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Wie investieren im Klimawandel – auch mit Kryptowährungen

von Matthias Nemack

Klimawandel: Das Investieren in diesen Zeiten ist komplex. Kryptowährungen haben hier nicht den besten Ruf, aber es gibt auch klimafreundliche Kryptowährungen. Ein kleiner Überblick.

Illustration mit Bitcoin, Winrad und Wald als Bild für den Klimawandel

Nicht nur in Deutschland, der Schweiz oder Österreich erlebten ökologische Bewegungen wie „Fridays for Future“ in den letzten Jahren einen regen Zulauf. Auch international legen Menschen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Handeln. Dass dies auch am Anlagemarkt Spuren hinterlässt, liegt auf der Hand. So stellen sich Anleger weltweit immer häufiger die Frage, wie die Zukunft des Investierens in Zeiten des Klimawandels aussehen kann. Die erste wichtige Nachricht: Viele Experten betonen, ökologisches Bewusstsein und Investments müssten sich keineswegs ausschliessen. Besonders häufig steht die Anlageklasse der Kryptowährungen in der Kritik, wenn es um nachhaltiges Spekulieren und Investieren geht. Und in der Tat haben Politik und Energieexperten durchaus Recht, wenn sie in öffentlichen Stellungnahmen den teils extremen Energieverbrauch anmahnen, der innerhalb vieler Kryptosysteme gang und gäbe ist. Besonders häufig wird dabei Krypto-Mining als Risiko für die Umwelt bezeichnet.

Entwickler digitaler Währungen suchen den Ausweg aus der „Energiekrise“

So richtig solche Einschätzungen sind – verschwiegen wird dabei gerne, dass auch die Kryptobranche schon seit längerem einen Wandel durchläuft. Die wesentliche Frage ist für Anleger mit Krypto-Interesse schlicht und ergreifend, ob es Systeme im Kryptoversum gibt, bei denen umweltbewusste Nutzer ruhigen Gewissens einsteigen können. Die Antwort: Längst gibt es sogenannte „grüne“ Kryptowährungen, deren Ökobilanz weitaus besser ausfällt als die des vermeintlichen grossen Umweltsünders Bitcoin. Kein Wunder, denn die Branche ist sich der bestehenden Probleme bewusst. Viele Entwickler arbeiten daran, existierende Währungen und Technologien nachhaltiger zu gestalten und neue, bessere Projekte zu schaffen. Dies wiederum setzt in erster Linie den Bitcoin zusehends unter Druck.

Kritik am Bitcoin-Verbrauch nimmer weiter zu

Die führende digitale Währung hat bewegte Wochen hinter sich. Denn nicht nur Regulierungsbehörden und Umweltverbände haben die erste Kryptowährung der Welt ins Visier genommen. Mit Tesla-Gründer Elon Musk äusserte sich gleich mehrfach eines der grossen Namen der Kryptowelt negativ zu BTC. Die Folge war das Ende des Bitcoins als Zahlungsoption beim Kauf eines Tesla-Fahrzeugs. Dabei war der Coin erst kurz zuvor vom Elektroauto-Hersteller in das Portfolio der Zahlungsmöglichkeiten aufgenommen worden. Doch dieser Vertrauensentzug ist wie gesagt nicht die erste Kritik an der mit auf Umweltaspekte sprichwörtlichen Kehrseite und dem grossen CO2-Fussabdruck der erfolgreichen Kryptowährung. Zumal die Vorwürfe ohne weiteres auch an etliche andere Kryptoformate gerichtet werden können.

Mining als Ursache des hohen Stromverbrauchs

In besonderer Weise stehen die Umweltbelastungen in Verbindung mit Kryptomining im Zentrum der medialen Angriffe auf dem Markt. So ist es nur allzu verständlich, dass immer mehr Einsteiger, aber auch erfahrene Kryptoinvestoren verstärkt nach den besagten grünen Coins und Token als mögliches Investment Ausschau halten. Für viele waren spätestens Publikation des Cambridge Centre for Alternative Finance Grund, die eigene Krypto-Anlagestrategie zu hinterfragen. Das Institut zeichnet für den sogenannten Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index verantwortlich. Der Index befasst sich mit der Frage nach dem Energieverbrauch in Verbindung mit Mining, also dem Entstehen neuer BTC-Münzen im Netzwerk. Dieser Prozess erfolgt nahezu in Echtzeit. Den Jahresverbrauch ermittelten die Experten des CCAF im Rahmen ihrer Hochrechnungen zuletzt pro Jahr auf etwa 120 Terawattstunden. Dies entspricht fast einen Fünftel des Jahresstromverbrauchs Deutschlands. Verglichen mit kleineren Staaten wie den Niederlanden hat der Bitcoin – negativ gesehen – gar die Nase vorn.

Dank erneuerbarem Strom ohne schlechtes Gewissen mit Mining verdienen

Grund für den hohen Verbrauch ist das Bitcoin-Konsensprotokoll namens Proof-of-Work (PoW). Durch diesen Prozess werden Bitcoin-Transaktionen anhand einer aufwendigen mathematischen Formel bestätigt (validiert). Der Energiebedarf ist den Mining-Geräten geschuldet, die die Berechnungen durchführen. Doch es gibt ein Umdenken. Auch Bitcoin-Entwickler arbeiten an der Reduzierung des bisherigen Verbrauchs. Nutzer, die über Mining-Belohnungen Geld verdienen (möchten) haben durchaus ebenfalls Möglichkeiten, um sich durch die bewusste Entscheidung für Strom aus regenerativen Quellen (Stichwort: Wind- oder Wasserkraft) mit Blick auf die Zukunft des Investierens in Zeiten des Klimawandels dennoch ohne ökologische Reue Chancen zu eröffnen. Wer als Miner auf Ökostrom setzt, um Coins zu minen, kann so dennoch am Boom von PoW-basierten Kryptosystemen teilhaben.

Hinzukommt, dass viele Netzwerke im Kryptoversum das Verfahren Proof-of-Stake (PoS) als Weg aus der „Energiekrise“ erkannt haben und nutzen. Für das Mining und den Schutz dieser Systeme wird wesentlich weniger Strom benötigt. Fünf dieser grünen und umweltverträglicheren Währungen möchten wir an dieser Stelle kurz und bündig vorstellen. Die Liste ist freilich nicht vollständig und wird zudem stetig länger.

Infografik zu den Unterschieden von Proof of Work und Proof of Stake

Infografik zu den Unterschieden von Proof of Work und Proof of Stake

Modell 1: Ethereum (ETH)

Ethereum bzw. der System-interne Coin Ether ist nach dem Bitcoin nach Marktkapitalisierung die Nummer zwei unter den Kryptowährungen am Markt. Entstanden im Jahr 2013, bildet ETH die Basis für den heute boomenden Bereich der sogenannten DeFi-Projekte. Im Rahmen des Updates auf Ethereum 2.0 erlebt das bisher verwendete PoW-Protokoll eine schrittweise Überführung auf den PoS-Ansatz. Wie der Bitcoin profitiert Ethereum seit Jahren vom Boom des Marktes und bietet Investoren bis heute immer wieder erstaunliche Rendite-Chancen. umgestellt wird. Unter technischen Gesichtspunkten Sicht ist Ethereum vor allem durch die sogenannten dApps gleichsam innovativ wie individuell anwendbar. Besagte dApps sind dezentrale Programme, die Nutzern zahllose Anwendungsmöglichkeiten – etwa für digitale Vertragsabschlüsse – bietet. Nach vollständiger PoS-Umstellung wird Ethereum in Zukunft zurecht als grüne Kryptowährung gelten.

Modell 2: Cardano (ADA)

Das Netzwerk und die Währung ADA setzt ohnehin auf einen Betrieb der Blockchain auf Basis eines PoS-Protokolls. Experten sehen dieses System schon lange als das „neue Ethereum“. Nicht zuletzt wegen der nachhaltigen Funktionsweise. Auch in puncto Skalierbarkeit überzeugt Cardano viele Anleger, die nicht allein auf den schnellen Spekulationserfolg abzielen, sondern auch die Technik zu schätzen wissen. Cardano liegt aktuell (Stand: 09/2021) auf Platz vier der digitalen Währungen mit der höchsten Marktkapitalisierung. Das Entwicklerteam um Gründer Charles Hoskinson will nichts weniger als die Revolution des (digitalen) Handels erreichen. Hoskinson attestiert dem Cardano-Protokoll Ouroboros eine um den Faktor 1,6 Millionen höhere Effizienz. Der Token gilt vielen Analysten als chancenreich. Kurseinbrüche sind wie bei allen Kryptowährungen nicht auszuschliessen. Dennoch gibt es immer wieder eindrucksvolle Ausbrüche nach oben.

Mit dem Alonzo-Upgrade soll Cardano noch energie-effizienter werden

Modell 3: Nano

Die System samt zugehöriger Währung Nano zeichnet sich nicht allein dadurch aus, dass Nutzer diese kostenlos verwenden können. Der generelle Verzicht auf Mining-Prozesse macht die Währung für viele Branchenkenner besonders nachhaltig. Bei Transaktionen und Netzwerk-interne Konsensprozesse vertraut das System auf ein Abstimmungsverfahren, was der Währung ebenfalls eine besonders Energieeffizienz  einbringt. Basis ist der Konsensmechanismus Open Representative Voting (ORV). Nutzer stimmen faktisch über jede Transaktion ab. Nano gilt wegen der genannten Punkte als eine der Währungen mit dem kleinsten Fussabdruck in puncto CO2. Bisher hat Nano noch den Sprung in die Top 100 der führenden Kryptowährungen geschafft. Gerade dies aber spricht angesichts des konstant steigenden Interesses weltweit dafür, auf der Suche nach grünen Kryptowährungen auf hier genauer hinzusehen.

Modell 4: Polkadot (DOT)

Polkadot ist der beste Beweis dafür, wie eng verschiedene Kryptosysteme miteinander verbunden sein können. Erfinder Dr. Gavin Wood nämlich gehörte auch zu den Ethereum-Mitgründern und arbeitet seit Jahren an der (Weiter-) Entwicklung neuer Krypto-Algorithmen und -Codes für Smart Contracts, die im Netzwerk von Ethereum zum Einsatz kommen. Das Ziel von Polkadot: Das Verfahren Parachains soll bestehende technische Schwachstellen und Lücken des Ethereum-Netzwerks schließen. Vor allem sorgt Parachains dafür, dass Transaktionen vereinfacht werden, um das Risiko System-Überlastungen zu minimieren. Auch hohe Gebühren, wie sie im Falle von Ethereum im Zusammenhang mit dApps zunehmend auftreten, sollen durch das spezielle Verfahren verhindert werden. Polkadot belegt momentan Platz neun der nach Marktkapitalisierung grössten Kryptowährungen. Auch hier präsentierten sich regelmässig gute Gelegenheiten für Investoren, die umweltbewusst in Kryptowährungen investieren möchten.

Modell 5: IOTA (MIOTA)

Wer auf der Suche nach umweltfreundlichen digitalen Währungen sucht, dabei aber kein so hohes Risiko wie bei vielen Coins und Token am Markt eingehen möchte, sollte sich mit dem Netzwerk IOTA und der Währung MIOTA eingehender befassen. Die bessere Stabilität des Kurses ist allerdings in gewisser Weise Fluch und Segen zugleich. Denn die im Vergleich mit anderen Kryptowährungen geringere Volatilität stellt Anleger auf der anderen Seite vor das Problem, dass akute Rekordgewinne in vielen Marktphasen eher nicht zu erwarten sind. Gerade langfristig orientierte Anleger aber finden gerne im IOTA-System Zuflucht und konnten in der Vergangenheit mit der nötigen Geduld oftmals hohe Renditen realisieren. Das Netzwerk zeichnet sich unterm Strich durch einen relativ geringen Energieverbrauch aus. Pro Transaktion wurde in verschiedenen Analysen ein Verbrauch von lediglich etwa 0,11 Kilowattstunden ermittelt. Die Entwickler streben zudem eine weitere Reduzierung an.

Wie gesagt:

Kryptowährungen müssen nicht zwingend umweltfreundlich sein. Die gute Nachricht aber ist, dass sie es durchaus sein können. Die Auswahl am Markt ist inzwischen so gross, dass ökologische Sorgen kein Argument gegen den Einstieg mehr sind. Es gilt, sich eingehend mit den jeweiligen technischen Bedingungen zu befassen und im Anschluss die richtige Entscheidung zu treffen. Zudem fällt auf: Dank des immer stärkeren Wettbewerbs suchen Entwickler ständig nach neuen Wegen zu einer besseren Umweltverträglichkeit. Das Ergebnis  sind immer effizientere, günstigere und sicherere Netzwerke.

Umweltbewusst auf Kryptokurse wetten als Alternative

Für alle Krypto-Interessierten, die auf einen Direktkauf verzichten möchten, gibt es ebenfalls Gelegenheiten am Markt. Optionen, Differenzkontrakte und andere Krypto-bezogene Finanzprodukte boomen regelrecht. So können Marktteilnehmer ohne einen physischen Kauf gezielt auf Kursbewegungen spekulieren bzw. Wetten. Aber Vorsicht: Auch in diesem Fall nehmen Transaktionen zumindest indirekt Einfluss auf den Energieverbrauch der Systeme. Zudem verbraucht der Betrieb von Handelsplattformen, Kryptobörsen und Server-Anlagen in diesem Kontext ebenfalls Strom. Die Zukunft des Investieren in Zeiten des Klimawandels sieht unterm Strich als durchaus optimistisch aus. Allein, den richten Ansatz zu finden, verlangt Anlegern eine gewisse Einarbeitung in das Thema allgemein und die Besonderheiten verschiedener Währungssysteme ab.

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Dieser Post ist im Rahmen unserer Nominierung für den finanzblog-award entstanden. Ihr könnt noch bis 1. Oktober 2021 noch für unsere Site abstimmen.

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