Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin zeigt sich besorgt über den Bitcoin. Vor allem zwei Punkte empfindet er als bedeutende Schwachstellen und verteidigt durch diese Zugleich den Merge, der zuletzt oft kritisiert wird.

Ist Bitcoin langfristig zu unsicher?

In einem jüngst erschienenen Interview erklärt Vitalik Buterin, Initiator Ethereums, besorgt über Bitcoins Zukunft zu sein. Kritik äussert er besonders am Konsensmechanismus Proof of Work – ein System, das Ethereum bislang selbst verwendet, bis es in wenigen Tagen dank des Merge von Proof of Stake ersetzt wird.

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Langfristig werde Bitcoin vor drastischen Probleme stehen, so glaubt Buterin. So erklärt er:

Langfristig wird die Sicherheit des Bitcoin ausschliesslich von Gebühren abhängen und Bitcoin schafft es einfach nicht, das erforderliche Mass an Gebühreneinnahmen zu erzielen.

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Vitalik Buterin: Bitcoins Gebührenproblem

Was Buterin damit meint: Bitcoin ist eine Kryptowährung mit einem Hardcap. Anders als bei Ethereum besteht eine Obergrenze von 21 Millionen Coins. Bislang werden Miner durch Blockbelohnungen und Gebühren bezahlt. Diese bilden den Anreiz für ihre Tätigkeit.

Wenn der Bitcoin allerdings seine Obergrenze erreicht, erhalten die Miner nicht länger Blockbelohnungen, sondern nur noch Netzwerkgebühren. Damit sich die Tätigkeit des Bitcoin-Minings auch weiterhin lohnt, müssten diese Gebühren hoch genug sein.

Aktuell zahlt ein Nutzer etwa einen US-Dollar an Gebühren pro Transaktionen. Buterin glaubt, dass dieser Betrag nicht hoch genug sei und über die letzten fünf Jahre ein zu geringes Wachstum erlebte.

In der Realität könnte Bitcoins oft befürwortetes Hardcap dazu führen, dass die Gebühren enorm in die höhe schiessen, da Miner sonst Geld durch ihre Tätigkeit verlieren würden.

Lesetipp: Ethereum: Merge führt zu mehr Zensur?

Vollzieht Bitcoin auch den Wandel zu Proof of Stake?

Ausserdem kritisiert Buterin die Effektivität von Proof of Work. Doch damit ist diesmal nicht der Energiebedarf des Bitcoin-Netzwerks gemeint, sondern seine monetäre Effektivität. Buterin beschreibt es wie folgt:

“Proof of Work bietet viel weniger Sicherheit pro Dollar, der für Transaktionsgebühren ausgegeben wird, als Proof of Stake.”

Buterin befürchtet, dass der Wert der gesamten Bitcoin-Versorgung jenen des Bitcoin-Netzwerks übersteigt.

Wie würde eine Zukunft aussehen, in der es Bitcoin im Wert von 5 Billionen Dollar gibt, aber nur 5 Milliarden Dollar nötig sind, um die Blockchain anzugreifen?

Fragt der Programmierer. Er selbst glaubt, die Antwort sehe folgendermassen aus:

Wenn Bitcoin tatsächlich angegriffen wird, erwarte ich natürlich, dass der politische Wille, zumindest zu einem hybriden Proof of Stake überzugehen, schnell aufkommen wird, aber ich glaube, dass dies ein schmerzhafter Übergang sein wird.

Ja, richtig. Buterin glaubt tatsächlich, dass auch der Bitcoin einen Wandel zu Proof of Stake vollzieht – wenn auch nur zu einem hybriden Modell. Eine starke politische Ablehnung von Proof of Stake unter Bitcoinern hält er für das grösste Hindernis.

Die Abkehr von Proof of Work scheint politisch nicht durchsetzbar zu sein.

Wie ist Buterins Kritik zu werten?

Buterins Intention ist offenkundig: Er versucht den Wandel Ethereums von PoW zu PoS zu rechtfertigen. Tatsächlich ist keiner der beiden Kritikpunkte neu. In der Szene werden sie schon seit Jahren beachtet und diskutiert.

Bitcoins mögliches Gebührenproblem ist weit entfernt. Erst im Jahr 2140 könnte dieses Realität werden. Fraglich ist sicher, ob der Bitcoin bis dahin seine Rolle als bedeutendste freie Währung halten kann.

Sicher ist, dass bis heute nicht abschliessend geklärt ist, wie Bitcoin dieses Problem bewältigt. In der Krypto-Szene führten die frühzeitigen Diskussionen um die Kehrseite eines Hardcaps zu neuen Ansätzen.

Der Privacy Coin Monero verwendet daher die sogenannte Tail Emission – einen Softcap mit unendlicher Umlaufversorgung. Da die Ausgabe jedoch nur langsam voranschreitet und es bei Kryptos immer wieder zu Verlusten kommt, ist nicht sicher, ob es zu einer Inflation oder Deflation kommt.

Buterins Kritik an der monetären Effektivität vernachlässigt einen wichtigen Punkt. Die ernsthafteste Bedrohung für die bekannten Blockchains sind staatliche Angreifer. Da diese die Kontrolle über das Fiatgeld haben, könnten sie eine beliebige Geldmenge erschaffen, die Mehrheit der Gelder einer PoS-Blockchain erwerben und das Netzwerk so übernehmen.

Bei einer PoW-Blockchain ist der Aufwand deutlich höher, wenn die dafür nötige Geldmenge auch geringer sein mag. Experten schätzen, dass es 2022 bereits über eine Million Miner gibt. Möchte ein Staat hier die Mehrheit stellen, wäre das mit einem enormen Aufwand an Gerät und Arbeit verbunden.

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