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Geschichte des Geldes: Der Bitcoin als logische Konsequenz?

von Matthias Nemack

Die Entwicklung und Etablierung des Bitcoin ist der nächste logische Schritt im Zuge der Digitalisierung.

Bitcoin in der Erde vergraben

Die Geschichte des Finanzsystems, wie wir es heute kennen, reicht bekanntlich viele Jahrtausende zurück. Die Wurzeln des Geldes liegen in der Tauschwirtschaft. Person A besitzt etwas, das Person B haben möchte. Person B wiederum verfügt über Güter und Waren, die für Person A nützlich sind – gleiches gilt freilich für Dienstleistungen, die gegen Waren oder andere Leistungen getauscht werden kann. Wie passt der Bitcoin in die Geschichte des Geldes?

Geschichte des Geldes: Alles nahm mit der Tauschwirtschaft seinen Anfang

Mit der Zeit entwickelte sich aus diesem Tausch-basierten Systems bzw. den unterschiedlichen Systemen, die sich weltweit mit der Zeit (interessanterweise übrigens häufig unabhängig, aber parallel voneinander) etablierten, das System Geld. Die Geschichte des Geldes wiederum ist von vielen Entwicklungsstufen geprägt, denn wie immer waren und sind Menschen darum bemüht, Perfektion zu erreichen. Und so hatten unsere frühen Geld- und Zahlungssysteme ohne Frage manchen Schwachpunkt. Diese Schwächen standen im Mittelpunkt der steten Weiterentwicklung. Ein Problem war immer wieder die Bestimmung des Wertes, denn zum Beispiel Naturalien wie Muscheln oder Steine als Zahlungsmittel hatten.

Auch das etablierte Finanzsystem ist anfällig für Manipulationen

Spätestens, wenn es um den Handel zwischen Ländern oder Reichen mit verschiedenen Systemen ging, fehlte es regelmässig an nötigen Standards. Heute hat alles seinen festen definierten Wert, trotzdem haben Zentral- und Notenbanken in ihrer Rolle der staatlichen Währungshüter Chancen zur Beeinflussung. Ein gutes Beispiel waren in den vergangenen Jahren wiederholt die Interventionen Chinas, um den Wert der Landeswährung Renminbi zugunsten der heimischen Wirtschaft positiv zu beeinflussen. Die USA kritisierten die Praxis rund um die chinesische Volkswährung wiederholt. Der US-Regierung ging es hierbei darum, dass die Chinesische Volksbank zu Verzerrungen des Wettbewerbs in der Weltwirtschaft führte. Dies soll an dieser Stelle nur ein kurzer Ausflug in die heutige Zeit sein.

Überall auf der Welt mussten Systeme zunehmend reifen

Kommen wir zurück zur Geschichte des Geldes. Bis die heute gebräuchlichen Zahlungsmittel wie Scheine, Münzen oder auch digitale Zahlungsmodelle wie Kreditkarten und Zahlungsdienstleister entstanden, gab es fast endlos viele Versuche, funktionierende Systeme zu entwickeln. Schwierigkeiten verursachte innerhalb der Tauschwirtschaft vor allem eine Tatsache. Um jemanden zu finden, der genau das sucht, was ein Anbieter offeriert, brauchte es nicht nur oft viel Zeit. Es waren mitunter auch grosse Strecken zu überwinden, damit ein erhoffter Handel überhaupt zustande kommen konnte. Denn es war keineswegs sicher, dass für das gewünschte Geschäft in der unmittelbaren Nähe einen geeigneten Interessenten gab. Deshalb lag es nahe, Tauschmittel zu erfinden, die wir heute als Geld kennen. Neben den erwähnten Muscheln und Steinen waren rund um den Globus zahlreiche Mittel als Tauschinstrumente gebräuchlich.

Geschichte des Geldes: Viele Materialien wurden für den Tauschhandel genutzt

Manches davon wirkt in der modernen digitalen Welt kurios. Zähne von Walen etwa oder die Häuser von Schnecken seien hier genannt. Getreide als Tauschmittel klingen in unseren Ohren schon wesentlich vertrauter und nachvollziehbarer. Die Zeiten, in denen Menschen mit Zähnen oder anderen Mitteln tierischen Ursprungs zahlten, liegen historisch weitaus weniger weit zurück, als mancher Leser denken mag. So waren in etlichen Regionen des afrikanischen Kontinents noch bis vor wenigen Tausend Jahren Zahlungen in Form des sogenannten „Kaurigeldes“ üblich. Hierbei handelt es sich um die Gehäuse der gleichnamigen Schneckenart.

Edelmetalle waren der nächste Schritt zur Geld-Entwicklung

Es dauerte eine ganze (lange) Weile, bis der Mensch den Wert von Edelmetallen zur Grundlage des Geldsystems machte. Neben einigen Ländern Europas zeichneten Staaten des Nahen Osten für diese Entwicklung verantwortlich. Allen Metallen voran standen Gold und Silber. Gold spielt auch heute noch eine grosse Rolle im Geldsystem, auch wenn der Begriff des „Goldstandards“ inzwischen weniger bekannt als noch vor einigen Jahren ist. Edelmetalle boten sich an, da sie in unterschiedlichsten Grössen und vor allem auch begrenzt zur Verfügung standen – wenngleich dies früher nicht so bekannt war, wie es heute der Fall ist. Edelmetalle erlaubten aufgrund der verschieden grossen Teile den Erwerb mehr oder weniger teurer Waren.

Die Erfolgsgeschichte von Gold begann in der heutigen Türkei

Die ersten Menschen die Klumpen Goldes als Zahlungsmittel verwendeten, waren Historikern zufolge in Lydien ansässig. Diese Entwicklung datiert etwa auf das Jahr 700 vor unserer Zeitrechnung. Lydien im Übrigen liegt in der westlichen Region der Türkei, wie wir sie heute kennen. Wichtig war dabei: Die Zahlungsmittel trugen das Konterfei des jeweiligen Königs. Im Handel diente dieses Emblem als Hinweis auch die Echtheit der Münzen. Der Umstieg auf Edelmetalle war gewissermassen ein Meilenstein. Bis Münzen insgesamt als Instrument für Zahlungen aufkamen, mussten allerdings nochmals einige Jahrhunderte ins Land ziehen. Für den weltweiten Handel stellte der Trend eine dramatische Erleichterung dar.

Bitcoin vs. Gold im Detail

China goss das Fundament des heutigen Geldsystems

Einen nächsten beachtlichen Schritt hin zu dem, was wir heute als Papiergeld kennen, gab es wie bei vielen zivilisatorischen Entwicklungen in China. Schon lange, bevor es beispielsweise in der Alpenrepublik Schweiz oder dem Land der Dichter und Denker, also Deutschland, eine Alternative zum aufkommenden Münzgeld gab, erkannten chinesische Händler die Nachteile der schweren Münzen als Zahlungsmittel. Der dortige Ansatz. Chinesische Händler händigten dem Staat/der Regierung – etwa zu Beginn des zehnten Jahrtausends unserer heutigen Zeitrechnung – ihre Reserven in Gold und anderen Edelmetallen aus.

Im Gegenzug erhielten sie dafür etwas, das im Handel am ehesten als eine Art Gutschrift, Quittung oder Nachweis für zukünftige Handelsgeschäfte zu verstehen sein kann. Letzten Endes war damit der Grundstein für das über Jahrhunderte geltende System der Banknoten gelegt.

Geschichte des Geldes: Europa brauchte mehr Zeit für den Fortschritt

Zum Vergleich: Deutlich mehr als 500 Jahre verstrichen, bis auch der europäische Kontinent Geld in Papierform für sich entdeckte. Papiergeld hatte den wesentlichen Vorteil des geringen Gewichts. Somit setzte sich der Weg dieser Geldvariante schnell durch. Die wesentliche Basis daran ist fraglos, dass man sich mit der Zeit weltweit auf das Konzept verständigen konnte. Und eben diese Akzeptanz ist damals wie heute von Bedeutung, damit unser Geldsystem überhaupt funktionieren kann. Der Grund ist schnell genannt. Im eigentlichen Sinne hat Papier natürlich keinen eigenen hohen Wert. Dass alle Teilnehmer an den Gegenwert von Geldscheinen glauben, ist die Grundbedingung dafür, dass sie überhaupt genutzt werden können. Ohne Akzeptanz kann sich kein System durchsetzen.

Bis aus Papiergeld in Form von Banknoten zog einmal mehr viel Zeit ins Land. Es war aber absehbar, dass  es eine weitere Entwicklung geben würde. Aus der Not geboren. Denn ein Knackpunkt bei Bargeld ist unter anderem der hohe Verschleiss. Dem gegenüber stehen auf der anderen Seite die relativ geringen Kosten im Rahmen der Herstellung.

Geldnutzer müssen an die Systeme glauben und ihnen vertrauen

Und welch hohen Stellenwert der Glaube an das etablierte System hat und wie fragil es auch heute noch ist, zeigte sich auch im 20. Jahrhundert gleich mehrfach. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg beispielsweise reagierte die Notenbank Deutschlands auf hohe erforderliche Reparationszahlungen, indem die Verantwortlichen im grossen Stil die Geldpressen anwarfen – die Folge war eine extreme Inflation, in deren Verlauf eine massive Geldentwertung auftrat. Grosse Teile der Bevölkerung verlor damals ihr Vermögen, eben weil Geld am Ende fast keinen Wert mehr hat.

Inflationssorgen sind kein reines Problem der Vergangenheit

Und auch heute noch sind Länder wie die Türkei oder Argentinien Beispiele dafür, welche Konsequenzen eine Inflationsabwärtsspirale haben kann. Das Edelmetall Gold hingegen wird in den kommenden Jahren hingegen weiter teurer werden, denn es ist nur begrenzt verfügbar. Auch in der aktuellen Lage rund um die Pandemie warnen viele Wirtschaftsexperten vor den Gefahren, die die weitreichenden Rettungsprogramme mit zusätzlichen Geldmengen für die globale Ökonomie haben könnten.

Kreditkarten – Siegeszug nahm von den USA aus seinen Lauf

Was die Entstehung digitaler Finanzsysteme betrifft: Es waren nicht zuletzt die ersten Kreditkartengesellschaften, die für eine Wende hin zur Digitalisierung des traditionellen Geldsystems sorgten. Die praktischen Plastikkarten waren der erste wichtige Schritt weg vom reinen Zahlen mit Bargeld. Das Konzept entstanden schon zum Ende des 19. Jahrhundert – natürlich in den USA. Anfangs waren es vorrangig Hotels, die durch die Ausgabe von Karten ein Mittel zur Kundenbindung schufen. Später erkannten auch Kaufhäuser und Tankstellenbetreiber die Vorzüge der Karten. Tanken oder Einkauf im Supermarkt? Immer häufiger zahlen Menschen bargeld- und sogar kontaktlos. Für die EU etwa gibt es Studien, die davon sprechen, dass inzwischen nicht einmal mehr ein Zehntel aller genutzten Euro in Form von Bargeld in Umlauf ist.

Zahl der Bargeldtransaktionen seit Jahren rückläufig

Mehr als 90 Prozent aller Transaktionen werden als digital bzw. elektronisch abgewickelt. Hier zeigt sich im Übrigen eine Parallele zum Börsenhandel. Dort ist der sogenannte Präsenzhandel seit Beginn der Digitalisierung mit ähnlichem Ausmass auf dem Rückzug. In Europa sind es vor allem die Konsumenten in Skandinavien, die dem Vorbild der USA bezüglich bargeldloser Zahlungen nacheifern.

Bitcoin – der Startschuss für einen vollkommen neuen Markt

So war es für viele Experten genau genommen nur konsequent, dass sich neben den staatlich kontrollierten Systemen früher oder später auch digitale Zahlungssysteme entwickeln würden. Und hier sind eben nicht digitale Zahlungsdienstleister gemeint, die an das herkömmliche Währungs- und Bankensystem gekoppelt sind. Die erste digitale Währung der Welt: der Bitcoin. Ausgedacht hat sich das Konzept bekanntlich der Entwickler Satoshi Nakamoto, um dessen Identität sich bis heute viele Gerüchte und Mutmassungen ranken. Währungen auf Basis einer sogenannten Blockchain und ähnlicher Technologien funktionieren meist weitgehend dezentral – also ohne eine eindeutige Kontrollinstanz, wie es bei Fiatgeld etwa Banken sind. Die Gemeinschaften in Bereich der digitalen Währungen arbeiten zumeist selbstregulierend. Teilnehmer der Systeme kontrollieren sich gegenseitig. Dass der Bitcoin die logische Konsequenz als Weiterentwicklung im Digitalzeitalter ist, liegt auch und gerade daran, dass viele Menschen mit dem Bankensystem und den damit hohen verbundenen Kosten unzufrieden sind.

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Kryptowährungen kommen vollständig ohne (Zentral-) Banken aus

Die meisten der mittlerweile Tausenden Kryptowährungen erlauben günstige Transaktionen – auch über Ländergrenzen hinweg. Genau hier die Stärke der modernen Finanzsysteme. Sie setzen dort an, wo der Interbankensektor offensichtliche Schwachstellen für Nutzer erkennen lässt. Mitglieder der Kryptogemeinschaften begegnen sich auf Augenhöhe und sind in aller Regel nicht auf Dritte angewiesen, um Zahlungen zu tätigen und Geld auf diesem Wege zu empfangen. Auch hohe Kontogebühren entfallen durch die digitalen Geldbörsen („Wallets“). Zudem erlauben Systeme wie Ethereum sogar den Abschluss unterschiedlichster Verträge, sodass es Zukunft wohl kein Problem mehr sein wird, ohne Notare und Banken beispielsweise Immobilien zu (ver-) kaufen. Eine ganze Reihe Projekte dieser Art sind bereits aktiv. Die Anwendungsmöglichkeiten sind im Grunde endlos.

Menschen ohne Zugang zu Bankgeschäften besonders kryptofreundlich

Zu den Profiteuren des „next big step“ hin zu Bitcoin und Co. waren und sind insbesondere Menschen in Regionen der Welt ohne flächendeckende gute Bankensysteme. In vielen Ländern wie Nigeria verfügen zwar die meisten Menschen über ein Smartphone, aber nicht unbedingt über ein eigenes Bankkonto. Per Mobilgerät und Wallet können durch Kryptowährungen wie den Bitcoin in Sekundenschnelle vergleichsweise günstig Gelder rund um den Globus geschickt werden. Und genau das ist es, was in vielen Ländern regelrecht überfällig war, weil Banken vielen Personengruppen bis heute keine adäquaten Leistungen anbieten können oder aus Gründen fehlender Rendite-Hoffnungen wollen.

Bitcoin für viele Anleger ein sicherer Hafen wie Gold

Zum Bitcoin ist zudem noch etwas als neuer Ansatz erkennbar. Das System war von seinem Entwickler von Anfang an auf eine Menge von rund 21.000.000 Einheiten beschränkt worden. Auch bei vielen anderen Kryptowährungen gibt es ähnliche Ansätze. Diese Begrenzung sorgt dafür, dass der Bitcoin eben nicht nur ein flexibles Zahlungsmittel, sondern für immer mehr Investoren auch zum beliebten Spekulations- und Anlageobjekt avanciert. Anleger der ersten Stunde, die Bitcoins oder Teile von Coins in der Frühphase für kleines Geld erworben haben und zu den Hochphasen der Preisentwicklung des Bitcoins (BTC) verkauften, wurden so nicht selten zu Millionären. Und auch heute noch bieten sich risikofreudigen Bitcoin-Fans immer wieder Chancen. Und die Aussichten für Digitalwährungen sind weiterhin rosig. Zuletzt kündigten einige renommierte Dienstleister wie zum Beispiel PayPal den Einstieg in den Kryptomarkt an.

Immer mehr Länder arbeiten an staatliche Digitalwährungen

Staaten wie China (vor allem aber eine Reihe kleinerer Staaten) reagieren auch Entwicklungen der Privatwirtschaft, indem sie selbst in die Blockchain investieren oder eigene staatliche digitale Währungen entwickeln. So werden Verbraucher vielen Prognosen zufolge schon in wenigen wohl nicht nur Franken oder Euro verwenden können, um im stationären oder virtuellen Handel einkaufen zu können. Etliche Branchen springen nach und nach auf das erfolgreiche Modell der Kryptowährungen auf, das im Jahr 2009 mit dem Bitcoin seinen Anfang nahm. Mehr als eine digitale Geldbörse und Zugang zu den verschiedenen Netzwerken braucht es schliesslich nicht, um Teil einer oder gleich mehrerer Krypto-Communities zu werden. Der Bitcoin schreibt die Geschichte des Geldes fort.

Nur eine Frage der Zeit, bis Bitcoin und Altcoins im Alltag ankommen

Dass immer mehr Zentralbanken eigene Ideen erarbeiten müssen, ist deshalb nur allzu offensichtlich. Ein wichtiger Schritt werden staatliche Regulierungen sein. Denn noch scheuen viele Anleger den Einstieg, weil Sie Angst vor Datenmissbrauch und Verlusten haben. In ein paar Jahren dürfte von diesen Sorgen nicht mehr viel übrig sein, sollte die Branche weiter so rasant in Richtung Mainstream wachsen. Und die Perspektiven sind gerade der aktuellen Krisen – gemeint ist hier nicht nur die Corona-Pandemie – günstig. Die globalisierte Welt braucht neue Systeme, die den Anforderungen an transnationale Zahlungs- und Anlagemodelle gerecht werden können. Kein Wunder, dass viele Vertreter der Bankenwelt mehr und mehr darauf drängen, dass auch die klassische Finanzindustrie neue Wege beschreiten soll – ganz im Sinne der bisherigen Geschichte des Geldes.

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