Nur wenige Wochen nach dem Drama um den Krypto-Mixer Tornado.Cash zeichnet sich ab, dass die schlimmsten Erwartungen wahr werden. Die Neutralität der Ethereum-Blockchain wird immer deutlicher bedroht. Inzwischen ist fast die Hälfte aller neuen Blöcke von einer Zensur betroffen.

Ethereum-Neutralität: Blöcke zu rund 45 Prozent zensiert

Im August verkündet das US-Finanzministerium Sanktionen gegen ETH-Mixer Tornado.Cash. Inzwischen spielte sich eine facettenreiche Geschichte nach dieser Entscheidung ab. So will DAI als grösster dezentralisierter Stablecoin seine Reserve deshalb nachhaltig anpassen.

Zusätzlich begannen Diskussionen um Ethereums Widerstandsfähigkeit gegen etwaige Zensur. Schnell zeichnete sich ab, dass mit Ethermine einer der grössten Mining-Pools die Sanktionen unterstützt und das Ethereum-Netzwerk zu zensieren versuchte.

Inzwischen erfolgte der Merge und Ethereum liess das Mining zu Gunsten von Proof of Stake hinter sich. Bereits vorab warnte CoinPro vor den Folgen dieses Ereignisses. Statt einer Besserung, könnte der neue Konsensmechanismus die Zensur-Problematik verschlimmern.

Dass diese Gefahr realistisch ist, zeigen nun neueste Zahlen. Wieder geht es um die Zensur von Tornado.Cash-Transaktionen. Trotz aller Sanktionen läuft der Smart Contract weiterhin. Dafür braucht es lediglich eine unzensierte Ethereum-Blockchain.

Läuft die Entwicklung weiter wie bisher, könnte das Netzwerk den Mixer jedoch tatsächlich lahmlegen. Denn inzwischen sind rund 45 Prozent aller Blöcke zensiert – und somit beinahe jeder zweite Block. Das berichtet der australische Blockchain-Experte Lachan Feeney im Gespräch mit Cointelegraph.

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Flashbots und weitere MEV-Boosts sind eine Gefahr

Schuld daran ist das Prinzip der MEV-Boosts. Um deren Aufgabe zu verstehen, muss man erst einmal vom Maximum Extractable Value (kurz MEV) wissen. Kurzgefasst handelt es sich dabei um den höchstmöglichen Profit, den die Validatoren oder Miner eines Netzwerks  erzielen können.

Um ihre Gewinne zu erhöhen, verändern jene die Reihenfolge von Transaktionen, basierend auf der vom Nutzer gezahlten Transaktionsgebühr. Demnach wird eine möglichst hohe Gebühr mit einer schnellen Verarbeitung belohnt.

Nutzer, die geringere Gebühren zahlen, müssen allerdings warten. Das Prinzip ist besonders von Bitcoin und Ethereum bekannt. Der Dienst Flashbots entwickelte den sogenannten MEV-Boost, um die negativen Folgen zu bekämpfen.

Dafür teilt man die Validierung und die Erstellung von Blöcken in zwei separate Tätigkeiten auf. Nutzern des MEV-Boost verspricht man gleichzeitig aber auch eine Steigerung des Staking-Einkommens in Höhe von ganzen 60 Prozent.

Gelingen soll das durch den Verkauf des Blockvolumens an die separaten Blockproduzenten. Das höhere Einkommen gelingt durch die Ausnutzung des MEV. Die Bereitstellung des Boosts soll diese Option demokratisieren.

Flashbots ist der bekannteste und bedeutendste Anbieter eines MEV-Boosts, doch es existieren auch alternative Optionen. Die meisten von ihnen – auch Flashbots – zensieren unliebsame Transaktionen nach den Vorgaben des US-Finanzministeriums.

Da Flashbots mittlerweile 23 Prozent aller Transaktionen auf Ethereum verwaltet, schätzte man den Einfluss der Zensur zuletzt auf 23 bis 25 Prozent.

Zensur ist höher als erwartet

Feeney ist jedoch überzeugt, dass dieser Wert deutlich höher ist als zuletzt angenommen. Er schätzt den Anteil zensierter Transaktionen auf rund 45 Prozent. Grund dafür ist, dass die meisten Unternehmen, die MEV-Boosts bereitstellen, selbst in den USA ansässig sind.

Daher folgen sie den Vorschriften der Behörden, um nicht selbst zum Ziel von Strafen zu werden. Feeney ruft Validatoren der ETH-Blockchain daher dazu auf, auf einen MEV-Boost zu verzichten.

Wenn die Validatoren mehr Geld verdienen möchten, schalten Sie einfach diese Funktion ein.

Erklärt Feeney. Doch viele Verantwortliche wüssten nicht von der Zensur, die sie dadurch verursachen.

Wir versuchen nur, ins Bewusstsein zu rufen, dass sie durch das Ausführen dieser Software möglicherweise zur Zensur des Netzwerks beitragen.

Im schlimmsten Fall folge eine vollkommene Zensur bestimmter Transaktionen, sodass diese niemals abgewickelt werden – ganz egal, wie lange man darauf wartet.

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