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Die dunkle Seite der Blockchain? Licht und Schatten liegen nah beisammen

von Matthias Nemack

Wenn von der Blockchain die Rede ist, geht es in der Welt der Kryptowährungen in erster Linie um positive Eigenschaften. Aber es gibt auch negative Aspekte.

Nachthimmel und Mond

Wenn von der Technologie der Blockchain die Rede ist, geht es in der Welt der Kryptowährungen in erster Linie um die positiven Eigenschaften. Das stimmt auch in aller Regel. Das grosse Aber: Natürlich hat das Ganze auch negative Aspekte. Die innovative Technologie von Morgen birgt gewisse Risiken. Um diese soll es an dieser Stelle gehen. Und zwar, ohne die wesentlichen Pluspunkte ausser Acht zu lassen. Richtig ist: Jeder technologische Gedanke birgt immer auch Gefahren. Dies gilt ebenso für Kryptowährungen an sich als auch für die möglichen „Use Cases“ der verschiedenen Währungen und Ideen hinter selbigen. Krypto-Portale und immer mehr etablierte Medien berichten gleichermassen nicht ohne Grund über die verschiedenen Schattenseiten, die zu jeder Innovation gehören.

Bei allen positiven Entwicklungen vom Handel mit Bitcoin und Altcoins wie Litecoin über behördliche Pilotprojekte bis hin zu unbürokratischen Anwendungsmöglichkeiten für den Vertragsabschluss: Auch die Blockchain präsentiert immer wieder unschöne Eigenschaften.

Wissen zur Blockchain:

Nicht Technologien, sondern Anwender können das Problem sein

Die wichtigste Erkenntnis beim Blick auf die besagte dunkle Seite der Blockchain: Natürlich ist es nicht die Technologie, die sich als schlecht erweist. Wie immer geht es um die Frage, welche Ziele Anwender verfolgen. Da die Blockchain zunehmend auch in der (Finanz-) Wirtschaft als Chance begriffen wird, liegt es nahe, dass sich auch Kriminelle von den Verheissungen anziehen lassen. Anfangs war der Bitcoin etwas für Insider der digitalen Welt, inzwischen sind Privacy Coins wie Monero zum Nachfolger des BTC im sogenannten DarkNet geworden, wo im Verborgenen Cyberkriminelle Geschäfte abwickeln. In der normalen Internet-Welt aber kommen digitale Währungen ebenfalls zunehmend an. Immer mehr Online-Shops erkennen das Interesse auf Kundenseite und akzeptieren zumindest die grossen Coins als Zahlungsmittel.

Es liegt und lag von Anfang an nahe, dass diese Anerkennung eben auch Kriminelle anzieht. Sie erkannten früh die Chancen der Blockchain als potenzielles Instrument für ihre illegalen Machenschaften erkannt haben. Spätestens seit den letzten Kursexplosionen am Kryptomarkt ab dem Jahr 2017 fühlten sich viele zwielichtige Nutzer auf den Plan gerufen.

Coins zeitweise von massiven Kursbewegungen geprägt

Auch wenn Fans in erster Linie die positiven Aspekte digitaler Währungen und insbesondere der Blockchain hervorgehen, soll die zweite Seite der Medaille an dieser Stelle ausführlich zur Sprache kommen. Ganz ohne den Blick auf mögliche Missbrauchs- und Kriminalitätsrisiken muss in jedem Fall auf die hohe Volatilität (Schwankungsbreite) aller – bisher nicht staatlich regulierten – Kryptowährungen und der Blockchain verwiesen werden. Die Preise digitaler Währungen unterliegen teils erheblichen Schwankungen, wie die vergangenen Monate sehr eindrücklich gezeigt haben. Zwar kann man dies nicht automatisch der Blockchain-Technologie zur Last legen. Für Investitionen in Blockchain-basierte Coins und Token aber ist dies dennoch wichtig. Wobei nicht verschwiegen werden darf, dass genaue diese Schwankungen Investment-Hoffnungen bei all jenen wecken, die hohe Risiken einzugehen bereit sind.

Glaubensfalle Blockchain – viele Fans neigen zur Überbewertung

Bei aller Vielfalt der Anwendungsfälle der Blockchain gibt es also auch einige wesentliche Gefahren. Es gibt viele Anhänger der Technologie, die der Blockchain nahezu den Status einer Quasi-Religion beimessen. Diesbezüglich muss aber klar unterschieden werden. Natürlich zeichnet sich der technische Ansatz durch viele extrem innovative Eigenschaften auf, die in vielen Bereichen der Wirtschaft (und nicht nur dort) neue Wege eröffnet seit Einführung des Bitcoins und anderer Coins und Token seit dem Jahr 2009. Die Blockchain auf den religiösen Sockel zu heben, ist aber trotz aller Vorzüge eine der dunklen Seiten. Der einzig wahre, grosse Problemlöser für gesellschaftliche und wirtschaftliche Sorgen aber ist sie sicher nicht. Ohne Frage bietet sich die Blockchain für die Behebung vieler Probleme an. Wie im Falle des Internets seit seinem Aufkommen Anfang der 1990er Jahre wird es aber auch weiterhin viele Knackpunkte geben, die in Zukunft Bestand haben werden.

Eine der Schattenseiten hierbei:

Verschiedene Alters- und Gesellschaftsgruppen sind weitgehend ausgeschlossen. Warum? Auch heute noch verfügt nicht jeder Mensch über einen Internetanschluss oder ein mobiles Endgerät mit Blockchain-Eignung. Auch hohe Stromkosten beim Mining und anderen Use Cases in Verbindung mit der Technologie sind eine Schwäche.

Angst vor zu wenig Kontrolle und Missbrauchsgefahren

Ein Kritikpunkt, der oft und gerne als dunkle Seite der Blockchain ins Feld geführt wird, sind fehlende Kontrollmechanismen. Genauer gesagt fehlende Kontrollen innerhalb der meist dezentralen Durchführung von Transaktionen. Das schon erwähnte DarkNet steht hier besonders oft im Mittelpunkt kritischer Stimmen. Dass in den Krypto-Systemen aber ausdrücklich auf die Überprüfung von Verfügungsrechten verzichtet und Gelder anonym zwischen Wallets und Kryptokonten bewegt werden, ist aus User-Sicht aber genau genommen ein Vorteil. Zumal: Illegale Machenschaften gibt es freilich, sie machen aber Studien und Statistiken zufolge einen deutlich geringeren Anteil aus, als gerade viele Laien glauben. Dass keine Banken, Notare oder andere Dritte als Kontrollinstanzen zwischengeschaltet sind, bedeutet zudem nicht, dass Gelder bei fehlerhaften Transaktionen auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Vielmehr lässt sich sagen: Die Ausführung von Überweisungen mithilfe der Zugangsdaten und persönlicher Schlüssel ist mitunter sicherer als Überweisungen im traditionellen Zahlungssystem der Bankenwelt.

Auch das normale Bankensystem hat seine Schwachstellen

Wer einmal versucht hat, überwiesene Gelder zurück aufs Bankkonto zu holen, weiss um die Risiken der Bankensysteme. Dass Krypto-Überweisungen ohne Zwischenstelle auskommen, ist vielmehr der Grund für die oft sehr schnellen Transfer bei überschaubaren Transaktionsgebühren. Der Tausch von Krypto-Devisen von einer in eine andere Währung gelingt übrigens ebenfalls schneller als es bei Fiatgeldern Bürokratie-bedingt häufig noch immer der Fall ist. Was die vermeintliche fehlende Legitimierung von Transaktions-Beteiligten angeht: Die Gesetzgeber weltweit bemühen sich um eine Regulierung des Marktes, die schon heute bei vielen Börsen und anderen Dienstleistern zum verpflichtenden der eigenen Identität geführt haben. Auch hat sich gezeigt, dass staatliche Behörden in vielen Blockchain-Systemen durchaus Transaktionen analysieren und zuordnen können. Unbemerkt als Krimineller Gelder verschieben? Dies gelingt oft nur bei so genannten Privacy Coins wie Monero.

Blockchain: Zu viel Einfluss bei zu wenigen Unternehmen und Entwicklern?

Der stete Verweis auf die Gefahren einer vollständigen Dezentralisierung als Auslöser eines digitalen Chaos-Zustands ist ebenso wenig zulässig. Viele Systeme zeichnen sich trotz ihrer Ausrichtung als „Open-Source“-Ansatz eher nicht durch 100-prozentige Dezentralisierung aus. Ein Grund ist darin zu sehen, dass nicht selten unterm Strich nur eine überschaubare Anzahl von Entwicklern für technologische Fortschritte verantwortlich zeichnen. Faktisch ist genau dies für manchen Fan der ersten Stunde eine dunkle Seite der Blockchain, wenn die „Macht“ in den Händen einiger weniger Profis liegt. Eine solche Entwicklung zeichnet sich zusehends auch bei den grossen „Global Players“ der Branche ab. So streben einige Firmen wie etwa die Börse Binance eine Dominanz am Markt an, indem sie stetig neue Produkte entwickeln und weltweit expandieren. Ähnliche Entwicklungen gibt es im Mining-Sektor, wo grosse Pools steigende Marktanteile anstreben.

Blockchain Branche muss aus Fehlern der eigenen „Kinderjahre“ lernen

Der hohe Energieverbrauch für den Betrieb der Blockchain und ähnlicher Systeme verdient indes tatsächlich die Erwähnung als dunkle Seite. Für das Mining kommen Rechner und Zubehör zum Einsatz, die reichlich Strom benötigen. In Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins und dem Wunsch nach Nachhaltigkeit ist dieser Aspekt ein zulässiger Kritikpunkt. Gegner des wachsenden Kryptomarktes sehen insbesondere hier enormen Nachholbedarf. Und es tut sich durchaus einiges, denn etliche Systeme werden effizienter und legen bereits bei ersten Entwicklungen auch Wert auf ökologische Aspekte. Am Ende mag es je nach Standpunkt durchaus Schattenseiten geben. Jedoch ist der Fortschritt ohnehin nicht mehr aufzuhalten. So wird es letztlich darum gehen, dass der Grossteil der Community gemeinsam an der Behebung der augenfälligsten Probleme der Branche arbeitet.

Angesichts der kurzen Historie der Krypto- und Blockchain-Welt wird es vielleicht noch eine Weile dauern, bis aus dem Erkennen aller Fehler nötige Schritte rund um den Bitcoin, Altcoins und Token folgen.

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