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Japan: Zentralbank startet CBDC-Pilotprojekt

von Lemmy

Die Bank of Japan (BOJ) beginnt mit der Entwicklung und dem Testen ihrer eigenen digitalen Währung.

Tempel Japan

In einem Bericht von Reuters hat die japanische Zentralbank (Bank of Japan, BOJ) mit Untersuchungen zur Machbarkeit einer eigenen digitalen Zentralbankwährung (engl.: Central Bank Digital Currency, CBDC) begonnen. Die japanische Zentralbank beginnt damit mit der Entwicklung und dem Testen ihrer eigenen digitalen Münze.

Im Gegensatz zu Bitcoin oder anderen Kryptowährungen unterliegen digitale Währungen, die von Zentralbanken ausgegeben werden, der vollständigen Kontrolle des Staates und sind im Grunde genommen Fiat-Währungen in digitaler Form.

Pilotprojekt: Experimente mit dem digitalen Yen

Die Bank von Japan hat die erste Phase ihres CBDC-Pilotprojekts angekündigt, die bis März 2022 dauern soll. Aktuell arbeitet die Bank an einem Konzeptnachweis für ihre digitale Zentralbankwährung. Der Schwerpunkt liegt auf Tests zur Machbarkeit der Einführung, Verteilung und Einlösung des digitalen Yen.

Die BOJ tritt damit in die Fussstapfen anderer führender Zentralbanken der Welt. Die Bank of China ist bei diesen Aktivitäten bislang führend, da sie bereits seit 2015 am digitalen Yuan arbeitet und ihre CBDC seit letztem Jahr in mehreren chinesischen Provinzen umfassend testet.

Im Rahmen erster Vorbereitungen Anfang 2021 wurden die technische Machbarkeit der Kernfunktionen getestet. Nun beginnt die BOJ mit der ersten Testphase ihrer Digitalwährung, in welcher eine Testumgebung für das CBDC-System geschaffen wird und die grundlegenden Funktionen im Zusammenhang mit Ausgabe, Verteilung, Zahlung und Rücknahme der Digitalwährung getestet werden.

Das Pilotprojekt soll ab Oktober 2021 starten, wobei die Bank ihren Fokus auf Effizienz und Stabilität der Systeme zur Zahlung und Abwicklung legen möchte.

CBDC-Funktionen werden auch im privaten Sektor getestet

In der zweiten Testphase werden zusätzliche CBDC-Funktionen aus der ersten Phase implementiert und auf Durchführbarkeit getestet. Nach Abschluss der zweiten Testphase wird laut dem ursprünglichen Entwicklungsplan ein CBDC-Pilotprogramm gestartet, an dem auch Endnutzer und Zahlungsdienstleister beteiligt sein werden. Dazu wird die japanische Zentralbank einen Koordinierungsausschuss einrichten und es ist geplant, bei den anstehenden CBDC-Piloten auch mit dem privaten Sektor zusammenzuarbeiten.

Die Bank of Japan betonte letztes Jahr, dass die Einführung einer Kryptowährung von öffentlicher Unterstützung abhängen würde. Kazushige Kamiyama, Leiter der Abteilung für Zahlungssysteme der Bank, sagte, dass es eine Koexistenz zwischen Banknoten und digitaler Währung geben würde und dass die CBDC keine negativen Auswirkungen auf den Währungskurs haben würde, solange traditionelle Währungen weiterhin existieren.

Doch welchen Nutzen der private Sektor von CBDCs haben wird, ist bisher umstritten. Laut einer Studie der Blockchain-Firma R3 sind digitale Währungen für Endverbraucher noch nicht nutzbar und noch keine Zentralbank arbeitet an der Entwicklung einer Digitalwährung für Endverbraucher. Vielleicht möchte ausgerechnet die Bank von Japan dafür einen Grundstein legen.

BOJ: Noch keine Pläne zur Ausgabe einer CBDC

Die Bank habe laut Shinichi Uchida, dem Executive Director von BOJ, noch keine Pläne zur Ausgabe einer CBDC, hält es aber dennoch für wichtig, mit eigener Digitalwährung zu experimentieren und sich in angemessener Weise auf veränderte Umstände vorzubereiten.

Die Leiterin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, erklärte ebenfalls, dass die Einführung des digitalen Euro mindestens vier Jahre oder auch länger dauern könnte. Dieser Zeitrahmen wird davon abhängen, ob der europäische Block beschliesst, einen digitalen Euro einzuführen. Diese Entscheidung sollte bis Herbst dieses Jahres getroffen werden.

Obwohl zahlreiche EU-Staaten – darunter Russland, Deutschland, Schweden, Frankreich und Österreich – ihre Pläne zur Einführung einer CBDC enthüllt haben, hinken sie hinter asiatischen Staaten wie Südkorea, Japan und China immer noch weit hinterher.

Auch interessant: Digitales Zentralbankgeld – wie positionieren sich Staaten bisher?

Auch die USA sind noch weit entfernt von einem digitalen Dollar. Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank, verwies auf das Risiko, das für den Dollar entstehen könnte. Deshalb beeile sich die USA nicht, eine CBDC einzurichten. Angesichts der Zurückhaltung der USA und Europa bei der Einführung der CBDC bleibt abzuwarten, wie sich die Einführung einer Digitalwährung durch China auf die Weltwirtschaft auswirken würde.

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