ORC-20 wurde 2023 als technisch überlegener Nachfolger von BRC-20 angekündigt. Der Standard sollte die Schwächen seines Vorgängers ausbessern und nutzergenerierte Token auf Bitcoin auf ein neues Niveau heben. Durchgesetzt hat sich am Ende ein anderes Protokoll.

Was ist ORC-20?

ORC-20 ist ein Standard für nutzergenerierte Token auf der Bitcoin-Blockchain. Das Projekt wurde am 30. April 2023 vom Twitter-Kanal OrcDAO vorgestellt. Es handelt sich um eine technische Verbesserung des rudimentären BRC-20-Standards, der Anfang März 2023 auf Basis des Ordinals Protokolls entstand. Dessen Name ist wiederum von Ethereums erfolgreichem ERC-20 abgeleitet, der als Vorbild dient.

BRC-20 entstand als Spassprojekt. Die Entwickler des ORC-20 wollten mit ihrem neuen Token-Standard hingegen eine ernstgemeinte Version erschaffen, welche die technischen Unzulänglichkeiten des BRC-20 ausbessert.

Bessere Anpassungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit wurden angestrebt. Der ORC-20 ist mit dem BRC-20 kompatibel. Die grundlegende Funktionsweise beider Bitcoin-Token ist dieselbe: Der kleinsten Einheit eines Bitcoin, einem Satoshi, werden Daten in Form einer JSON-Datei angehängt. In dieser Datei sind die besonderen Merkmale des Satoshis gespeichert.

Bereits bestehende BRC-20-Token hatten die Möglichkeit, zum ORC-20-Standard zu migrieren. Der native Bitcoin-Stablecoin Stably USD war eines der Projekte, das diesen Plan verfolgte.

ORC-20 vs. BRC-20: Technische Verbesserungen

ORC-20 sollte der erste vernünftige Token-Standard auf Bitcoin werden. Innerhalb des grössten Krypto-Netzwerks der Erde wäre es damit möglich gewesen, nativ Token mit bestimmten Eigenschaften zu erschaffen, etwa Stablecoins. Der Standard griff vor allem eine Schwäche des älteren BRC-20 auf: die Unsicherheit gegenüber Double-Spending-Attacken. Durch die Verwendung von UTXOs sollte diese Lücke geschlossen werden.

Darüber hinaus versprach der Standard mehr Transparenz, sodass Nutzer selbst nachvollziehen können, wie hoch die exakte Umlaufversorgung eines spezifischen Tokens ist, um Betrug zu verhindern. Weitere technische Engpässe sollten beseitigt werden. BRC-20 verwendet ein Namenssystem, das lediglich vier Ziffern erlaubt. ORC-20 erlaubt eine vollkommen freie Namenswahl. Transfers von ORC-20-Token können zudem partiell abgebrochen werden. Ausserdem sind nachträgliche Upgrades möglich, während BRC-20 nur statische Token zulässt.

Nutzer können Geldsendungen an verschiedene Empfänger in einer Transaktion zusammenfassen. Das Ökosystem des BRC-20 basiere darüber hinaus stark auf zentralisierten Indizes und sei somit nicht gegen Manipulation sicher.

Trotz aller Neuerungen war eine Verwendung der Token innerhalb von Smart Contracts wie beim Konkurrenten Ethereum nicht möglich. Dort begründet diese Eigenschaft einen wesentlichen Teil des Erfolgs.

Warum sich ORC-20 nicht durchgesetzt hat

Trotz der technischen Vorteile blieb ORC-20 ein Nischenprojekt. Gründe dafür gab es mehrere. Der Standard fand nie eine breite Entwickler-Community, die kritische Masse an Projekten blieb aus, und die grossen Marktplätze und Wallets integrierten ORC-20 nur zögerlich oder gar nicht.

Entscheidend war jedoch ein anderer Faktor: Im April 2024 veröffentlichte Casey Rodarmor, der Erfinder des Ordinals-Protokolls, den Nachfolger-Standard Runes. Dieses Protokoll wurde von Grund auf neu geschrieben, beruht nicht auf Ordinals und nutzt das UTXO-Modell konsequent. Damit löst Runes genau die Probleme, die ORC-20 adressieren wollte, allerdings mit der Glaubwürdigkeit und Reichweite des Ordinals-Erfinders im Rücken.

Das Ergebnis: Runes hat sich als dominanter Standard für fungible Token auf Bitcoin etabliert, während ORC-20 praktisch bedeutungslos geworden ist. Die meisten neuen Projekte wählen heute Runes, einige etablierte Token bleiben bei BRC-20. Für ORC-20 blieb wenig Raum.

Fazit: ORC-20 heute

ORC-20 bleibt als interessante Fussnote in der Geschichte der Bitcoin-Token-Standards. Die technischen Ideen waren nachvollziehbar, die Motivation begründet. Gescheitert ist der Standard nicht an seiner Technik, sondern an Timing und Durchsetzungskraft. Wer sich heute für Token auf Bitcoin interessiert, findet mit Runes die praktischere und verbreitetere Alternative.

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