Die Finanzaufsichtsbehörden von Schweden und den USA deuteten beide auf bevorstehende Razzien auf die weitgehend unregulierten Kryptowährungsmärkte hin und stellten das Fehlen eines konsistenten Rahmens für die neue Technologie und die Risiken für die Verbraucher fest, die von Krypto-Börsenplattformen ausgehen. Zuvor hatte eine Reihe britischer Banken Kunden daran gehindert, Geld an Krypto-Börsen zu überweisen. Die Tendenzen zu einer strengeren Krypto-Aufsicht nehmen zu.

USA: „Lücken“ in der Krypto-Aufsicht schliessen

Die extreme Volatilität der Kryptowährungsmärkte, das hohe Risiko von Finanzkriminalität und die schnell wachsende Popularität haben die Finanzaufsichtsbehörden auf der ganzen Welt dazu veranlasst, zu überlegen, wie die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen am besten in das digitale Ökosystem umgesetzt werden können, ohne dabei die Innovation zu behindern.

In einem Interview für die Financial Times sagte der neue amtierende Comptroller of the Currency, Michael Hsu, dass die US-Behörden einen „Regulierungsperimeter“ für Kryptowährungen koordinieren und festlegen sowie eine aktivere Rolle bei der Regulierung des Marktes übernehmen wollen. Hsu äusserte Bedenken in Bezug auf die heutige Begeisterung für Finanzinnovationen, denn die neuartigen Tools bringen grosse Versprechen, aber auch Risiken mit sich.

Verbunden: Besteuerung von Krypto-Vermögen aus Staking (un)rechtmässig?

Die Biden-Administration untersucht aktiv „Lücken“ in der Krypto-Aufsicht und laut dem Vorsitzenden der US-Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission, SEC), Gary Gensler, wird möglicherweise eine spezielle Gesetzgebung für den Krypto-Austausch erforderlich sein. Geldwäsche und illegale Aktivitäten seien ein Schwerpunkt der Krypto-Bemühungen des Finanzministeriums, fügte Gensler hinzu.

Schweden bereits dabei, gegen Krypto-Börsen vorzugehen

Inzwischen sagte auch der Gouverneur der schwedischen Zentralbank, Stefan Ingves, in einem Interview gegenüber Bloomberg, dass eine strengere Regulierung für Bitcoin (BTC) und andere digitale Vermögenswerte wahrscheinlich ist, insbesondere wenn der Markt so gross ist, dass „Dinge wie Verbraucherinteressen und Geldwäsche ins Spiel kommen“. Ingves fügte hinzu, dass die spezifische Aufsicht zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Bereichen erfolgen wird und die Zentralbanken ihre Aktivitäten an das neue Umfdeld anpassen müssen.

Die Liste der Zentralbanker oder Finanzpolitiker, die entweder Kryptowährungen kritisieren oder auf eine strengere Regulierung hinweisen, wächst damit weiter. In einer Rede vor dem schwedischen Wirtschaftsverband äusserte Ingves insbesondere Bedenken bezüglich Bitcoin, da BTC-Zahlungen sehr ineffektiv seien und jede Zahlung viel Zeit und Energie erfordert.

Schweden: Zentralbank startet zweite Phase des E-Krone-Pilotprojekts

Laut Schwedens Finanzmarktministerin, Asa Lindhagen, ist das Land bereits dabei, gegen Krypto-Börsen vorzugehen und mit anderen Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, um das Problem der Geldwäsche anzugehen. Lindhagen betonte die grenzüberschreitenden Dimensionen der Finanzkriminalität und erklärte, dass die internationalen Bemühungen bereits „in Arbeit“ seien.

In der Zwischenzeit startet Schweden bereits die zweite Phase des E-Krone-Pilotprojekts und führt damit Tests in realer Umgebung für die digitale Zentralbankwährung E-Krone. Digitale Zentralbankwährungen (CBDC) sind ein Pendant zu dezentralisierten Kryptowährungen, die allerdings von Zentralbanken ausgegeben und zentral verwaltet werden. Damit stehen sie einerseits unter Kritik der Krypto-Community, während die US-Investment Bank Morgan Stanley in CBDC keine Konkurrenz für Kryptowährungen sieht.

Banken in Grossbritannien verweigern Zahlungen an Krypto-Börsen

Eine Reihe von Banken in Grossbritannien – darunter Starling, Monzo und Barclays – haben Berichten zufolge in den letzten Wochen Zahlungen an Krypto-Börsen eingeschränkt. In einem Bericht von The Telegraph bestätigte die britische Starling Bank, dass sie wegen Bedenken über „ein hohes Mass an mutmasslicher Finanzkriminalität“ vorübergehende Massnahme ergriffen und Überweisungen an Krypto-Börsen eingestellt hat. Die Sperre soll angeblich aufgehoben werden, sobald zusätzliche Kontrollen eingeführt werden.

Auch Kunden von Barclays und Monzo haben sich über Schwierigkeiten bei Einzahlungen an Börsen beschwert. Während Barclays nach einer Kontaktaufnahme bestritt, Zahlungen an Krypto-Börsen eingeschränkt zu haben, weigerte sich die Online-Bank Monzo dazu einen Kommentar abzugeben.

Krypto-Aufsicht: Auch die EZB schlägt strengere globale Vorschriften vor

Derzeit ist der Kryptomarkt auf der ganzen Welt praktisch unreguliert und nur wenige Unternehmen bieten Zugang zu regulierten Investitionen, die ein Engagement in Kryptowährungen ermöglichen. Wenn Anleger Bitcoin oder andere Kryptowährungen online kaufen, tun sie dies im Grossen und Ganzen auf eigenes Risiko und haben keinen Schutz vor Betrügern, so die Kommentare der Zentralbanken.

Auch die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat strengere globale Vorschriften vorgeschlagen. Im jüngsten EZB-Bericht über die Finanzstabilität der EU wird Krypto-Assets ein begrenztes Risiko für das EU-Finanzsystem zugeschrieben. Seit letztem Jahr ist allerdings ein neuer EU-Rechtsrahmen für Kryptowährungen in der Entwicklung, während der digitale Euro spätestens in 5 Jahren kommen soll. Bis dahin ist allerdings noch ein langer Weg und es bleibt abzuwarten, ob und wie sich CBDCs auf Kryptowährungen auswirken werden.

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