gedacht. Bei Krypto-Tauschgeschäften beruft sich der Gesetzgeber auf den Verkehrs- oder Einzelveräusserungswert.

Wurden Bestände zu verschiedenen Tageskursen erworben, sind die Einkünfte aus Spekulationen umso entscheidender. Insbesondere mit Blick auf Kauf- und Verkaufspreise erweist es sich die lückenlose Buchführung für Steuerzahler als vorteilhaft. So lassen sich einzelne Krypto-Tranchen (so die Formulierung des Finanzministeriums) bestmöglich zuordnen, um eine pauschale Kursermittlung zu vermeiden. Erlauben Unterlagen keine solche direkte Zuordnung, greift die „FIFO”-Berechnungsmethode (First-in-First-Out) . Ihr zufolge wird davon ausgegangen, dass jene Vermögenswerte verkauft werden, die zuerst gekauft worden sind. Für Kryptofans, die in Österreich nicht nur Kryptowährungen kaufen und veräussern, sondern im Bereich Mining aktiv sind, gilt: Der Gesetzgeber sind in (Bitcoin) -Mining bisher das Problem, dass Leistungsempfänger nicht eindeutig identifizierbar sind. Aus diesem Grund unterliegen Mining-Erträge aktuell nicht der Umsatzsteuer.

Sonderfall – zinstragende Veranlagung digitaler Währungen

Sofern Kryptowährungen zum privaten Vermögen zählen und „zinstragend“ veranlagt werden, gelten diese letztlich als Wirtschaftsgüter. Ist dies der Fall, fallen nicht nur realisierte Zinsen unter den sogenannten Sondersteuersatz. Verbuchte Wertsteigerungen unterliegen dann ebenfalls diesem Steuersatz. Er liegt bei 27,5 %. Je nach Art der Veräusserung werden bei der Steuerberechnung Durchschnittspreise angesetzt. Durch die verschiedenen genannten Einstufungen kann es vorkommen, dass verschiedene Einkünfte am Ende für die Steuererklärung von unterschiedlicher Relevanz sind.

Andere Länder, andere Besteuerung:

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in der Schweiz

Besteuerung von Kryptowährungen und Gewinnen in Deutschland

Zum Schluss nochmals der explizite Hinweis: Die vorangegangen Erläuterungen stellen keine verbindliche Rechtsberatung dar. Wer bereits mit digitalen Währungen handelt und aus Veräusserungsgeschäften Erträge erwirtschaftet oder den Einstieg plant, sollte unbedingt auf die Hilfestellung eines Steuerexperten vertrauen. Idealerweise verfügen diese bereits über umfassende Erfahrungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen. Es ist keineswegs so, dass sich inzwischen jede/r Steuerberater/in mit der Thematik Steuern auf Kryptowährungen in Österreich auskennt. Die Spezialisten klären auch ausführlich über Besonderheiten und Fristen für den Verkauf sowie besondere Bedingungen mit Blick auf die individuelle Besteuerung von Gewinnen und Verlusten auf.

Jetzt Beitrag teilen

Das könnte Dir auch gefallen