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Bitcoin Fear and Greed Index – was steckt dahinter, was leistet er?

von Matthias Nemack

Der Index für Bitcoin, Ethereum und Co. dient der Einschätzung des Marktes entlang fixer Kriterien und Faktoren.

Abbildung einer Fear and Greed Skala

Mit der Frage, welchen Einfluss die Psychologie beim Handel mit Kryptowährungen und anderen Vermögenswerten haben kann, haben wir uns bereits ausgiebig befasst. Trader sind gut beraten, dem Bauchgefühl nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Dennoch lassen sich Emotionen im Alltag nicht vollends ausklammern. Am Markt sind im Zusammenhang mit gefühlsbedingten Entscheidungen viele Indikatoren und Instrumente entstanden. Sie können zum wichtigen Hilfsmittel beim Handel werden. Ein „Tool“ ist der sogenannte Fear and Greed Index. Wir möchten uns nachfolgend mit dem Index, seiner Funktion und der Aussagekraft befassen.

Latest Crypto Fear & Greed Index

Was ist der Fear and Greed Index und was sind die Hintergründe?

Der Index-Name ist Programm. Er stellt der Investoren- und Anlegerangst – als Fear bezeichnet – die Gier (Greed) gegenüber und stellt einen Bezug zwischen beiden Kriterien her. Die Psychologie der Marktteilnehmer ermöglicht in vielen Phasen einen Rückschluss auf Kursbewegungen. Ein beliebtes Exempel für Händlerentscheidungen ist dabei der „Fear of missing out“-Effekt, kurz FOMO. Es geht um die Sorge, Gelegenheiten zu versäumen, was wiederum zu einer Art Kursschlussreaktion bei Anlegern führen kann. Besonders deutlich wird dieser Effekt, wenn der Markt extrem starke Kursschwankungen aufweist. Am Aktienmarkt hat sich der von CNNMOney entwickelte Fear and Greed Index längst etabliert. Eine Weiterentwicklung für den Kryptoraum war ein logischer Schritt. Der Index lässt sich als Massstab zur Ermittlung der Marktstimmung dem der Sentimentanalyse zuordnen.

Als Grundlage dienen mehrere Aspekte, die ihrerseits beim Indikator unterschiedlich schwer ins Gewicht fallen. Der Erfolg dieses Analyseansatzes steht und fällt mit der zugrundeliegenden Datenqualität. Das Resultat der Berechnung ist ein Wert im Bereich von 0 und 100. Ein Wert von 50 hat einen neutralen Status; ein Wert unter 50 steht für eher ängstliche, ein Wert zwischen 50 und 100 für eher „gierige“ Stimmungen. Wie jedes Analyseinstrument ist der Fear and Greed Index anfällig für Fehler, was die Aussagekraft beeinflussen kann. Die Konsequenz: Wer sich auf den Index beruft, kann unter Annahme falscher Analysedaten verlustreiche Fehlentscheidungen treffen. Wo immer es aber Schatten ist, gibt es sprichwörtlich auch Licht. Kurzum: Der Fear and Greed Index kann Schlüsse auf eine unsichere Marktstimmung und Gelegenheiten erlauben.

Knapp heruntergebrochen formuliert mancher Analyst:

→ Herrscht am Markt Angst vor, kann dies für einen Kauf sprechen, während ein hoher „Gierwert“ eher Signalwirkung für Verkäufe haben kann. Handeln andere Marktteilnehmer aus Angst heraus, können sich gierige Entscheidungen lohnen, während ängstliches Verhalten je nach Situation angeraten sein kann, sollte der Grossteil der Teilnehmer besonders gierig vorgehen.

Der milliardenschwere Investor Warren Buffet gilt als bekannter Vertreter dieser Praxis. Ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt für die besagte Sentimentanalyse sind führende grosse Handelsplätze und Börsen. Aus dem einfachen Grund, dass schwerwiegende Trends und Kursbewegungen im ersten Schritt meist hier erkennbar sind. Andere Börsenanbieter und Marktteilnehmer machen diese Entwicklungen beispielsweise bei internen Analysen (auch für die Orderbücher ihrer Kundschaft) zur Basis.

Die Funktionsweise des Fear and Greed Index am Beispiel des Bitcoins (BTC)

Der Index muss als Handelsfundament nicht zwingend aus Fremdquellen stammen. Händler können selbst aktiv werden. Die angemessene Anwendung belastbarer Daten ist dann umso wichtiger. Zudem braucht es gesundes Basiswissen, um Entwicklungen am Markt und Anlegerentscheidungen richtig bewerten zu können. Weiterhin müssen Anwender die verschiedenen Index-Kriterien richtig gewichten. Schauen wir uns die Index-Bewertung der an der Bitcoin-bezogenen Weiterentwicklung des Fear and Greed Index beteiligten Plattform Alternative.me an. Hier dienen sechs Merkmale mit unterschiedlicher Ausprägung eine Rolle. Alphatisch sind dies:

Die Dominanz als Index-Faktor

Alternative.me ordnet diesem Wert einen Anteil von zehn Prozent zu. Die Dominanz einer Kryptowährung gibt an, welchen Anteil diese an der Kapitalisierung am Gesamtmarkt hat. Die Bitcoin-Dominanz ist besonders hoch, sie schwankt aber teils deutlich. Ein sehr hoher Dominanzwert spricht für Porfolio-Umschichtungen vieler Krypto-Anleger weg von Altcoins und hin zum BTC. Wie Gold am klassischen Markt gilt die erste Kryptowährung der Welt als sicheres Investment in kritischen Marktphasen. Allerdings: Ausschliesslich für Unsicherheit muss der Faktor nicht stehen. Hohe Bitcoin-Investitionen können ebenso Hinweise auf sichere Marktlagen geben. Insofern ist die Aussagekraft mitunter schwierig zu bewerten.

"Fear and Greed Index" Historischer Verlauf: Quelle alternative.me

„Fear and Greed Index“ Historischer Verlauf: Quelle alternative.me

Die Faktoren Marktvolumen und Momentum

Der Anteil beider Faktoren liegt im besagten Beispiel bei 25 Prozent. Ein hohes Marktvolumen ist ein Signal für eine rege Marktteilnahme vieler Händler. Das Volumen gilt als einer der zentralen Hinweisgeber. Die Berechnungsgrundlage des Faktors: Das aktuelle Marktvolumen wird ins Verhältnis zum Durchschnittsvolumen der zurückliegenden 30 Tage (oder 90 Tage) gesetzt. Der „Greed-Faktor“ fällt bei einem hohen Volumen von Kauftransaktionen im Umfeld eines positiven Marktes besonders hoch aus. Ein weiterer Rechenansatz zur Ermittlung des Marktvolumens ist die in vielen Märkten verwendete Put-Call-Ratio. Die Zahl aller Put- bzw. Short-Positionen (Verkäufe) wird durch die Anzahl der Call- bzw. Long-Positionen (Käufe) zu einem Zeitpunkt x dividiert. Die Dominanz liegt bei Werten ab eins aufwärts aufseiten der Put-Optionen. Dies deutet darauf hin, dass die Masse der Marktteilnehmer von sinkenden Kursen ausgeht und die Stimmung eher negativ einstuft.

Der Faktor Social Media

Soziale Medien haben gerade im digitalen Handel einen hohen Stellenwert. Hier diskutieren User weltweit über Kryptowährungen über aktuelle Kurse, Neuigkeiten und Gerüchte. Krypto-Schwergwichte wie Elon Musk schicken Kurse mit Twitter-Posts in schöner Regelmässigkeit auf Berg- und Talfahrten. Der Dogecoin, aber auch der Bitcoin sind zwei Beispiele für solche Entwicklungen. Anhand der Verwendung des Hashtag-Gebrauchs können inzwischen recht treffsichere Stimmungsanalysen erarbeitet werden. In unserem Beispiel geht es um die Geschwindigkeit, Menge und Frequenz Bitcoin-bezogener Hashtags, die via Social Media veröffentlicht und kommentiert werden.

Der Greed-Faktor fällt hoch aus, wenn in den hoch frequentierten Portalen viele Anfragen kursieren und ein grosses thematisches Interesse erkennbar ist. Auch gezielte Kursmanipulationen durch Ansätze „Pump and Dump“ waren in der Vergangenheit wiederholt zu erkennen. Soziale Medien werden im Fear and Greed Index von Alternative.me mit einem Anteil von 15 Prozent berücksichtigt.

Der Trend-Faktor

Der Blick in aktuelle Google Trends-Entwicklungen fliesst beim betrachteten Fear and Greed Index mit einem Anteil von zehn Prozent in die Analyse ein. Dabei werden Ergebnisse der führenden Suchmaschine hinsichtlich bestimmter Suchbegriffe im Krypto-Kontext analysiert. An dieser Stelle bezüglich des Bitcoins. Ein steigendes Bitcoin-Interesse schlägt sich automatisch in einem Anstieg der Anfragen in der Suchmaschine nieder. In den vergangenen Jahren gab es etliche Fälle, in denen die Google-Anfragen rasant parallel zum massiven BTC-Anstieg explosionsartig zulegten.

Der Faktor Umfragen

Diesem Aspekt misst der Index einen Anteil von 15 Prozent bei. Es versteht sich von selbst, dass viele Teilnehmer bessere Analysen erlauben als Umfragen mit überschaubar grossen Teilnehmergruppen. Je mehr Händler oder Interessenten sich einbringen, desto besser und präziser lässt sich die Stimmung ermitteln und eine Prognose formulieren. Jedoch stellt sich die Frage nach der Ehrlichkeit von Äusserungen. Zudem sind Umfragen anfällig für Manipulationen. Urheber können Analysen bewusst beeinflussen – etwa über die Fragestellung oder die Auswahl der Teilnehmer. Auch der Einsatz spezieller Programme kann einer „unechten“ Einflussnahme an dieser Stelle des Fear and Greed Index Vorschub leisten. „Gekaufte“ Statements sind ein weiteres Risiko.

Der Faktor Volatilität

Wie Marktvolumen und Momentum liegt der Anteil des Volatilitätsfaktors beim Fear and Greed Index bei 25 Prozent. Je stabiler der Bitcoin-Kurs, desto sicherer fühlen sich Marktteilnehmer. Fällt die Schwankungsbreite (Volatilität) des Kurses hingegen sehr hoch aus und ändert die Währung oft und deutlich ihren Kurs, geht man von einem vergleichsweise ängstlichen Bitcoin-Markt aus. Im Falle des Fear and Greed Index wird die momentane Volatilität mit den durchschnittlichen der vergangenen 30 oder 90 Tage verglichen. Zeichnet sich eine eher untypische – etwa besonders gravierende – Schwankungsbreite ab, ist der Einfluss auf den Kurs der/einer Kryptowährung gross. Die Folge können regelrechte Kettenreaktionen aufgrund akuter Händler-Entscheidungen sein.

Technische statt Sentimentanalyse als Index-Grundlage

Wie bereits erwähnt, gibt es am Markt mittlerweile verschiedene Anbieter, die einen eigenen Fear and Greed Index offerieren. Dadurch sind auch Modelle entstanden, die nicht ausschliesslich Bezug zur Sentimentanalyse nehmen. Die bekannte Plattform Tradingview ist ein Dienstleister, der den Index auf Basis von Daten der technischen Analyse ermittelt. Ausgangspunkt sind dementsprechend Indikatoren der Technischen Analyse. Auch hier gibt es verschiedene Faktoren, die für die Auswertung oftmals Signale für Käufe und Verkäufe verwendet werden.

Diese sind je nach Anbieter unter anderem:

  • gleitende Durchschnitte
  • Pivot (-Punkte)
  • Oszillatoren

Vorteilhaft kann hierbei sein, dass viele Fear and Greed Index-Varianten zum einen kostenlos verfügbar sind. Zudem haben Anwender die Möglichkeit, diese anhand individueller Zeitintervalle zu nutzen. Zudem haben Nutzer die Chance, einzelne Indikatoren als zentralen Analyse-Blickwinkel einzustellen, um Hinweise auf einen guten Zeitpunkt für einen Kauf oder Verkauf zu erhalten. Den Ausschlag für Handelsentscheidungen sollte idealerweise aber eine Auswahl mehrerer Indikatoren geben. Je mehr Indikatoren zum Einsatz kommen, desto eher lassen sich Wahrscheinlichkeiten zu Kursverläufen ableiten. Einmal mehr gilt, dass ein weitreichendes Fachwissen am ehesten zu zuverlässigen Analysen führt. Eine eigene auf Erfahrungen beruhende Einschätzung ist generell besser, als sich allein auf die Erwartungshaltung anderer zu verlassen.

WertFarbeSentiment
0-35Dunkelrot bis rotFurcht (fear)
36-70Orange bis gelbNeutral (neutral)
71-100Gelb bis grünGier (greed)

Unser Fazit zum Fear and Greed Index

Wie jedes Analyseinstrument ist der Fear and Greed Index besonders zielführend, wenn er als Teil einer übergeordneten Bewertung der Marktlage genutzt wird. Der Kurs des Bitcoins und anderer Währungen wie Ethereum oder Ripple hängt stets von unterschiedlichen Kriterien ab. Händler sollten also bei Analysen als breit aufgestellt sein. Als Teil der Sentimentanalyse bietet sich der Fear and Greed Index also etwa dann an, wenn Nutzer parallel dazu auch viele Daten der Technischen oder Fundamentalanalyse berücksichtigen. Nicht zu vergessen: Auch allgemeine Marktnachrichten und die Diversifizierung des Portfolios entscheiden über Erfolg und Misserfolg beim Handel mit Kryptowährungen.

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