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Offiziell: In El Salvador ist der Bitcoin nun offizielles Zahlungsmittel

von Burak Aras

Über ein Jahrzehnt haben Krypto-Enthusiasten darauf warten müssen. Nun ist der Bitcoin offizielles Zahlungsmittel in einem Staat. El Salvador setzt einen neuen Massstab in Bezug auf die Krypto-Adoption.

Offiziell In El Salvador ist der Bitcoin nun offizielles Zahlungsmittel

Vom Präsidenten forciert, von der Legislative und Judikative gestützt. Am 7. September ist nun das Gesetz, welches Bitcoin zu einem offiziell anerkannten Zahlungsmittel macht, in El Salvador in Kraft getreten. Damit wird der mittelamerikanische Staat mit etwa sechs Millionen Einwohnern das erste Land der Welt, in dem die Einwohner offiziell mit Bitcoin zahlen können. So ist in diesem Gesetz geregelt, dass jeder Händler, jedes Unternehmen die digitale Leitwährung als Zahlungsmittel annehmen muss – und dafür natürlich auch die nötigen technischen Voraussetzungen schaffen muss. Neben dem Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen sind neu auch Steuern in Bitcoin zahlbar (dies gibt es in der Schweiz beispielsweise im Kanton Zug).

Nun ist das Gesetz offiziell in Kraft getreten und Staatspräsident Nayib Bukele rief auch den #BitcoinDay aus. Er wurde und wird auch nicht müde, diesen Schritt ausführlich zu zelebrieren. Der Schritt El Salvadors animierte auch viele weitere Länder – vor allem in Lateinamerika – über eine Einführung des Bitcoins als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen. Auch Panama denkt über eine BTC-Einführung nach.

El Salvador kauft 400 Bitcoin

Bereits im Vorfeld kommunizierte der Staatspräsident Nayib Bukele auf seinem bevorzugten Kommunikationsmittel Twitter, dass der Staat nun auch schon 400 Bitcoins erworben hat.

 

El Salvador: Tageszeitung "Diario" mit Bitcoin Day

El Salvador: Tageszeitung „Diario“ mit Bitcoin Day

…und schreibt Geschichte

Ohne Frage: El Salvador schreibt mit diesem Gesetz Geschichte. Es bringt viel Aufmerksamkeit für das kleine und eher arme Land. Gerade die globale Bitcoin-Community feiert diesen Schritt ausführlich. So ausführlich, dass man dazu aufgerufen hat, zur Feier des Tages für 30 US-Dollar Bitcoin zu kaufen.

Der Betrag von 30 US-Dollar referenziert auf das Bitcoin-Geschenk im Wert von 30 US-Dollar für alle Einwohner El Salvadors, die die Chivo-App installieren.

Einwohner zwischen Skepsis und Zurückhaltung

Obwohl es ein gross angelegtes Förderprogramm gibt, welches Ängste und Unsicherheit im Umgang mit Bitcoin nehmen soll, ist die Bevölkerung noch skeptisch und auch teilweise ablehnend. Dies zeigte eine Umfrage unter den Einwohnern.

Umfrage: El Salvadorianer und Bitcoin

Dabei arbeitet die Regierung mit verschiedenen Anreizen: So wird auf den Tausch von Bitcoin keine Kapitalertragsteuer erhoben werden. Wobei die Steuererleichterung bei der mehrheitlich armen Bevölkerung wohl weniger ziehen dürfte als ein Startguthaben von 30 US-Dollar. Dieses bekommt jede und jeder beim Download des „offizielles“ Wallet Chivo gutgeschrieben. Zudem sollen auch über 200 Geldautomaten, sog. ATMs von Chivo im ganzen Land installiert werden.

Zu Beginn war die Chivo-App übrigens überlastet. Das lag vor allem daran, dass viele neue Nutzer den Kryptomarkt für sich entdeckten. El Salvador macht den Bitcoin mit diesem Schritt publik für sechs Millionen Menschen. Da davon ausgegangen werden kann, dass aktuell nur ein Bruchteil der Bevölkerung Bitcoins besitzt, öffnet man sechs Millionen Menschen ganz neue finanzielle Möglichkeiten.

Auch wenn es Kritik durch die Bevölkerung gibt, wissen einige Einwohner diesen Schritt – vor allem auch dank des Geschenks in Höhe von 30 US-Dollar durchaus zu schätzen.

Historischer Moment für Bitcoin

Etwas mehr als zwölf Jahre hat es gedauert, bis der Bitcoin tatsächlich zu dem wurde, wofür es vorgesehen war. Dass Kryptowährungen in der breiten Masse angekommen sind, sollte den meisten Menschen spätestens seit der Akzeptanz durch Tesla klar geworden sein.

Doch auch wenn es sich bei El Salvador um ein vergleichsweise kleines Land handelt, ist der Schritt mit der Einführung des Bitcoins als gesetzliches Zahlungsmittel historisch betrachtet wahrscheinlich der grösste Moment in der Kryptoszene.

Seit Jahren kämpft die Kryptosezene gegen Regulierungen durch die Behörden in zahlreichen Ländern. Auf der anderen Seite kommt es immer wieder zu Betrugsfällen im Krypto-Sektor. Umso mehr wird vor dem Bitcoin gewarnt. Kryptowährungen seien ein reines Spekulationsobjekt ohne Nutzen und mit enormen Risiken. Nun ist es eine Währung. Wie der US-Dollar, wie der Euro oder wie der Franken.

In über einem Jahrzehnt haben tausende Ereignisse rund um den Bitcoin stattgefunden. Es sind tausende von weiteren Währungen entstanden. Der Bitcoin war die ersten Jahre etwas, das nur „Nerds“ und Kriminelle hatten. Tatsächlich hatten die grossen Medien Kryptowährungen noch gar nicht wirklich im Visier.

Bitcoin in El Salvador birgt enormes Risiko

So historisch der Moment auch ist, umso grösser ist das Risiko, das man nun eingegangen ist. Die Wirtschaft von El Salvador ist ohnehin auf äussere Faktoren angewiesen. Man ist vom US-Dollar und Transaktionen aus dem Ausland angewiesen. 70 Prozent der Einwohner haben kein eigenes Bankkonto. Viele Arbeitnehmer sind unregistriert angestellt. Dadurch gehen dem Staat Steuereinnahmen flöten.

Löst der Bitcoin die Probleme El Salvadors?

Der Bitcoin soll dies ändern. Ob der Bitcoin die Schwarzarbeit im Land bekämpfen kann? Auch wenn das einer der Ziele ist, ist dies durchaus unwahrscheinlich. Jemand, der unangemeldet arbeitet, kann dies mit Bankkonto oder ohne Bankkonto tun. Ebenso geht dies daher mit und ohne Bitcoin.

Kryptowährungen gibt es im Gegensatz zu Fiat-Geld nicht in Bar. Nur mit der Abschaffung des US-Dollars und der Einführung des Bitcoins als einziges gesetzliches Zahlungsmittel könnte die Schwarzarbeit in dem Fall bekämpft werden – allerdings auch nur wenn jedes Wallet registriert wird und Zahlungen nicht in Fremdwährungen realisiert werden. Auch wenn der US-Dollar abgeschafft werden sollte, würde es kein Hindernis darstellen, um Arbeitnehmer in US-Dollar zu bezahlen.

Lesenswert: Ein Vorort-Erfahrungsbericht – Unterwegs in El Salvador

Was passiert, wenn der Bitcoin in El Salvador scheitert?

Auslandstransaktionen sind mit hohen Gebühren verbunden. Der Bitcoin könnte hier tatsächlich Abhilfe schaffen. Aber bei genauerer Betrachtung muss sich auch der grösste Bitcoin-Fan eingestehen, dass es auf dem Markt zahlreiche Kryptowährungen gibt, die als echtes Zahlungsmittel in Frage kommen. Gebührentechnisch sowie in Bezug auf die Transaktionsgeschwindigkeit ist der Bitcoin extrem überholt worden. Als digitales Gold ist der Bitcoin wiederum bestens geeignet.

Das ist andererseits auch wieder ein Grund, wieso BTC als Währung doch funktionieren könnte. Der Bitcoin ist volatil, jedoch nicht so volatil wie andere Kryptowährungen. Verliert der Bitcoin zehn Prozent an Wert, geht es für die Altcoins doppelt so weit nach unten.

Der Bitcoin ist im Wert beständiger als andere Kryptowährungen, die Menschen müssen sich nicht über einen solch grossen Abfall Sorgen machen wie bei den Altcoins. Dennoch sind die Schwachstellen des Bitcoins bei Transaktionen klar.

Der Markt ist sehr von Emotionen geprägt. Was passiert, wenn das Projekt Bitcoin in El Salvador scheitert? Was ist, wenn El Salvador einfach nicht die Geduld aufbringt und das Projekt nach kurzer Zeit verwirft? Dies könnte viele daran zweifeln lassen, ob der Bitcoin sich als gesetzliches Zahlungsmittel jemals durchsetzen kann.

Ist der Einfluss des Bitcoins im Land bereits jetzt da?

Tatsächlich wird es noch eine Weile Zeit beanspruchen, bis der Bitcoin auch endgültig in El Salvador ankommt. Trotz der Einführung als gesetzliches Zahlungsmittel wissen laut einer Umfrage weiterhin über 90 Prozent der Menschen nichts vom Bitcoin.

Das heisst, dass die Aufklärungsarbeit in diesem Fall sehr wichtig sein wird. Das hat Bukele zumindest bereits im Vorfeld erkannt und diesbezüglich Schritte vorgenommen.

Mit zahlreichen Begünstigungen möchte man in Zukunft zudem Bitcoin-Investoren dauerhaft in das Land locken. Dies könnte wirtschaftlich auf Dauer durchaus Sinn machen. Zusammen mit dem Aufbau von Bitcoin Mining Zentren könnte sich El Salvador wirklich unabhängiger von der USA machen.

Zu Beginn dürfte der Bitcoin in El Salvador jedoch nichts bis kaum etwas verändern. Dafür ist weder die Infrastruktur weit genug aufgebaut noch sind die Menschen im Land über Kryptowährungen aufgeklärt.

Fazit: Die Zeit wird Gewissheit bringen

Ja, die Einführung des Bitcoins als gesetzliches Zahlungsmittel dürfte die mit Abstand grösste Errungenschaft von digitalen Währungen sein. In den vergangenen zwölf Jahren sind unzählige neue Projekte im Krypto-Sektor gestartet. Der reale Nutzen blieb bis heute bei vielen Projekten aus.

Nun wird sich zeigen, wie sich eine Kryptowährung in der realen Wirtschaft schlägt. Denn zu Beginn waren der Bitcoin und andere Kryptowährungen eben genau für diesen Anwendungszweck konzipiert worden.

Trotz der Euphorie sollte man nicht vergessen, welche Risiken dieser Schritt birgt. Denn scheitert das Projekt, könnte dies das Vertrauen vieler Investoren in den Krypto-Sektor mindern. Bukeles autoritärer Führungsstil könnte sich irgendwann auch als nachteilig für den Bitcoin herausstellen.

Es wird noch lange dauern, bis eine echte Beurteilung stattfinden kann. Wichtig ist, dass bis dahin El Salvador nicht vom Kurs abrückt. Dies könnte den Kryptomarkt nämlich wieder zurückwerfen.

Dennoch ist die Euphorie aktuell durchaus berechtigt. Am 22. Mai 2010 fand die erste dokumentierte Bitcoin-Transaktion statt – 10.000 Bitcoins für eine Pizza. Dieser Tag ging als „Bitcoin Pizza Day“ in die Geschichte ein und hat den Weg geebnet, der dazu führte, dass heute Länder wie El Salvador den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführen und den „Bitcoin Day“ ausrufen.

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