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Schweizerische Nationalbank plant Tests zum E-Franken

von Michael Cyriax

Aufgrund des Wandel im Technologie-Sektor mit Währungen wie Bitcoin will die SNB die Erkenntnisse bei Tests mit E-Token sammeln.

Schweizerische Nationalbank führt Tests zum E-Franken aus

Es ist so weit: Nachdem Deutschland vor kurzem für 2020 die eigene Blockchain Strategie samt digitaler Wertpapiere für das kommende Jahr angemeldet hat, will nun auch die Schweizer Notenbank aktiv werden. Während die Notenbank bis dato „lediglich“ für die Ausgabe von Bargeld verantwortlich zeichnet und E-Franken Finanzinstituten mit ausreichend Sichtguthaben bei der Nationalbank vorbehalten sind, könnten bald auch normale Verbraucher auf die digitale Version der staatlichen Währung zugreifen. Dies jedenfalls lassen die aktuellen Meldungen aus dem Umfeld der Nationalbank durchblicken.

Neues Netzwerk mit vielversprechenden Entwicklungchancen

Zunächst aber wird die Bank in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SDX, der bekannten Blockchain-Börse in der Alpenrepublik, einen Testlauf durchführen. Hintergrund des Tests ist in erster Linie die Einsicht, dass der Wandel im Technologie-Sektor mit Währungen wie Bitcoin oder Ethereum auch in monetärer Hinsicht in vollem Gange und nicht mehr aufzuhalten ist. Für die Schweizerische Nationalbank ist die Erkenntnis Grund genug, mit einem eigens gegründeten „Innovation-Hub“ einen Platz in der Speerspitze der innovationsfreudigen Akteure einzunehmen.

Die zentrale Fragestellung lautet: Kann das Geld der Zentralbank sicher und erfolgreich tokenisiert werden? Die Antwort interessiert ohne Frage auch viele andere europäische Länder, jedoch fehlt vielerorts der nötige Mut. Auch im Falle der Nationalbank könnte Facebooks Projekt Libra ein wichtiger Auslöser für eigene Aktivitäten gewesen sein.

Reaktion auf Libra oder lang geplantes Projekt?

Mit Echtzeitzahlungen und vermeintlichen niedrigen Gebühren im Vergleich zum normalen Bankengeschäft will die Libra Foundation dem klassischen Zahlungsverkehr eine weitere Alternative hinzufügen. Die Möglichkeiten der Blockchain weiss die wichtigste Schweizer Bank mit der Börse SIX nun einen wichtigen Partner an ihrer Seite. Wertschriften können über die Börse bereits seit einiger Zeit digital gehandelt werden. Der Innovations-Hub wurde zusammen mit SIX ins Leben gerufen. Im gemeinsamen Test möchte man herausfinden, ob sich die Ausgabe eines E-Franken als Token der Zentralbank SNB lohnt.

Digitale Franken mit deutlich rascheren Transaktionen

Die Ziele des Tests sind klar abgesteckt. Die langen Vorlaufzeiten des Wertpapierhandels von bis zu 48 Stunden sollen drastisch reduziert werden. Dies könnte unter anderem durch die „Verschlankung“ der Infrastruktur und weniger Zwischenstellen bei Transaktionen gelingen. Auch das Risikopotenzial wird reduziert. Ein bereits laufendes „Pionierprojekt“ unter dem Namen Swiss Digital Exchange (SDX) lotet aus, welche Optionen die Infrastruktur auf DLT beim Realtime-Handel digitaler Vermögenswerte tatsächlich bietet. Erste Partner kamen bereits in den Genuss eigener Engagement im Rahmen des Testmodus, wie es in der Stellungnahme heisst. Für andere Interessenten soll der Handelsplatz dann 2020 seine Türen öffnen. Dabei legen die Kooperationspartner grossen Wert auf den Hinweis, dass auch hier die bekannten hohen Regulierungsstandards gelten werden.

Verschiedene Wege der Verbreitung sind denkbar

Was den E-Franken angeht, hat man ebenfalls bereits eine genaue Vorstellung der Umsetzung. Hier könnte im Rahmen des Settlements im DLT-System eine Verbindung der SDX zur Swiss Interbank Clearing (SIC) entstehen. So wäre der Zugriff auf digitale Franken gesichert. Die SDX könnte andererseits auch selbst die Tokenisierung der Stablecoin-Variante des Franken übernehmen. In puncto Sicherheit sehen Experten den besten Ansatz in einer Tokenisierung der staatlichen Währung durch die Nationalbank samt Emission. Eben diesen Ansatz wollen SNB und SDX nun auf den Prüfstand stellen.

Freigabe des Franken-Token bald auch für private Anwendung?

Wichtig für potenzielle private Nutzer: Bisher erhielten private Interessenten keinen Zugang zum E-Franken. Dies lag an Befürchtungen hinsichtlich zu heftiger Erschütterungen des traditionellen Bankensystems. Die „Nichtbankenwelt“ blieb deshalb aussen vor. Die neue Kooperation der Schweizer Währungshüter könnte nun eine Trendwende nach sich ziehen. Zumindest ist es denkbar, dass elektronisches Geld der Zentralbank in naher Zukunft flächendeckend bereitgestellt werden könnte. Nach und nach zeichnet sich also eine Öffnung ab. Zum Hub-Netzwerk gehören übrigens nicht nur SIX und die SNB. Vertreten ist auch die Bank der Zentralbanken (BIZ). Bei der BIZ soll Know-how zur Digitalisierung aller angeschlossenen Notenbanken kanalisiert werden. Drei Standorte sollen für Hubs vorgesehen sein.

Verschiedene Hubs bearbeiten unterschiedliche Themengebiete

Neben der Schweiz hat man sich scheinbar für die Sonderverwaltungszone Hongkong und den innovativen Stadtstaat Singapur entschieden. Die Franken-Digitalisierung wird nur ein Arbeitsbereich sein. Zugleich soll zur Sicherheit und Kontrolle automatisierten Hochfrequenzhandels geforscht werden. In zuletzt genannten Bereich gibt es seit jeher ein hohes Risikopotenzial. Die asiatischen Hubs wiederum nehmen sich der Themen „Handelsfinanzierung“, digitaler Identitäten und des Zahlungsverkehrs über Ländergrenzen hinweg an. Kaum wurde das Vorhaben publik, begannen aufseiten der Fürsprecher und Gegner der Krypto-Technologie Debatten das Projekt. Kritik äusserte mancher Kenner an den Erklärungen, weshalb der Wertpapierhandel zunehmend digitalisiert werden soll. Besonders die Verbindung einer zentralen Stelle mit der Blockchain führt die Technologie nach Auffassung mancher Krypto-Fans ad absurdum. Denn genau die dezentrale Verteilung sei ja ein wesentlicher Aspekt der Krypto-Welt.

Schweizer Bedeutung als Krypto-Standort wächst weiter

Befürworter sehen die Schweizer Börse SIX als idealen Ort für den Testlauf zum digitalen E-Franken. Vor allem mit Blick auf etwaige Erweiterungen des Testsystems auf andere Bereiche des Bankensektors. Mancher Experte hält den Schritt gar für unvermeidbar, um durch die Tokenisierung staatlichen Geldes durch Zentralbanken mit der übergeordneten globalen Digitalisierung überhaupt Schritt halten zu können. Die Schweiz möchte dabei nun also eine Vorreiterrolle einnehmen. Und die Chancen stehen durch die weiteren Tests gut, dass das Land im Ranking der führenden Ländern Europas mit Krypto-Expertise weiter Boden gut macht – auch neben dem Crypto Valley.

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