Führt der Ethereum-Merge zu mehr Zensur? Während das Ereignis unaufhaltbar näher rückt, erhärtet sich Kritik aus der Branche. In diesem Punkt hat Ethers neuer Konsensmechanismus systemische Schwächen, doch just in diesem Moment finden Versuche der Zensur bereits unter Proof of Work statt.

Ethereum-Merge zu Proof of Stake: Mögliche Zensur als Gefahr für Freiheit

Eine Blockchain lebt von ihrer Neutralität und Unantastbarkeit. Gibt sie diese auf, verfallen ihre Vorteile gegenüber klassischen digitalen Zahlungswegen wie einem Banktransfer, PayPal oder einer Kreditkarte.

Die kürzlich beschlossene Sanktion vom Ethereum-Protokoll Tornado.Cash zieht weitere Folgen nach sich. CoinPro berichtet bereits zum wiederholten Mal über die Folgeerscheinungen der staatlichen Intervention.

In der Krypto-Szene bricht zuletzt eine Diskussion über die mögliche Zensur von Ethereum durch den Merge aus. Dieser verändert ETHs Konsensmechanismus von Proof of Work zu Proof of Stake.

Mehrere bekannte Persönlichkeiten warnen nun vor negativen Begleiterscheinungen durch den Wechsel zu PoS. Gabriel Shapiro, Analyst bei Delphi Digital, hält eine baldige, starke Zensur von Ether für unausweichlich. Bereits am 19. September planen die Entwickler die Umsetzung des Merge.

Die US-amerikanischen Validatoren (zu denen auch die sehr mächtige Coinbase gehört) werden auf eine Zensur auf Protokollebene drängen.

Schreibt Shapiro auf Twitter. Bislang galt vor allem die Zensur auf Anwendungsebene für wahrscheinlich. Diese ist einfacher umzusetzen, hat für ein Netzwerk aber lang keine so negative Bedeutung wie eine Zensur auf Protokollebene.

Was bedeutet Zensur auf Protokollebene?

Die Zensur auf Protokollebene beschreibt eine Blockade der Kerninhalte eines Protokolls. In diesem Fall bedeutet das etwa die Verhinderung von Zahlungen an bestimmte Nutzer oder von bestimmten Nutzern.

Shapiro beschreibt, warum sich US-Validatoren, die oft industrielle Ausmasse haben, bei der Verhinderung der Zensur schwer tun werden:

Sie können sich nicht selbst helfen, indem sie lediglich die Ausgabe von Blöcken mit von den USA sanktionierten Transaktionen vermeiden, denn unter bestimmten Bedingungen könnten sie dadurch drastisch bestraft werden.

Stattdessen würden grosse Spieler der Kryptobranche versuchen, sämtliche Validatoren zur Umsetzung der Sanktionen zu verpflichten, so Shapiros Gedanke. Dadurch könnten sie vermeiden, selbst zum Ziel staatlicher Strafen zu werden.

Vitalik Buterin hält derlei Zensur für unwahrscheinlich, da sich entweder nahezu 100 Prozent der Validatoren anschliessen müssten, oder Zensur eine Kernfunktion der Blockchain werden müsste und eine solche Implementierung gebe es bislang nicht.

Proof of Work bietet mehr Schutz gegen Zensur?

DiscusFish, Mitgründer des Mining-Pools F2Pool, macht auf die Vorteile von Proof of Work aufmerksam. Dort sei Zensur deutlich schlechter möglich. Diese basiere vor allem darauf, Blockproduzenten identifizieren zu können.

Während das bei PoW nur schwer möglich ist, ist die Option bei PoS deutlich realistischer, da es dort nötig ist, die jeweilige Kryptowährung anzulegen. Durch die transparente Blockchain kann man deren Herkunft nachvollziehen und so die Identität des Halters offenbaren.

Auch Analyst Chris Blec schlägt sich auf die Seite von PoW. Er hält Argumente für unrealistisch, die nahelegen, dass prinzipientreue Validatoren die Verbreitung zensierter Blöcke vermeiden würden.

Grösster Ethereum-Mining-Pool startet Zensur

Dass derartiges Verhalten bei Proof of Work ebenfalls möglich ist, zeigt die Zensur von Geldern aus dem Smart Contract von Tornado.Cash. durch den grössten Ethereum-Mining Pool. Ethermine hat mit 261 Terahashes eine doppelt so hohe Hashrate wie F2Pool auf Rang zwei.

Seit mehreren Tagen folgt Ethermine den Sanktionen der US-Justizbehörde, obwohl das Unternehmen seinen Hauptsitz laut eigener Aussage in Wien unterhält. Auf das Netzwerk hat das jedoch keinen entscheidenden Einfluss, da der Dienstleister mit diesem Verhalten bislang allein dasteht.

Was ist die Lösung für Blockchain-Zensur?

Grundlage der Zensur ist die Transparenz der Blockchain. So lässt sich genau nachvollziehen, welche Gelder woher kommen. Dadurch können Programme bekannter Blockchain-Analyse-Firmen wie Chainalysis automatisiert bestimmte Transaktionen diskriminieren.

Zensur lässt sich also durch eine gesteigerte Privatsphäre verhindern. Ein einfacher Vergleich lässt sich mit Bargeld herstellen. Auf einem Geldschein ist ebenso keine Transaktionshistorie zu erkennen. Dadurch bleibt sicher, dass jeder Schein gleichwertig und fungibel ist.

Ethereum-Initiator Vitalik Buterin erkannte diese Möglichkeit und veröffentlichte bereits kurz nach der Bekanntgabe der jüngsten Sanktionen den Vorschlag, Stealth Adressen zu implementieren, die es ermöglichen NFTs vertraulich zu halten.

Bislang ist das nicht möglich. Die jeweiligen Halter sind öffentlich zu erkennen. Den Terminus Stealth Adressen verwendet bereits Monero als bekanntester Privacy Coin. Unterstützer des Projekts warnen seit geraumer Zeit vor der aktuellen Entwicklung.

Aufgrund der starken Verschlüsselung der Monero-Blockchain sieht sie sich den Gefahren der Zensur nicht ausgesetzt.

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