Wie geht es am Kryptomarkt in der Zeit nach Corona weiter?

Viele Krypto-Anhänger hätten vor dem Ausbruch des Corona-Virus vermutlich darauf gewettet, dass Bitcoin und Altcoins zu den grossen Profiteuren der mittlerweile weltweiten Krise werden würden. Die Entwicklungen der Kurse aber sprachen schon früh eine andere Sprache. Zumindest vorerst bestätigt sich die Einschätzung nicht, dass der Bitcoin für Anleger ähnlich zum Edelmetall Gold die Rolle eines sicheren Hafens einnehmen wird. Schon nach den ersten Meldungen aus China mit rasant steigenden Infektionszahlen gab es auch bei den Krypto-Kursen teils deutliche Rückschläge. Dabei drängt sich die Frage auf, wie es am Markt in der Zeit nach Corona weitergehen wird.

Inzwischen kamen etliche teils sehr widersprüchliche Prognosen (oft selbsternannter Experten) auf, die sowohl von dramatischen Verlusten als auch einer Rückkehr zur alten Stärke und darüber hinaus sprechen. Was nun aber ist richtig? Wir wagen eine unverbindliche Analyse.

Eindeutige Prognosen kann derzeit niemand abgeben

Da die digitalen Währungen erst im Umfeld der Spätausläufer der letzten Finanzkrise nach den zahlreichen Zusammenbrüchen diverser „systemrelevanter“ Banken entstanden sind, ist jede Vorhersage zu den möglichen Entwicklungen an den Kryptomärkten immer ein gewisses Wagnis. Die ersten Reaktionen auf die Virus-bedingte Wirtschaftskrise lässt durchaus erste kleine Einschätzungen zu. Natürlich wird jeder weitere Rückschlag wie Ausgangssperren in immer mehr Ländern weltweit seinerseits Einfluss auf den Kryptosektor haben. Es handelt sich um eine für alle Beteiligten neue Situation, die häufig am ehesten mit der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs oder der Spanischen Grippe Ende der 1920-er Jahren verglichen wird. Etliche Parallelen gibt es durchaus.

Allerdings sind die Märkte heute flexibel – nicht zuletzt dank der Digitalisierung. Und auch Politik und medizinische Forschung können bedingt besser reagieren als bei den genannten früheren Krisen.

Krypto- und Finanzmarkt stehen durchaus in Verbindung mit einander

Für Investoren zeigten die ersten Wochen der Krise zweierlei: Zum einen wurde deutlich, dass es durchaus Korrelationen zwischen dem traditionellen Finanzmarkt und der Kryptosparte gibt. Viele Vertreter beider Bereiche haben in der Vergangenen nur allzu gerne darauf verwiesen, es gebe im Grunde kaum Ähnlichkeiten. Insbesondere Börsianer und Anhänger klassischer – derzeit weitgehend unrentabler – Geldanlagen der Bankenbranche verweisen regelmässig auf das hohe Risiko digitaler Währungen aufgrund der hohen Schwankungsanfälligkeit. Dabei haben Aktien und Indizes zuletzt in der Krise gezeigt: Auch dort sind dramatische Bewegungen keineswegs ausgeschlossen. Zwar konnten sich gerade die grossen Indizes wie der US-amerikanisch Dow Jones und der Deutsche Aktienindex (DAX) zügig wieder erholen; und auch etliche Wertpapiere profitierten von den angekündigten Rettungsschirmen der Politik.

Nach dem Einbruch folge zügig die Korrektur nach oben

Nachdem Bitcoin und Co. nach dem letzten Hoch in der ersten Märzwoche bei über 9.100 US-Dollar ein Minus von mehreren tausend USD aufwiesen und nach dem Tiefstand um den 16. März herum bei knapp über 4.600 USD ankamen, präsentierte sich aber auch hier ein Anstieg. Der BTC-Kurs orientierte sich wieder in Richtung der 7.000-USD-Schwelle. So zeigt sich eine weitere Ähnlichkeit zwischen Finanzmarkt und Kryptowelt. Dass derzeit beispielsweise derzeit Instanzen wie der deutsche Bitkom-Branchenverband nach einheitlichen und verbindlichen Krypto- und Blockchain-Regeln rufen, hat einen Grund. Die Blockchain könnte bei zukünftigen Krisen einen wichtigen Beitrag leisten, um etwa Lieferketten transparent und effizient zu gestalten. In der Schweiz gibt es schon länger derlei Massnahmen, das das Land gilt zu Recht als Vorreiter – nicht nur in Europa.

Erste grosse Krise, die der Kryptomarkt miterlebt

Sollte die Politik schon bald auf transnationale Regulierungen für den Markt sorgen, worauf zunehmend einiges hindeutet, liegt hier in der Post-Corona-Zeit ein durchaus grosses Potenzial. Der zeitweise Absturz des Bitcoin-Kurses in einer Grössenordnung von bis zu 40 % darf nicht fehlinterpretiert werden. Stattdessen gibt es Experten, die in der momentanen Phase eine Chance für den Kryptomarkt – eine Chance, sich erstmals in Krisenzeiten zu bewähren. Denn der Bitcoin und all seine Mitbewerber entstanden bekanntlich erst nach der weltweiten Finanzkrise ab etwa 2007. Jedwede Prognose ist damit also immer auch eine Art Kaffeesatzleserei. Indikatoren wie die aktuelle Erholung mit vielen Gewinnen gibt es durchaus dafür, dass die Branche diese Bewährungsprobe bestehen kann und wird. Verglichen mit den Menschen weltweit jedenfalls sind Kryptowährungen abseits der zwischenzeitlichen akuten Bewegungen weitgehend unbeeindruckt.

Übergeordnet sieht die Lage weniger dramatisch aus

Nichtsdestotrotz reagierten eben auch BTC und Altcoins wie Litecoin oder Ripple auf politische Entscheidungen, womit sicher in dieser Form nicht jeder Analyst gerechnet hatte. Insbesondere aber fällt auch, dass die Virus-Ausbreitung im allgemein besonders krypto-affinen Asien nicht die teils befürchteten dauerhaften Rückgänge nach sich zog. Geschlossene Mining-Farmen, Absagen rund um wichtige Branchenevents rund um den Globus und viele andere schlechte Nachrichten hinterliessen eher kurzfristig Spuren. Einige Experten weisen sogar einen Zusammenhang zwischen der Virus-Krise und dem Markt vollends von der Hand. Sie sehen eher die generell schwierige Lage als Auslöser der Probleme. Schaut man sich den Jahresverlauf der Kurse an, könnte in diesen Bewertungen mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit liegen. Korrekturen gehören zum Alltag, die Rückkehr in höhere Kursbereiche ebenfalls.

Übrigens: Gerade Ripples XRP erlebt dieser Tage eine eindrucksvolle Kurs-Rallye, die den Verlauf vieler Kryptowährungen in den Schatten stellt. Schon seit längerem fielen die Bewegungen hier in positiver Hinsicht nicht mehr so dynamisch aus. Zuvor gab es über Monate keine vergleichbar guten Nachrichten bei der Währung, wenn es um die Zahl der Transaktionen und Preisentwicklung ging.

Börsen freuen sich über hohe Handelsvolumina

Vielmehr profitiert die digitale Welt vom Erlahmen des stationären Handels. Je länger die Krise dauert, desto stärker könnte die Akzeptanz für digitale Währungen im Online-Handel steigen. Abermals spielen dabei fraglos zunehmende Regulierungen eine wesentliche Rolle. Etliche Börsen berichteten zuletzt von steigender Nachfrage. Ein Beispiel ist die US-Börse Coinbase, die für die zweite Märzwoche binnen 24 Stunden (12./13.03.) ein Handelsvolumen von über zwei Mrd. US-Dollar verbuchte. Auch die Suchanfragen bei Google und anderen Suchmaschinen erreichten Rekordwerte wie zuletzt im vergangenen Jahr 2019. Für die Entwicklung der Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie könnte nun entscheidend sein, ob Staaten parallel zur Kriseneindämmung weiter an Regulierungen und Verboten arbeiten. Denkbar ist eine Verschiebung bisheriger Pläne auf unbestimmte Zeit, weil es aus Sicht der Politik drängendere Probleme gibt.

Kurzfristige Gewinne oder dauerhafter Positiv-Trend?

Manches Kryptoprojekt ist deshalb vor Herausforderungen gestellt, sicher werden auch Unternehmen der Kryptobranche vor dem Aus stehen, allerdings ist ohnehin nicht jedes Vorhaben von Erfolg gekrönt. Mehr Zuspruch auf Anlegerseite könnten Kryptowährungen ernten, da viele Währungen wie der Bitcoin systembedingt limitiert sind. Abermals sei dabei auf die Ähnlichkeit zum Edelmetall Gold erwähnt. Experten wie der Kryptoanalyst Chris Burniske rechnen damit, dass die Krise bei klassischen Investments die Kryptowährungen nicht nur akut stärken könnten. Auch Galaxy Digital-CEO Michael Novogratz sieht in Interviews in und nach der Corona-Krise „die Zeit des Bitcoin“ gekommen. Denn Anleger erkennen, dass die Probleme vieler Fiatgelder und die massiven Staatsverschuldungen ein Umdenken verlangen. Sinkende Bruttoinlandsprodukte führen ihrerseits zu Sorgenfalten bei Investoren und Anlegern, die nach einem stabilen Markt suchen.

Volatilität wird die Kryptobranche weiterhin auszeichnen

Noch mag der Bitcoin nicht die Krisenwährung sein, wie es sich mancher Anhänger wünschen würde. Die derzeitige Zeit scheint aber den digitalen Währungen in die Hände zu spielen. Schwächen die Rettungspakete vieler Staaten und Notenbank klassische Währungen weiter über einen derzeit kaum absehbaren Zeitraum, kann dies auf lange Sicht den Kryptomarkt stärken. Hilfreich sind dabei Forderungen wie die des deutschen Digitalverbandes Bitkom und ähnlicher Einrichtungen in anderen Ländern. Die Aufholjagd vieler Kryptowährungen jedenfalls lässt Hoffnung aufkommen. Allerdings: An der Volatilität digitaler Währungen wird sich wenig ändern. Branchenkenner wie Paul Hülsmann, CEO des Unternehmens Finexity, sehen die Schwankungsbreite der Coins und Token als „Teil ihrer DNA“, die auch zukünftig nach der Corona-Krise Bestand haben wird. Hülsmann sieht ausserdem eine klare Parallele zum Aktien- und Goldmarkt. Sinken dort die Preise, setze dies auch digitale Währungen unter Druck.

Kryptowährungen nach der Krise als grosser Gewinner?

Die Hoffnung vieler Anleger, dass sich der Kryptobereich zum neuen sicheren Hafen entwickelt, könnte dem Sektor dauerhaft Vorteile einbringen. Dass mancher Analyst von einem baldigen historisch bisher einmaligen Bullrun ausgeht, könnte sich schon bald als berechtigt erweisen. Ob nun nach der Krise die grosse Stunde digitaler Währungen schlagen wird, kann nur gemutmasst werden. Die Chancen aber, dass der digitale Sektor eher profitieren als dauerhaft leiden wird, stehen momentan denkbar gut – je länger die Krise dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass Nachfrage und Einsatz der zahllosen Währungen etwa beim Online-Einkauf zulegen. Vom Gebrauch als Spekulationsobjekt bei belasteten Börsen ganz zu schweigen.

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